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Retentionsfläche für Starkregenereignisse und Grünfläche für Anwohner und Besucher_Beim Leipziger Pilotprojekt kein Widerspruch

Leipziger Pilotprojekt: Retentions- und Grünfläche vereint

Die Stadt Leipzig und die Leipziger Wasserwerke verfügen nach einem über 3-jährigen Pilotverfahren über die 1. Retentionsfläche, die für Anwohner und Besucher – außer in Zeiten von Starkregenereignissen – als Grün- und Erholungsfläche zur Verfügung steht.

Leicht war die an uns gestellte Aufgabe im Jahr 2016 nicht. Kleingärtner, Stadtverwaltung, der Stadtverband der Kleingärtner und die Leipziger Wasserwerke waren „über Kreuz“, wie man so schön sagt. Immer wieder wurden Teile einer alten, traditionsreichen Kleingartenanlage nach Starkregenereignissen vom Hochwasser heimgesucht. Kein schöner Anblick, wenn die Parzelle unter Wasser steht, ärgerlich der Verlust an Lebens- und Aufenthaltsqualität. Ist das Wasser wieder verschwunden, bedecken Schlamm und Unrat die „eigene Scholle“. Viel Arbeit, Zeit und auch Geld wurden umsonst investiert.

Gesprächsversuche zur Lösung dieses Problems hatte es viele gegeben. Der Vertrauensverlust war groß, die gegenseitigen Schuldzuweisungen waren es ebenfalls und standen damit lösungsorientierten Gesprächen entgegen.

Die Leipziger Wasserwerke wiederum waren auf der Suche nach natürlichen Flächen, auf denen bei Starkregenereignissen Wasser zwischengespeichert werden konnte. Neue Regenrückhaltebecken lösen diese Situation, nehmen aber dauerhaft Flächen in Anspruch, die keiner anderen Nutzung mehr zugeführt werden können. Der Bereich der in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder überfluteten Kleingartenanlage, gelegen in einer Senke im Bereich der östlichen Rietzschke, bot ideale Voraussetzungen zur Errichtung einer Retentionsfläche. Topographisch und hydrologisch waren die Voraussetzungen gut, zwischenmenschlich waren sie es zwischen den Akteuren nicht.

Mit dieser Gemengelage wurden wir als Spezialisten für akzeptanzkritische Vorhaben und mit Mediations-Expertise angesprochen. Unsere Aufgabe: Akteure identifizieren, Bedürfnislagen anschauen und bewerten, Vorgespräche führen, Verhandlungen vorbereiten und die Akteure an einen Tisch laden. Unsere Erfahrungen in Kommunikation, Mediation und Moderation, aber auch unsere Kenntnisse über Zuständigkeiten und Abläufe in Verwaltungen waren notwendig und gefragt. Wir wurden durchaus kritisch beäugt und auch uns gegenüber waren die Vorbehalte groß.

Wir sind diese Aufgabe durchaus mit großem Respekt angegangen. Nicht nur die Geschichte und die dazugehörigen Menschen, sondern auch die politische Dimension des Auftrages waren herausfordernd. Kleingärten sind immer und überall in Deutschland ein politisches Thema und Kleingartenpächter haben – mit Fug und Recht – eine starke politische Lobby.

Das Einschalten unseres Büros als in der Tat „neutrale Dritte“ gab die Möglichkeit, die Gespräche mit viel Geduld und Respekt vor den Handelnden auf eine neue Stufe zu heben. Nach gut 1,5 Jahren Verhandlung mit allen Akteuren war es dann so weit: Die Kleingärtner, der Stadtverband, die Stadtverwaltung und die Leipziger Wasserwerke konnten Verträge unterzeichnen, hinter denen alle Beteiligten inhaltlich standen und bis heute stehen und die keine Angriffsfläche für neuerliche Auseinandersetzungen bieten.

Mittlerweile ist die gut 18.000 qm große Fläche so beplant, dass sie den Anwohnern und Besuchern des Stadtteiles als Grünfläche zur Verfügung stehen wird. Die Planungsprozesse laufen aktuell. Dass wir für den Stadtteil die dafür notwendige Informations- und Beteiligungsveranstaltung konzipiert, organisiert und durchgeführt haben, macht uns stolz. Stolz sind wir auch darauf, dass ehemals zerstrittene Kontrahenten noch heute den Kontakt halten und sich sogar auf ein Bier treffen.

