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Büro Hitschfeld im Gespräch mit Prof. Dr. Gesine Grande | Foto: Kirsten Nijhof

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Prof. Dr. Gesine Grande/HTWK Leipzig

Name: Gesine Grande

Alter: 55

Wohnort: Leipzig

Beruf: Rektorin der HTWK Leipzig

Hobbys: Italienisch lernen, Wandern durch die Alpen, Lesen, Kochen, …

…Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst wird, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Sicherlich nicht. Je komplexer die gesellschaftlichen Prozesse, die Herausforderungen in der Entwicklung von Städten und Regionen, die Konflikte zwischen verschiedenen Interessengruppen, ich denke gerade an die Zulassung der Elektroroller, desto mehr sind wir darauf angewiesen, dass die unterschiedlichen Interessen und Bedarfe verschiedener Bevölkerungsgruppen erstens geäußert und zweitens berücksichtigt werden. Wo diverse, aber relevante Interessen berücksichtigt werden, entstehen einerseits bessere Lösungen und andererseits mehr Akzeptanz, commitment, positive Bewertungen. Nachhaltigkeit braucht Beteiligung.

… Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Ich glaube, zu viel Beteiligung kann es gar nicht geben. Aber Ihre Frage klingt ein wenig so, als würden wir die Bevölkerung zu etwas zwingen, was uns einleuchtet, aber anderen Menschen (noch) nicht. So wie Eltern ihre Kinder gern am Haushalt beteiligen möchten, aber die wollen nicht beteiligt werden. Okay, das Beispiel ist schräg, aber es zeigt, dass wir vielleicht doch manchmal in Versuchung kommen, Beteiligung nicht als einen gleichberechtigten Austausch zu sehen, wo jeder mitbestimmen kann, worum es eigentlich gehen soll, was wichtig ist, welches die Ziele sind. Das ist dann für beide Seiten eine Entdeckungsreise und niemand kann vorher festlegen, was rauskommen soll.

…Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Ich führe viele konstruktive Gespräche mit vielen Menschen, und würde das nicht gern so generell stehen lassen. Mit welchen Bürgern, mit welchen Nachbarn, Kollegen ist es schwierig, im Dialog zu sein und warum? Kommunikationstheoretisch ist unstrittig, dass die Grundlage für sachliche Lösungen eine angemessen vertrauensvolle Beziehung ist. Wenn es nicht gelingt, diese Basis zu schaffen, dann werden auch einfache „sachliche“ Differenzen zu emotionalen Stellvertreterkriegen. Wir müssen also eigentlich fragen, ob es einen Weg gibt, Vertrauen wiederherzustellen. Und natürlich auch, warum es verloren gegangen ist und welche Rolle man selbst dabei gespielt hat. Aber am Ende braucht es auf beiden Seiten ein Motiv zum Austausch, sonst ist die Mühe vergeblich.

…Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben.

Mittel- und langfristig sind die Kosten um ein Vielfaches höher, wenn Projekte und Entwicklungen keine Akzeptanz bei der Bevölkerung oder bei den Betroffenen im weiteren Sinne finden.

…Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn Bürger nicht nur gehört worden sind, sondern beteiligt. Wenn die Lösung ein Kompromiss ist, der Ideen integriert, die die Verantwortlichen vorher selbst noch nicht hatten. Wenn das Ergebnis besser ist und besser machbar und die Interessen von möglichst vielen integriert.

…Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

…Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Selbstverständlich. Sonst wäre ich nur zufrieden, wenn ich erfolgreich bin. Ich kenne viele andere Zustände von Zufriedenheit, mit einem Augenblick, einer schönen Begegnung, einem sonnigen Frühlingstag, einem wunderbaren Team…

…Was wären Sie gern beruflich, wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind.

Ich bin heute nicht nur mit Leidenschaft Rektorin, ich bin und bleibe ja auch Professorin, Wissenschaftlerin, Forschungsmanagerin, Gutachterin. Im Rückblick hat es sich fast logisch so ergeben.

…Welches Hobby hätten Sie gern(, das Sie heute nicht ausüben).

Ich hätte manchmal gern mehr Zeit für Menschen und Beschäftigungen, die mir viel bedeuten.

