Es gibt viele Demonstrationen in Seoul. Die Zahl der Teilnehmer steht – oft – im umgekehrten Verhältnis zur Lautstärke, die von Ihnen ausgeht.

Warum wollen Sie eigentlich die Wiedervereinigung?

Diese Frage haben wir heute unseren koreanischen Gesprächspartnern immer wieder gestellt. Jenseits davon, dass die Wiedervereinigung in Südkorea in der Verfassung verankert ist. Aber was – das war die Frage – antwortet ein „durchschnittlicher“ Bürger in Südkorea und in Nordkorea darauf? Die Antworten sind ebenso einfach wie verblüffend.

Nordkorea betrachtet Südkorea als „Kolonie der USA“ und sieht die Verpflichtung, den Süden von diesem Kolonialjoch zu befreien (kein Witz!).

Der Süden findet die Wiedervereinigung vor allem dann gut, wenn dies (gern für beide Landesteile) wirtschaftlichen Erfolg bringt.

Für einen Deutschen ist dies irritierend. Keine Bezüge zu einer gemeinsamen Geschichte, Identität, Kultur oder persönlichen Verbindungen.

Korea ist eben anders. Hier haben die Landesteile einen Bürgerkrieg gegeneinander geführt, die Wunden sind nicht verheilt, die Abschottung ist umfassend und das gegenseitige Misstrauen spürbar.

Ob die – noch – vorhandenen, wenigen Gemeinsamkeiten und Motivationen ausreichen, um ein so großes Projekt wie die Wiedervereinigung erfolgreich anzugehen – der Gast darf das bezweifeln…

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