Mehr kann man nicht wollen!

 

Leipzig-Dialog zu Freiflächenplanung „Rietzschke-Aue Sellerhausen“.

Leipzig-Dialog zu „Rietzschke-Aue Sellerhausen“

Der Stadtteil Sellerhausen/Volkmarsdorf verändert sich. Der Grundstein für den Schulcampus in der Ihmelsstrasse wurde diese Woche gelegt; für den Parkbogen Ost werden kommende Woche die Entwürfe prämiert. Zwischen diesen Großvorhaben befindet sich ein neu gewonnenes 18.000 qm großes Grundstück – die „Rietzschke-Aue Sellerhausen“.

Die Neugestaltung der „Rietzschke-Aue Sellerhausen“ ist am Dienstag, 12. November, Thema einer Bürgerveranstaltung. Für die durch die Wurzner Straße sowie Bernhard- und Ihmelsstraße begrenzte öffentliche Grünfläche hat das Amt für Stadtgrün und Gewässer die Planung in Auftrag gegeben. Anlass der Neugestaltung sind die in der Vergangenheit, zuletzt im Jahr 2013 aufgetretenen Hochwasserstände. Nunmehr soll hier ein Areal entstehen, das von den Anwohnern und Erholungssuchenden als neue Grünfläche genutzt werden kann und bei Starkregenereignissen trotzdem in der Lage ist, Wasser aufzunehmen und dieses zwischen zu speichern.

Anlässlich dieser Neugestaltung lädt das Amt für Stadtgrün und Gewässer zu einer Informations- und Beteiligungsveranstaltung ein. Anwohner, Nachbarn und Interessierte können sich im Rahmen eines Info-Marktes und entlang verschiedener Themenschwerpunkte informieren, mit Fachleuten und Planern ins Gespräch kommen und eigene Ideen einbringen.

Das Büro Hitschfeld begleitet dieses Vorhaben seit drei Jahren und freut sich auf die Begegnungen im Stadtteil.

Ort: Förderzentrum Sprachheilschule „Käthe Kollwitz“ in Leipzig-Volkmarsdorf, Karl-Vogel-Straße 17–19

Zeit: 16:30–19:00 Uhr

Büro Hitschfeld besichtigt Klärwerk der KWL | Büro Hitschfeld

Team Hitschfeld auf Besichtigung im KWL-Klärwerk Rosental

Ein Teil des Teams Hitschfeld auf Vor-Ort-Besichtigung – in dieser Woche beim Leipziger Klärwerk Rosental. Katja Gläß, Pressesprecherin der KWL, und Daniel Jentzsch, Chef des Klärwerks Rosental, nahmen sich trotz niedriger Temperaturen dankenswerter Weise die Zeit und boten uns eine exklusive Führung über das weitläufige KWL-Gelände.

Aus den Gräben an den Verhandlungstisch_Ein Auftrag der Leipziger Wasserwerke an das Büro Hitschfeld

Aus unseren Projekten: Aus den Gräben an den Verhandlungstisch

Ein Auftrag der Leipziger Wasserwerke an das Büro Hitschfeld

Abwassergräben und Gräben, in denen Menschen sich gegenüberstehen – beides hat zu Beginn unserer Mandatierung im Sommer 2016 eine Rolle gespielt.

Im Kleingartenverein Sellerhausen in Leipzig sollten in einem Pilotvorhaben gut 100 gepachtete und kleingärtnerisch genutzte Parzellen in eine Retentionsfläche – eine planmäßige Überflutungsfläche also – umgewandelt werden. Das jedenfalls war das – begründete – Anliegen der Stadt Leipzig und der Leipziger Wasserwerke. Flächen, in denen Regenwasser gezielt zwischengespeichert werden und dann sukzessiv ablaufen kann, sind in Leipzig rar. Dies ist ein Problem in einer rasch wachsenden Stadt, in der an allen Ecken und Enden gebaut und verdichtet wird. Was also liegt näher, natürlich dafür prädestinierte Flächen in Anspruch zu nehmen. Die Krux – auch diese Fläche, mit deren Überschwemmung unsere Altvorderen noch lebten, wurde im Laufe der letzten 100 Jahre einer Nutzung zugeführt, die temporäre Überschwemmungen zwar noch möglich, jedoch nicht mehr erträglich machte.

