Stefan Leermann: Geschäftsführer der Sparkasse Leipzig-Beteiligungen.

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Stefan Leermann

Name: Stefan Leermann

Alter: 52

Wohnort: Borsdorf, OT Panitzsch

Beruf: Diplom-Ökonom

Tätigkeit: Geschäftsführer S-Beteiligungen. Tochterunternehmen der Sparkasse Leipzig

Hobbys: Jagd

… Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst wird, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Für mich steht außer Frage, dass man diejenigen, die wirklich von einem Projekt betroffen sind, hört und ihre Anregungen und Befürchtungen in den Projektprozess einspeist. Wichtig ist jedoch, dass Bürgerbeteiligung kein reiner Selbstzweck ist und effizient aufgezogen wird. Irgendwann muss es gemacht werden, vorwärtsgehen und eine Entscheidung getroffen werden. Hierbei ist jeder Helfer, jeder Katalysator herzlich willkommen.

… Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Das glaube ich nicht. Wenn es sinnvolle Angebote gibt, sich zu beteiligen, sich einzubringen, mitzureden, ist das um Längen sinnvoller, als beispielsweise unsachliche Posts womöglich noch mit Hassbotschaft zu verfassen. Überfordert ist die Bevölkerung allenfalls durch Pseudo-Informationsinput und durch „asoziale Netzwerke“. Wenn jemand wirklich mitreden will, mitreden kann und das Gesagte nachvollziehbar Eingang in die letztendliche Entscheidung findet, kann es davon fast gar nicht genug geben. Aber wie gesagt: Wenn nur der Sache „Bürgerbeteiligung“ Genüge getan werden soll, wird es ineffizient und frustrierend, auch für jene, die sich konstruktiv eingebracht haben. Wichtig ist darüber hinaus, dass klar kommuniziert wird, was möglich ist und was nicht.

… Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Hierbei geht es schnell um andere Dinge. Ein Projekt wird zur Projektionsfläche für Unzufriedenheiten aller Art. Vielfach werden auch unrealistische Erwartungen geweckt und allzu kurzsichtige Vorstellungen kultiviert – Kosten, Zeit, Umfang und Mehrwert der Projekte betreffend. Wenn unsere Vorväter alle so gedacht hätten, dass es ja viel, viel teurer ist, Tunnel zu graben, um beispielsweise Kabel unterirdisch zu verlegen, dann hätten wir nicht einmal eine Kanalisation. Es dauert eben seine Zeit, bis sich eine solche Investition amortisiert. Übrigens habe ich nicht den Eindruck, dass es so viele Möglichkeiten gibt, sich für Belange, die sich buchstäblich vor der eigenen Haustür abspielen, einzubringen. Wenn es mehr um solche konkreten, tatsächlichen Entscheidungen vor Ort ginge, bin ich optimistisch, dass die entsprechenden Diskurse zielführender geführt werden könnten.

… Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Darauf möchte ich mit einer Gegenfrage antworten: Was ist denn teurer – vorher zu fragen oder nachher einen Baustopp zu haben, weil Interessen unberücksichtigt blieben? Das ist also eindeutig eine Frage der Ökonomisierung innerhalb des Projektmanagements.

… Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Sie ist in meinen Augen erfolgreich, wenn es gelingt, in einer angemessenen Zeit zu einer klaren Entscheidung über die Realisierung eines Projekts zu kommen: dafür, dagegen oder anders.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

… Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Absolut, Erfolg und Zufriedenheit sind für mich zwei Paar Schuhe. Zufriedenheit ist viel mehr als Erfolg allein. Gibt es doch sehr zufriedene, aber mäßig erfolgreiche Menschen – und umgekehrt.

… Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Meine Prägung seit der Schulzeit ist ökonomisch und ich bin sehr zufrieden mit dem was ich tue. Aber Chemiker zu sein, das konnte ich mir auch immer vorstellen.

… Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Ich habe mich immer sehr fürs Segeln begeistert, finde aber keine Zeit dafür.

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