Nackte Hände und Füße sind im Kreis angeordnet, der Hintergrund ist eine Rasenfläche

Partizipation: eher Alibi als neue Qualität?

Wichtige Voraussetzungen für erfolgreiche Bürgerbeteiligung sind die Bereitschaft und die Fähigkeit von Projektträgern und Behörden, denen, derentwegen Beteiligung stattfinden soll – also uns, den BürgerInnen – zu erklären, worum es bei der Sache geht.

Das ist elementar. Schließlich geht es oft um komplexe und komplizierte Themen: Kenntnisse über Verfahren, Fristen, Informations- und Beteiligungsmöglichkeiten („Methodenkompetenz“), aber vor allem auch die Relevanz des Projektes und die Notwendigkeit, sich zu beteiligen. Experten wissen das natürlich, aber ganz normale Menschen eben häufig nicht.

Beteiligung ist aber sehr schwierig zu organisieren, wenn denen, die sich beteiligen sollten, nicht wirklich klar ist, worum es geht, was die Implikationen sind, wieso es sie so sehr betrifft, dass sie die Zeit für Beteiligung aufbringen sollten, obwohl sie doch eigentlich keine haben.

Hinzu kommt das bekannte Planungsparadox, das beschreibt, dass das Interesse an einem Projekt zu dem Zeitpunkt, an dem es die größten Möglichkeiten der Einflussnahme auf ebendieses Projekt gibt, am geringsten ist. In der weiteren Fortentwicklung des Projektes steigt das Interesse, die Möglichkeiten, darauf Einfluss zu nehmen, sinken aber.

Leider gibt es nach unserer Erfahrung noch immer keine Didaktik, kein Repertoire an guten Werkzeugen, um genau das gegenüber den BürgerInnen nachvollziehbar und annehmbar zu erklären. Und selbst wenn dieses Thema von den Vorhabenträgern als Problem erkannt und als Herausforderung begriffen wird, gibt es leider fast nie ausreichende Budgets, Ideen und Maßnahmen, um die Betroffenen und die Beteiligungserwünschten auch effektiv zu erreichen.

Und so wird immer weiter mit genau den Personengruppen gearbeitet, die ohnehin bereits engagiert sind. Besonders gerne tut man das über Online-Plattformen und andere Formate, in die man Beteiligung kanalisiert. Das ist einfach. Man kann das programmieren, hat seine Routinen für Workshops. Aber in Wirklichkeit scheitert man damit sehr viel häufiger als dass es gelingt. Die harte Realität: In den meisten Fällen kommt lächerlich wenig Beteiligung zustande.

Dennoch wird kaum je ernsthaft und mit Konsequenz gefragt, woran dies liegt und daran gearbeitet, das zu ändern. Das ist außerordentlich schade und ein wichtiger Grund dafür, dass die Legitimität der Ergebnisse von Beteiligungsverfahren zu Recht in Zweifel gezogen wird und Beteiligungsformate, in denen es eigentlich um Co-Creation gehen sollte, so oft so enttäuschend verlaufen (zumindest für die Bürgerschaft).

Da stellt sich schon die Frage, ob die, die Beteiligung beauftragen und dann inszenieren/organisieren, sie wirklich und in aller Konsequenz wollen. Wir haben da ernste Zweifel.

Gleichwohl meinen wir, dass es keine andere Möglichkeit gibt, als sich diesem Thema ernsthaft zuzuwenden. Demokratie braucht Beteiligung, sie braucht Einmischung und sie braucht einen bunten Chor an Stimmen. Also müssen im Interesse unserer Gesellschaft auch das Bewusstsein, der Wille und die Mittel zur Orchestrierung geschaffen werden.

 

Katharina Hitschfeld, Foto: Victoria Knobloch

Thomas Perry