Die Anlage des alten und traditionsreichen Kleingartenvereins Sellerhausen mit Gartenrestauration und Spielplatz  bot sich aufgrund seiner topographischen Lage aus Sicht von Stadt und Wasserwerken für das Anliegen der Umwandlung geradezu an. Deren Vorstand und auch die Pächter sahen dies naturgemäß anders.  Das letzte Starkregenereignis in Leipzig im Jahr 2013 hatte dazu geführt, dass der Kleingartenverein zu guten Teilen überflutet wurde und tagelang unter Wasser stand. Ein Ereignis, welches bei den Kleingärtnern Wut, Verzweiflung und Unverständnis hervorrief. Aus ihrer Sicht waren nicht die Regenereignisse und das Fließverhalten Leipziger Flüsse Schuld, sondern das Wasser- und Abwassermanagement der Leipziger Wasserwerke. Ein Verdacht stand im Raum, der sich im Laufe der Jahre zur vermeintlichen Gewissheit entwickelte: „Wir wurden absichtsvoll geflutet.“

Einer solchen „kollektiven Gewissheit“ kann man nicht mit Gutachten,  Fachingenieuren und Business as usual-Verwaltungshandeln allein begegnen. Schon gar nicht kann aus dieser Situation heraus eine Verhandlung geführt werden, in deren Ergebnis die Herauslösung und Umwandlung  wesentlicher Teile der Kleingartenanlage in eine Retentionsfläche stehen sollte.

In dieser Situation wurden wir mit unserer Verhandlungs- und Mediationserfahrung  beauftragt, die Situation zu erfassen, zu strukturieren, sie zu begleiten und damit  das Sich-neu-Begegnen und das Neu-miteinander-verhandeln zu ermöglichen. Der Auftrag war knifflig. Die Interessen der Akteure des Vereines, des Vorstands der Leipziger Wasserwerke, des Amtes für Stadtgrün und Gewässer und des Stadtverbandes der Kleingärtner lagen weit auseinander,  es gab viel Misstrauen. Und last but not least: Kleingärten sind ein – zu Recht – politisch brisantes Thema.  Wir haben dieses Vorhaben zwei Jahre begleitet und für Katharina Hitschfeld ist es eines ihrer „Lieblingsprojekte“ geworden. Das liegt zum einen daran, dass auch dieser Auftrag gezeigt hat, dass es beim Reden immer darauf ankommt zu erfassen, was eigentlich gesagt wird. Es liegt auch daran, dass die Vertreter des Vereins, der Geschäftsführung der Leipziger Wasserwerke, des Amtes für Stadtgrün und Gewässer und des Stadtverbandes der Kleingärtner bei all der Unterschiedlichkeit ihrer Interessen einen Blick für den Gesprächspartner entwickelt haben. Und es liegt nicht zuletzt daran, dass im Sommer dieses Jahres ein guter Prozess mit einem guten Entschädigungsvertrag und einem legendären Restaurantabend beendet werden konnte.

Nun kommt es darauf an, diesen Verhandlungs- und Vertrauensprozess bei der jetzt beginnenden Bauphase sorgfältig weiterzuführen. Wir werden weiterhin dabei sein.

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Michael M. Theis/Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH (KWL)

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Michael M. Theis/Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH (KWL)

Name: Michael M. Theis

Wohnort: Leipzig

Beruf: Rechtsanwalt

Tätigkeit: kaufmännischer Geschäftsführer Leipziger Wasserwerke

…Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst werden, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

„Ich glaube das nicht. Die Zeiten, in denen Vorhabenträger mit ihrem Fachpersonal, mit Kenntnis und Erfahrung allein Projekte umsetzen konnten sind vorbei. Der Grad an Informiertheit, die Bereitschaft, sich eine Meinung zu bilden, sich zu vernetzen sind ungleich höher geworden. Das ist Chance und Risiko zugleich. Dieser Entwicklung müssen sich Unternehmen per sé stellen. Bei Unternehmen der öffentlichen Hand und als Versorger einer Region hat man zusätzlich besondere Verantwortung gegenüber der Bürgerschaft.“

…Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Die Gefahr besteht, wenn „Bürgerbeteiligung“ zum reinen Label verkommt. Wenn sie nicht ernst gemeint sondern nur als ein Baustein, den es abzuarbeiten gilt, begriffen wird.

