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Hand setzt hinter einer Glasscheibe ein Häkchen in eins von vier übereinanderstehenden Kästchen

Wie bei einer Wahl-Umfrage aus rund 20 Befragten exakt 48,6 % Zustimmung wurden

Wahl-Umfragen (die genaue Bezeichnung müsste eigentlich „repräsentative Bevölkerungsbefragungen“ lauten) erhalten stets hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Dies liegt zum einen am Untersuchungsgegenstand. „Wahlen“ sind das „Hohe Fest der Demokratie“. Umfragen werfen ein scharfes Licht auf die Meinungsbildung und können sie sogar beeinflussen. Noch einen Schritt weiter gehen diejenigen, die Umfragen als aktives Wahlkampfinstrument nutzen. Über die Fachwelt hinaus erregte deshalb eine Umfrage Aufsehen, die vom Institut Civey im Auftrag der NRW-SPD durchgeführt wurde.

Im Brennpunkt stehen dabei zwei Begriffe, die auch Gegenstand unserer täglichen Arbeit sind: „Repräsentativität“ und „kleinräumige Auswertungen“. Konkret wurden bei einer Umfrage insgesamt rund 2.500 BürgerInnen in NWR befragt, aber nicht über eine echte Zufallsstichprobe aus der gesamten Bevölkerung, sondern über eine Stichproben aus einem Online-Panel (in dem man nur Personen befragen kann, die sich selbst zur Verfügung stellen, gerne an Befragungen teilnehmen und deshalb eher untypisch für die Gesamtbevölkerung sind). Zu diesem Verfahren wird von ExpertInnen seit langem eine heftige Diskussion geführt, ob solche Befragungen das Etikett „repräsentativ“ für sich in Anspruch nehmen können. Ein weiterer Punkt der Kritik sind kleinräumige Auswertungen, die bei dieser Umfrage vorgenommen wurden. Heraus kamen Aussagen zu Kita-Gebühren u. a. für Remscheid, obwohl – wenn (ja: wenn) die Stichprobe von 2.500 Befragten repräsentativ war – anteilig unter 20 Personen in Remscheid befragt wurden. Civey und anschließend ein NRW-Parlamentarier machten daraus die Aussage „48,6 Prozent der Menschen in Remscheid wünschen sich, dass Kitagebühren in ganz NRW abgeschafft werden“. Eine solche Aussage – mit Nachkommastelle! – ist aus unserer Sicht per se (gelinde gesagt) wissenschaftlich nicht haltbar.

Bei beiden Themen (Repräsentativität – kleinräumige Auswertung) ist „wissenschaftliches Arbeiten“ ein zentraler Begriff. Nur wer transparent und nachvollziehbar über Methodik/Auswertung informiert (die Corona-Krise hat uns dazu einiges gelehrt), der kann seine Daten ernsthaft einer öffentlichen Diskussion aussetzen. Aber Civey wollte oder konnte dieser Prämisse nicht folgen und der NRW-SPD war es wohl nicht so wichtig. Es war Wahlkampf.

Wer zu dieser Thematik mehr lesen will, dem empfehlen wir einen Cicero-Artikel unseres Kooperationspartners Thomas Perry von Q Agentur für Forschung aus Mannheim, der zwar aus dem Frühjahr 2019 stammt, aber im Lichte der oben genannten Umfrage, aktueller ist denn je. https://www.cicero.de/wirtschaft/civey-yougov-umfragen-meinungen-empirie-methoden-demokratie

Detailliert auf die NRW-SPD-Umfrage geht dieser FAZ-Artikel vom 10.2.2022 (Bezahlschranke) ein: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/parteien-und-verbaende-verlassen-sich-auf-fragwuerdige-zahlen-17780050.html

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