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Der Gewandhausorchester Sponsor’s Club

von Christian Fanghänel

Leiter Marketing des Gewandhauses zu Leipzig

Kultursponsoring ist im Vergleich zu Sportsponsoring eine Nische und für die Kulturbetriebe in der Regel ein hartes Pflaster. Für große Musikinstitutionen wie das Gewandhaus ist es mittlerweile eine nicht mehr wegzudenkende Finanzierungsquelle im Geschäftsbetrieb, die über die vergangenen Jahre immer mehr erschlossen und professionalisiert wurde.

Im Gewandhausorchester Sponsor’s Club ist diese Entwicklung anschaulich nachweisbar. Waren vor der Gründung des Clubs 2005 noch Sponsoren in losen und sich stark unterscheidenden Partnerschaften beim Gewandhaus engagiert, wurde dann zusammen mit Unternehmern und Vertretern der Kammern ein transparentes Sponsoringkonzept erarbeitet und aufgesetzt, das in den Fundamenten noch bis heute erkennbar ist. Es spiegelt die Bedürfnisse der regionalen Wirtschaftakteure und wird bis heute unter Beratung der Sponsoren nach Bedarf verfeinert und optimiert.

Grundlage dieses Konzeptes war die Gründungsgeschichte des Gewandhausorchesters, denn damals finanzierten 16 engagierte Leipziger Bürger 16 Musiker. Und mit dem bürgerlichen Gemeinsinn der Leipziger konnte 1743 wie auch heute vieles bewegt werden. Bereits kurz nach Bekanntwerden des Gewandhaus Sponsors Clubs schlossen zahlreiche Unternehmer aus Leipzig Sponsoringpartnerschaften mit dem Gewandhaus ab, unter anderem Katharina und Uwe Hitschfeld mit ihrem Büro für strategische Beratung. Beide entschieden sich zunächst für eine Classic Partnerschaft mit einem Engagement von 5.000 Euro, heute sind sie Advanced Partner (20.000 Euro).

Bricht man den Sinn und Zweck eines Sponsorings am Gewandhaus herunter, geht es darum Musik zur Freude der Menschen, der Leipziger Bürger zu ermöglichen. Das ist eine Aufgabe, die das Gewandhausorchester in drei Spielstätten, dem Gewandhaus, der Oper Leipzig und der Thomaskirche nachkommt. Im Jahr 2016 waren es 16 Sponsoren insgesamt im Club und seither ist die Zahl ständig gewachsen, sodass heute 64 Unternehmen das Gewandhaus unterstützen, sei es mit Geldleistungen oder mit Sachleistungen. Der Wert dieser Engagements liegt derzeit bei ca. 2 Mio. Euro. Das ist im Vergleich mit anderen Konzerthäusern Deutschlands eine respektable Summe.

In zahlreichen Gesprächen mit Unternehmern wird klar, dass die klare Struktur des Gewandhausorchester Sponsor’s Clubs ein überzeugendes Kriterium für ein Zustandekommen einer Partnerschaft ist. Vier Leistungsstufen zählt der Club: Classic, Advanced, Premium (50.000 Euro), Global (350.000 Euro) und er soll maximal 64 Partner haben, denn nur so kann eine Exklusivität ermöglicht werden. Je nachdem, in welcher Stufe sich ein Unternehmen engagiert, werden transparente Leistungsmodule angeboten, u.a. die Module Präsenz, Image, Konzert, Erlebnis und Medienrechte. In der höchsten Stufe bekommen Unternehmen die meisten Leistungen.

Das Besondere ist aber, das man schon als Classic-Partner umfangreiche Leistungen erhält, die einen Mediawert von 5.000 Euro weit übersteigen. So finden sich beispielsweise Markenrechte für den Sponsor, Werberechte in den Kommunikationskanälen des Gewandhauses, ein Kartenkontingent für die Großen Concerte und Besuche der Generalproben. Allein die Zahl der Classic-Partner (47) zeigt, dass Unternehmen hier für Ihr Engagement wirklich einen Mehrwert für Ihre Kunden und Mitarbeiter bekommen. Das Büro Hitschfeld hat sich vor wenigen Jahren für die nächst höhere Stufe entschieden. Das war auch ein Bekenntnis zum Gewandhausorchester und spiegelt ihr Vertrauen in das Management des Gewandhauses wider. Darüber hinaus profitiert das Büro Hitschfeld von den damit verbundenen höheren Leistungen.