Wir unterscheiden sehr genau zwischen Informationsangeboten zu unseren Vorhaben einerseits und zwischen Projekten, zu denen es wichtig ist, frühzeitig im Sinne einer wirklichen Beteiligung einzubinden. Dabei wollen wir niemandem ein X für ein U vormachen. Unser Handlungsrahmen ist durch gesetzliche und technische Vorgaben klar definiert. Das muss gewußt sein, bestimmt dieser Kontext doch immer den Grad an Freiheit und Machbarkeit aller Beteiligungsmaßnahmen und Angebote, die wir unterbreiten können. Prinzipiell heißt es für uns , sensibel zu sein für unterschiedliche Sichtweisen, Interessen und auch Befindlichkeiten

…Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Es kann schwierig sein, muss es aber nicht. Die Akzeptanz dafür, dass es unterschiedliche Sichtweisen gibt, hilft. Der Blickwinkel und die Meinung des Gegenüber muss auch mal ausgehalten werden können. Daraus keinen Angriff auf die eigene Persönlichkeit abzuleiten, ist manchmal schwierig und auch anspruchsvoll. Die wenigsten von uns sind dafür ausgebildet.

Da lernen wir alle miteinander. Den gesellschaftlichen Trend zur schnellen Meinung kombiniert mit einem rauer werdenden Umgangston können wir nur durch eigenen hohen Anspruch konterkarieren.

…Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?     

Richtig, die Frage, ob wir uns den eigenen hohen Anspruch auch leisten wollen und leisten können ist eine berechtigte. Wir arbeiten ja schließlich mit dem Geld der Leipziger Bürger. Und am Ende werden wir neben der Versorgungssicherheit natürlich auch am ökonomischen Ergebnis gemessen. Daher weiß ich, dass gute Kommunikation kostet und sich langfristig rechnet. Jeder eingesparte Prozess spart Geld, Zeit und die Nerven unserer Mitarbeiter. Natürlich sind alle Aufwendungen immer im Kontext des Vorhabens zu sehen. Nicht für jede Sanierung, nicht für jede Maßnahme müssen wir das große Besteck der Beteiligung bereit legen. Auch hier gilt ein gesundes Augenmaß.

…Und wann ist man erfolgreich?  Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn es uns gelingt, das Bewusstsein dafür zu schärfen, welche großen Herausforderungen im Bereich der Wasserver- und –entsorgung durch Klimawandel, Verdichtung der Stadtlandschaft, wachsende Bevölkerungszahlen etc. vor uns liegen. Wenn wir über die beste Lösung für diese Aufgaben streiten und das Gehör nicht nur den lauten und aggressiven Stimmen gehört.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen: Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Erfolg und Zufriedenheit sind sicherlich eng miteinander verbunden. Ich bin aber überzeugt, dass Zufriedenheit mehr eine Frage der Einstellung als des beruflichen Erfolges ist. Zufrieden kann ich daher auch sein, wenn ich alles getan habe, um eine Sache ein Projekt erfolgreich zu gestalten und das Ergebnis dann doch anders ausfällt, als geplant 

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Nachdem ich Rechtsanwalt bin, als Banker gearbeitet und lange Jahre mittelständische Unternehmen in Finanzierungsfragen beraten habe, kann ich heute mit Fug und Recht sagen: ich bin beruflich angekommen, weil ich für ein sinnstiftendes, nachhaltiges und zukunftsorientiertes Unternehmen der Daseinsvorsorge arbeiten darf.

Welches Hobby hätten Sie gern (das Sie heute nicht ausüben)? 

Ich hätte gerne ein musisches Talent, um zum Beispiel Saxophon spielen zu können.

Herr Theis, wir danken Ihnen für das Gespräch!