Bereitschaft für bürgerschaftliches Engagement leicht gestiegen/Bereitschaft zu Engagement bei unmittelbarer Betroffenheit ungleich höher – eine Herausforderung für Projektverantwortliche aus Politik und Wirtschaft. Wie unsere November-Umfrage zeigt, ist die Bereitschaft der Deutschen, sich im Zuge eines Projektes zu engagieren, weiterhin sehr hoch. Deutlich mehr als die Hälfte aller Deutschen (58 Prozent) wären demnach bereit, sich für oder gegen privatwirtschaftliche oder öffentliche Vorhaben, wie den Bau von Windparks, Straßen oder Stromleitungen, zu engagieren. Die Befragung ist Teil der repräsentativen Längsschnittstudie „Akzeptanz von Projekten in Wirtschaft und Gesellschaft“. Die Erhebungen mit drei Kernfragen finden im Monatsrhythmus statt. Fester Bestandteil bisher ist die Frage nach der Bereitschaft für persönliches Engagement. Die zwei weiteren Fragen variieren inhaltlich.

Engagement für allgemeine Themen mobilisieren

Die Bereitschaft für bürgerschaftliches Engagement liegt weiter auf hohem Niveau und ist im Vergleich zur Oktober-Umfrage sogar leicht angestiegen. Einen Monat zuvor hatten die Umfragewerte bei 55 Prozent gelegen – im November bei 58 Prozent. Kernpunkt der aktuellen Studie war es, eben diese Bereitschaft zu hinterfragen. So sollte in Frage zwei der Erhebung festgestellt werden, ob dieser Wille auch dann besteht, „wenn es sich um ein Thema von überregionaler Bedeutung handelt“ und das persönliche Umfeld der Befragten davon nicht direkt betroffen wäre.

Das Ergebnis: 53 Prozent der Befragten würden sich in diesem Fall engagieren. Frage drei konfrontierte die Befragten mit folgendem Szenario: „Wenn es sich um ein Thema handelt, von dem ich, meine Familie oder meine Region betroffen wäre, würde ich mich für oder gegen das Projekt engagieren.“ Hier fielen Die Antworten deutlich entschiedener aus. 83 Prozent der Deutschen würden sich für oder gegen ein Projekt bei unmittelbarer Betroffenheit engagieren. Fest steht: Ereignisse vor der eigenen Haustür mobilisieren von jeher mehr Engagement. Dieses menschliche Verhalten jedoch nur dem aus der Sozialforschung bekannten NIMBY-Effekt* zuzuschreiben, wäre zu einfach gedacht. Vielmehr müssen sich die Projektverantwortlichen aus Politik und Wirtschaft über die Konsequenzen dieses Phänomens bewusst werden.

Durch die Kluft zwischen beiden Szenarien ist es möglich, dass bestimmte Vorhaben von Minderheiten blockiert werden können, wenn die breite Öffentlichkeit sich nicht einmischt bzw. eine Haltung artikuliert. Ebenfalls ist zu beobachten, dass allgemeine Themen eher akzeptiert werden, spezifische und regional begrenzte Fälle aus dem gleichen Themenkomplex jedoch wenig Zustimmung finden. Ein Beispiel dafür ist die allgemeine Zustimmung zu den Zielen der Energiewende. Auf lokaler Ebene schlägt die Haltung jedoch oft um, wenn es um die Planungen zum Bau von Windkraftanlagen oder Hochspanungsleitungen geht. Dies ist eine der schwersten Herausforderungen für Politik und Wirtschaft – kritisch-konstruktive Begleiter und Mitträger von Themen des Gemeinwohls zu mobilisieren.

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