Foto Andreas Sickert, Abteilungsleiter Stadtforst

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Andreas Sickert

Zur Person:

Name: Andreas Sickert
Alter: 62
Wohnort: Leipzig
Beruf: Forstingenieur
Tätigkeit: Abteilungsleiter Stadtforsten der Stadt Leipzig
Hobbys: Ethnologie, Sprachen und Bergsteigen

… Jetzt mal ehrlich, was haben uns alle Mühen, Diskussion und Aktivitäten in puncto Bürgerbeteiligung und Akzeptanz in den vergangenen Monaten und Jahren gebracht? Trotz vieler und breiter Diskussions- Informations- und Beteiligungsformate ist unser Umfeld polarisierter denn je. Wo stehen wir – Ihrer Meinung nach – heute mit diesem Anliegen und wo soll das künftig hingehen?

Uns ist es wichtig, dass die Leute verstehen, was wir tun und warum wir es tun. Das halte ich für ein hohes Gut. In der Zwischenzeit akzeptiert die Bevölkerung vieles von dem, was wir in puncto Bewirtschaftung und Unterhaltung des Stadt- und Auwaldes Leipzig tun. Manchmal geschieht das nur zähneknirschend, aber es geschieht. Eine demokratische Gesellschaft lebt nun einmal von Diskurs und Auseinandersetzung

Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Angebote kann es nicht genug geben. Wir wollen diese facettenreich unterbreiten. Jeder ist ja frei in der Entscheidung, diese Angebote anzunehmen oder eben auch nicht.

… Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Umweltschutz, Klimaveränderung der Umgang mit Flora und Fauna – das geht uns alle an. Unsere wichtigste Aufgabe als Stadtforst, die Bewirtschaftung im Leipziger Auwald, ist damit ein stark emotionales Thema. Deswegen haben dazu natürlich auch alle eine Meinung und das ist gut so. Manchmal steht diese im Widerspruch zu anderen Kampagnen und Aktionen. Wir müssen versuchen, unsere Ansichten, unsere Facheinschätzung und unsere Arbeit zu zeigen und verständlich zu machen.

Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Meine Antwort dazu ist knapp – das müssen wir uns einfach leisten.

… Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Ich betrachte den Prozess dann als gelungen, wenn Bürger sagen, dass sie sich so ausreichend informiert fühlen, dass sie damit in der Lage sind, sich selbst eine Meinung zu bilden. Bürger müssen die Fakten abwägen können. Wenn sie dann noch unser Handeln akzeptieren – dann beschreibe ich das als erfolgreich.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

… Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Ja, durchaus. Man muss immer wieder Kompromisse finden. Ein geschlossener Kompromiss bspw. ist ein Erfolg. Aber persönlich und als Fachmann muss dieser Erfolg nicht zwingend Zufriedenheit auslösen. Manchmal kann man aber auch zufrieden sein, ohne dass man erreicht hat, was man wollte.

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Ethnologe

… Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Ich würde mich gerne mehr mit Sprachen beschäftigen. Welche Sprachen sprechen Sie denn? Russisch, Englisch , Spanisch und rudimentär die Sprache der Cree-Indianer.