Bereitschaft für bürgerschaftliches Engagement weiter auf hohem Niveau/überwältigende Mehrheit zweifelt an Möglichkeit der eigenen Einflussnahme. Die Bereitschaft der Deutschen, sich im Zuge eines Projektes zu engagieren, ist ungebrochen hoch. Das geht aus der Oktober-Umfrage der Leipziger Unternehmensberatung Hitschfeld hervor. Demnach wären mehr als die Hälfte aller Deutschen (55 Prozent) bereit, sich für oder gegen privatwirtschaftliche oder öffentliche Vorhaben, wie den Bau von Windparks, Straßen oder Stromleitungen, zu engagieren. Die Befragung ist Teil der repräsentativen Längsschnittstudie „Akzeptanz von Projekten in Wirtschaft und Gesellschaft“. Die Erhebungen mit drei Kernfragen finden im Monatsrhythmus statt. Fester Bestandteil dabei ist die Frage nach der Bereitschaft für persönliches Engagement. Die zwei weiteren Fragen variieren inhaltlich.

Nach den Ergebnissen der September-Umfrage kommt die hohe Bereitschaft für bürgerschaftliches Engagement nicht überraschend. Einen Monat zuvor hatten die Umfragewerte auf ähnlich hohem Niveau gelegen (57 Prozent). Interessant ist allerdings, dass dieser Bereitschaft ein hohes Maß an Pessimismus und Resignation gegenüberstehen. Denn mehr als zwei Drittel aller Befragten meint, dass „der einfache Bürger trotz unmittelbarer Betroffenheit praktisch keine Möglichkeiten hat, seiner Meinung Gehör zu verschaffen“.

Noch deutlicher fallen die Ergebnisse des Statements aus „Bei solchen Projekten zeigt sich: Die große Politik entscheidet – und wir müssen die Folgen tragen“: 84 Prozent aller Befragten identifiziert sich mit dieser Aussage. Es bleibt zu beobachten, ob diese pessimistische Einschätzung der eigenen Lage dazu führt, dass das Potenzial für bürgerschaftliches Engagement ausgeschöpft wird – oder ob die Bereitschaft wegen der mutmaßlich geringen Erfolgsaussichten künftig sinkt. Vor diesem Scheideweg stehen Politik, Wirtschaft und öffentliche Hand im Augenblick. Beide Szenarien stellen die Projektverantwortlichen vor große Herausforderungen.

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