Die Sponsoringerlöse werden nämlich ausschließlich für besondere künstlerische Projekte, Musikvermittlung und Tourneen eingesetzt. Das hilft am Ende nicht nur dem Gewandhausorchester, sondern der ganzen Stadt Leipzig. „Wir fühlen uns sehr gut betreut im Sponsor’s Club und können diese Form des Engagements nur weiterempfehlen“, sagte mir  Katharina Hitschfeld mit sichtlichem Stolz auf ihr Gewandhausorchester. Und darüber wiederum freut sich unser Haus.

Wenn sich Städte als Kulturhauptstadt bewerben...

Leserbrief von M. Drevermann und K. Hitschfeld zum Artikel „Macht es wie Halle…“

Dieser Leserbrief ist eine Reaktion auf den Artikel „Macht es wie Halle“ von Gerhard Matzig, erschienen in der Süddeutschen Zeitung vom 22. Juni 2017. Den Artikel können Sie hier lesen.

Leserbrief

Macht es  n i c h t  wie Halle….

Sicher,

wer für ein Jahr Kulturhauptstadt, Kulturinstitute schröpft, alles Kulturgeld verbrennt und am Ende über Jahre mit leeren Taschen da steht, hat Nachhaltigkeit nicht wirklich verstanden.

gibt es Handlungsreisende in Sachen Beratung Kulturhauptstadt, die Austauschbares verkaufen, den Wert der Bewerbung nehmen, die die Städte zu wenig kennen, um die Besonderheiten von Bewerbungsthematiken und Bewerbungsstrategien zu unterstützen und mit Blaupausen durch die Lande ziehen.

gibt es hier und da die Neigung Strukturpolitik mit Event zu verwechseln und anstatt das Produkt zu entwickeln, einen Titel mit Wunderkerzen zu vermarkten.

Öffentliches Geld für solche Missverständnisse zu verschleudern, anstatt eine Haltung zur Zukunft zu entfalten, ist fragwürdig. Dann bitte lieber die Kulturinstitute stärken, sie geben der Stadt viel dafür zurück, sogar Vermarktbares.

Aber,

es gibt Städte, die sich im Wettbewerb um den Titel “ Kulturhauptstadt“ Stadtentwicklung vornehmen , zentrale Fragen der kommenden Jahre aufgreifen und gemeinsam daran arbeiten, beispielhaft Lösungen zu entwickeln,

es gibt Städte, die für Europa und darüber hinaus bedeutsame Zukunftsthemen auf die Agenda setzen und mithilfe von Kunst und Kultur die Köpfe und Herzen der Bürger ihrer Stadtgesellschaft und den Dialog selbiger in Bewegung setzen wollen und können.

Um Europas Zukunft Willen, lasst die Städte weiter an der Kulturhauptstadt arbeiten, lasst die besten Ideen zum Zuge kommen, Ideen, die vielleicht nicht mehr vorrangig auf die gebaute Umwelt abzielen, sondern auf die Werte, die Europa in so einmaliger Weise bereits in der Aufklärung zu nennen in der Lage war.

….Ideen, die vielleicht nicht mehr vorrangig auf gebaute Umwelt und/oder singuläre Kulturereignisse abzielen, sondern auf die Werte, die Europa in so einmaliger Weise bereits in der Aufklärung zu nennen in der Lage war und die eine dringende Übersetzung in unsere heutigen Demokratien brauchen. Unsere Diskurse, unsere Verwerfungen, unsere Herausforderung spiegeln sich vorrangig in unseren Stadtgesellschaften wider. Mit diesen Themen anspruchs- und lustvoll umzugehen, den Einzelnen mitnehmend, Beängstigendes erklären – welch wunderbare Aufgabe für eine Kulturhauptstadt

Gute und begeisternde Themen, die im Übrigen den Anspruch auf Nachhaltigkeit erfüllen, zu finden scheint also nicht schwer. Ihre Ausformung und Gestaltbarkeit ist gleichwohl anspruchsvoll.

Durch Beiräte, Berater und andere kluge Köpfe ist eine solche Bewerbung allein nicht vorzubereiten. Vielmehr muss erwartet werden, dass Konzepte der Beteiligung von Stadtgesellschaften schon im Vorfeld einer Bewerbung auf dem Plan stehen.

Lasst doch bitte die europäische Geschichte auch in Zukunft weitererzählen, stellt Bedingungen an Themen und Nachhaltigkeitskonzepte. Aber begrabt nicht eine gute Idee, stellt besser Anforderungen wie erst Produkte entwickeln, dann das Vermarktungskonzept anlegen oder erst die Beteiligung der Stadtgesellschaft und dann die Experten….

Macht es nicht wie Halle… , das Thema war nicht einmal übel, aber vielleicht war das Herangehen verbesserungsbedürftig.

Marlis Drevermann                                     Katharina Hitschfeld

Kultur.Schaffen                                              Hitschfeld Büro für strategische Beratung