 

Prof. Dr. Andreas Schulz (© Gert Mothes) | Büro Hitschfeld

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Prof. Dr. Andreas Schulz/Gewandhaus Leipzig

Name: Andreas Schulz

Alter: 57

Wohnort: Leipzig

Beruf: Gewandhausdirektor

Hobbys: Lesen

…Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst wird, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Nein, ich finde Bürgerbeteiligung ein wichtiges Instrument um Akzeptanz und letztendlich auch Identifikation mit einer Entscheidung zu erhöhen. Die Menschen haben heute vielfältige Möglichkeiten sich über ein Thema umfassend informieren. Und wenn es sie berührt, dann tun sie dies auch. Bürgerbeteiligung im Vorwege einer Entscheidung ist durchaus komplex, aber wichtig. Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur sollten dies vielmehr beachten und Bürgerbeteiligungen da, wo es inhaltlich angebracht und relevant ist, zeitlich gut strukturiert planen.

… Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Partizipation um ihrer selbst willen ist nicht Ziel, dann sollte man sie lieber weglassen. Aber bürgerschaftliches Engagement können wir nicht genug befördern und anregen. Wir leben in einer Demokratie und unsere Gesellschaft sollte sich einbringen, sich engagieren und Position beziehen. Schweigende Bürgerinnen und Bürger bringen unser Land nicht voran. Wir alle tragen Verantwortung.

… Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Wer behauptet denn, dass das schwierig ist? Ich bin davon überzeugt, dass es nicht so ist. Wenn wir bewusst zuhören, andere Meinungen respektieren, wenn wir einen wertschätzenden Umgang in einem Dialog pflegen, die anderen ausreden lassen und einfache kommunikative Regeln im Miteinander beachten, ist schon vieles gewonnen. Mit Unsachlichkeit, Pöbeln, Schreien und Nicht-Zuhören kommen wir niemals in einen konstruktiven Dialog.

… Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Ja natürlich, weil die Kosten einer anschließenden Schadensbegrenzung nach einer Entscheidung oft sehr viel höher sind, als die finanzielle und zeitliche Investition in ein vernünftiges Akzeptanzmanagement. Wir sollten die Bürger sehr viel ernster nehmen und sie nicht unterschätzen.

… Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn man das befolgt, was ich zuvor mit wenigen Worten beschrieben habe. Nicht jedes Thema eignet sich für eine Bürgerbeteiligung. Aber dort, wo es angebracht ist, sollte man mittels eines partizipativen Verfahrens mindestens Verständnis für eine Entscheidung generieren. Sollte das Ergebnis sogar Akzeptanz und bestenfalls Identifikation auslösen, weil die Bürgerinnen und Bürger gehört wurden und sich mit ergänzenden Ideen einbringen konnten, umso besser. Dann sind alle zufrieden.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Mit meiner Arbeit kann ich durchaus sehr zufrieden sein, weil ich Sie professionell und engagiert mache, was aber nicht gleichzeitig bedeutet, dass jedes Projekt, was ich gut durchdacht und vorbereitet habe, auch ein erfolgreiches Ergebnis hervorbringt.

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Ich bin mit größter Begeisterung Gewandhausdirektor und liebe diese Tätigkeit. Wenn ich während meines Studiums nicht die Möglichkeit gehabt hätte, ins Musikmanagement einzusteigen, dann wäre ich heute Kirchenmusiker.

Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Regelmäßig Orgel und Cembalo spielen.

Das Büro Hitschfeld im Gespräch mit Christian Buser_Leiter Asset Development EW Zürich

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Dr. Christian Buser/Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ)

Name: Christian Buser
Alter: 42
Wohnort: Nussbaumen, Schweiz
Beruf: dipl. Geograph, Dr. sc. ETHZ
Tätigkeit: Leiter Asset Development, Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ)
Hobbys: Skitouren, Klettern, Outdoor, Lesen

 …Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst wird, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Ich glaube kaum. Als Projektentwickler müssen wir akzeptieren, dass die Bürgerbeteiligung in der heutigen Gesellschaft ein fixer Bestandteil eines Infrastrukturprojektes ist. Insbesondere in der kleinräumigen Schweiz gibt es wohl immer eine Gruppe bzw. ein spezieller Lebensraum der direkt betroffen ist und adäquat berücksichtigt werden muss. Das NIMBY-Phänomen scheint hier ganz ausgeprägt zu sein.

… Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Da ist sicherlich etwas dran. Eine sehr einfache gehaltene Partizipation ist wohl zu fadenscheinig und lässt stark auf eine nicht ernstgemeinte Pflichtübung schließen. Dennoch habe ich den Eindruck, dass die Partizipationsmodelle oftmals zu umfangreich und zu komplex sind und der Kern der Sache – eine für alle tragbare Lösung – aus dem eigentlichen Blickfeld gerät.

… Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Ich denke es liegt an der heutigen Gesellschaft, bei welcher die individuellen Freiheiten einen sehr hohen Schwellenwert haben. Infrastrukturprojekte hingegen stehen oftmals für eine gewisse Einschränkung des Spielraums jeden einzelnes und für ein Miteinander zur Optimierung des Nutzens aller und nicht Maximierung des Nutzens eines einzelnen. Dies scheint schmerzhaft zu sein und löst Abwehrreflexe aus.

… Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Die Kosten sind die eine Seite, die zwar schmerzhaft aber verkraftbar ist. Problematischer hingegen sind der Zeitverlust und die Blockade, teils über Jahre hinweg. rwz plant nun schon seit fast 10 Jahren (!) einen 30 MW-Windpark in der Westschweiz. Um die Ziele Windenergie der Schweizer Energiestrategie 2050 zu erreichen, müssten jedoch 60 vergleichbare Parks realisiert werden. Eine Zielerreichung innerhalb des angestrebten Zeitraums scheint somit als unrealistisch.

… Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn sich ein Projekt so realisieren lässt, dass Projektant und Betroffene auch in Zukunft fair und korrekt miteinander umgehen können und es zu keiner Spaltung im Kreise der Betroffenen kommt.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Durchaus. Eine generelle Zufriedenheit im beruflichen und persönlichen Umfeld gibt einem wesentlich mehr Energie, als die kurzen, intensiven Erfolgserlebnisse. Ein schönes Beispiel hierzu sind Skitouren. Es ist toll, im tiefsten Winter auf einem Verschneiten Gipfel zu stehen und ein herrliches Panorama zu bewundern. Ebenso so viel Energie gibt einem aber auch der Aufstieg in einem gleichmäßigen Rhythmus, während man ganz nahe an der Natur ist und seinen Gedanken und Ideen nachhängen kann.

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Experte im Bereich der Trinkwasserversorgung und -logistik im Einsatz für eine internationale Organisation wie etwa dem IKRK.

Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Segeln, wobei die Schweiz ja nicht wirklich eine ausgeprägte Segelnation ist.

Küchentisch-Tour in Leipzig: Was bleibt über den Tag hinaus?

Duligs Küchentisch-Tour in Leipzig: Was bleibt über den Tag hinaus?

Am Donnerstagabend machte das Bürgergesprächsformat „Küchentisch-Tour“ von Sachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr Martin Dulig Station im Leipziger Stadtteilzentrum Anker. Mit von der Partie war mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz ein weiterer prominenter Gast. Unterstützt von Daniela Kolbe stellten sich beide Politiker den Aussagen und Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Die Gespräche wurden im Fragen-Antworten-Modus nach einem festen Regelkatalog und routiniert geführt. Was bleibt jedoch über den Tag dieser mittlerweile gut eingeführten Veranstaltung hinaus? Sowohl bei den Gästen, als auch bei den Veranstaltern? Offen bleibt für Fragende, Zuhörer und Zuschauer, was Olaf Scholz und Martin Dulig aus den Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern mitnehmen. Welche in diesem Format vorgetragenen Themen fließen in ihre Arbeit ein – UND wie erfahren vor allem die Bürger davon? Mit diesen Fragen haben wir uns aus dem Abend verabschiedet.

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Dr. Michael Alexander Schimansky, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung Leipzig

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Dr. Michael Alexander Schimansky/Leiter Amt für Wirtschaftsförderung Leipzig

Dr. Michael Alexander Schimansky (66) ist Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig.

Name: Dr. Michael Alexander Schimansky
Alter: 66
Wohnort: Leipzig
Beruf: Leitender Angestellter
Tätigkeit: Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung und kommissarischer Leiter des Dezernates Wirtschaft und Arbeit (Stadt Leipzig)
Hobbys: Literatur, Reisen, Musik von den Stones bis Stravinsky

Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst wird, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Das hätte man noch vor 10 Jahren glauben können. Inzwischen sind sowohl Selbstbewusstsein und der Wille, sich aktiv einzubringen, gewachsen und es bestehen mit digitalen Plattformen und sozialen Medien auch neue Möglichkeiten der Beteiligung.

Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Nicht wenn die Angebote auf die Übernahme sozialer Verantwortung gerichtet sind. Es darf nicht Ziel sein, die repräsentative Demokratie bei der Entscheidungsfindung auszuhöhlen oder zu ersetzen, sondern sie um neue Mitwirkungsmöglichkeiten zu ergänzen.

Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Die Herausforderung ist, einen wirklich breit angelegten Diskurs zu führen, der nicht von Lobbyisten und Partikularinteressen Einzelner, die sich besonders wirksam in Szene setzen können, dominiert wird. 

Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Die Kosten sind überschaubar, wenn man mehr Aufwand für Umplanungen oder Konfliktlösungen ex post betrachtet.

Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn die Beteiligten am Ende das Gefühl haben, mit ihrem Anliegen respektiert worden zu sein, ihre Argumente im Abwägungsprozess ernsthaft diskutiert wurden und angemessen in Relation zu den Argumenten der anderen Beteiligten berücksichtigt wurden.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen: Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Erfolg macht hungrig nach mehr; Zufriedenheit macht satt. Beides ist wichtig; jedes zu seiner Zeit.

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Kapitän auf großer Fahrt.

Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Ich würde gern (wieder) in ein Segelflugzeug steigen oder, was vermutlich realistischer wäre, aktiv und nicht nur passiv meiner Segelleidenschaft nachgehen.

Der lunch club geht in das 15. Jahr | Büro Hitschfeld

Der lunch club geht in das 15. Jahr

Inspirierend/informativ/intelligent…

unter diesem Motto trafen sich im Februar des Jahres 2004 im damaligen Restaurant Münsters zum ersten Mal Leipziger Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft.

Geboren wurde die Idee zu dieser Veranstaltung mit Vergnügen, Augenzwinkern und der Lust, Menschen, die sich im sozialen und Berufsleben nicht zwingend in dieser Konstellation begegnen würden, zusammenzubringen. Das Vergnügen und die Freude am qualitativen aber immer unprätentiösen Zusammenkommen dauert bis heute bei Wirt André Münster und den Hitschfelds an. Den Gästen des lunch clubs begegnen monatlich inspirierende und namhafte lunch speaker. Dass für die Gäste und die Speaker der Wirt mit seinem Team des Restaurants Münsters aufkocht, rundet das intellektuelle Vergnügen auch für den Bauch ab.

Weit mehr als 100 Speaker aus ebenfalls sehr unterschiedlichen Kontexten haben seitdem vorgetragen. „Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich in all den Jahren so viele Persönlichkeiten zum Vortrag gewinnen und später als Gäste wieder begrüßen konnte und kann. Die 2004 als „Testballon“ gestartete Veranstaltungsreihe ist mittlerweile ein etabliertes Format, bei dem sich langjährige Gäste und neu in Leipzig hinzukommende VerantwortungsträgerInnen begegnen können. „Es sieht so aus, dass wir diese feine Runde in Vorfreude auf interessante und überraschende Begegnungen auch noch in das 20. Jahr führen werden.“

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Uwe Harzer/omniphon GmbH

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Uwe Harzer/omniphon GmbH

Zur Person

Name: Harzer, Uwe

Alter: 50

Wohnort: Leipzig

Beruf: Geschäftsführer omniphon GmbH und langjähriger Netzwerkpartner des Büros Hitschfeld für strategische Beratung

Tätigkeit: Leiter Marketing

Hobbys: Rollski, Fußball, Klettern, Motorrad

Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst wird, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Zumindest besteht die Gefahr, dass es als Modeerscheinung angesehen wird. Wenn man Bürgerbeteiligung schlecht organisiert, dann wird diese nicht zur Akzeptanz führen. Deshalb gilt es, dieses Risiko zu minimieren, indem man sich für erfahrene Akteure zur Durchführung des Beteiligungs- und Akzeptanzprozesses entscheidet.

Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Dies ist meines Erachtens alles eine Frage der Vorbereitung und exakten Analyse. Grundsätzlich ist das bürgerliche Engagement nach wie vor vorhanden und kann gezielt genutzt werden. Eine fundierte Informationsbereitstellung sehe ich dabei als zwingend notwendig an. Dabei sollten auch Regeln, Gesetze, Grenzen des Prozesses von Anfang an proaktiv kommuniziert und nicht erst durch die Hintertür bekannt werden. Überfordert werden die Bürger nur dann, wenn der Prozess diese Punkte ignoriert oder ihnen zu wenig Bedeutung beimisst. Dies führt zwangsläufig zum Dissens.

Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Aus eigenem Erleben (Bürgerbeteiligungsprozess auf Bürgerseite) weiß ich, wie man es nicht machen soll. Einige Punkte stehen schon in der Antwort obendrüber. Ein Kardinalfehler ist es aber, wenn mit dem Beteiligungsprozess Akteure beauftragt werden, die Eigen- und oder Lobbyinteressen vertreten, wenn auch versteckt. Hier bedarf es einer absolut neutralen Instanz, ansonsten gleitet die Bürgerbeteiligung ab und ist weder sachlich noch konstruktiv.

Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Das ist für mich kein Argument. Wenn ich Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement mal als „weiche Maßnahmen“ definiere, wo stehen die da im Vergleich zu den Kosten für die „harte Maßnahmen“, also den Bau einer Straße, einer neuen U-Bahnstrecke etc. Sie kosten nur einen Bruchteil davon und deshalb erübrigt sich die Diskussion, ob man sich diese leisten sollte.

Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn die Bürgerbeteiligung für einen Großteil der Betroffenen zur Akzeptanz führt.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Darüber habe ich noch nie nachgedacht, vermutlich weil ich bislang beides hatte. Vermutlich stehen Erfolg und Zufriedenheit aber schon ein einem Verhältnis, wobei es nicht immer eine absolute Abhängigkeit sein muss.

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Trainer einer Fußballmannschaft eines tatsächlichen Fußballvereins.

Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Fliegen, am liebsten mit einem Drachenflieger/Hängegleiter.

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Michael M. Theis/Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH (KWL)

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Michael M. Theis/Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH (KWL)

Name: Michael M. Theis

Wohnort: Leipzig

Beruf: Rechtsanwalt

Tätigkeit: kaufmännischer Geschäftsführer Leipziger Wasserwerke

…Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst werden, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

„Ich glaube das nicht. Die Zeiten, in denen Vorhabenträger mit ihrem Fachpersonal, mit Kenntnis und Erfahrung allein Projekte umsetzen konnten sind vorbei. Der Grad an Informiertheit, die Bereitschaft, sich eine Meinung zu bilden, sich zu vernetzen sind ungleich höher geworden. Das ist Chance und Risiko zugleich. Dieser Entwicklung müssen sich Unternehmen per sé stellen. Bei Unternehmen der öffentlichen Hand und als Versorger einer Region hat man zusätzlich besondere Verantwortung gegenüber der Bürgerschaft.“

…Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Die Gefahr besteht, wenn „Bürgerbeteiligung“ zum reinen Label verkommt. Wenn sie nicht ernst gemeint sondern nur als ein Baustein, den es abzuarbeiten gilt, begriffen wird.

Wir unterscheiden sehr genau zwischen Informationsangeboten zu unseren Vorhaben einerseits und zwischen Projekten, zu denen es wichtig ist, frühzeitig im Sinne einer wirklichen Beteiligung einzubinden. Dabei wollen wir niemandem ein X für ein U vormachen. Unser Handlungsrahmen ist durch gesetzliche und technische Vorgaben klar definiert. Das muss gewußt sein, bestimmt dieser Kontext doch immer den Grad an Freiheit und Machbarkeit aller Beteiligungsmaßnahmen und Angebote, die wir unterbreiten können. Prinzipiell heißt es für uns , sensibel zu sein für unterschiedliche Sichtweisen, Interessen und auch Befindlichkeiten

…Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Es kann schwierig sein, muss es aber nicht. Die Akzeptanz dafür, dass es unterschiedliche Sichtweisen gibt, hilft. Der Blickwinkel und die Meinung des Gegenüber muss auch mal ausgehalten werden können. Daraus keinen Angriff auf die eigene Persönlichkeit abzuleiten, ist manchmal schwierig und auch anspruchsvoll. Die wenigsten von uns sind dafür ausgebildet.

Da lernen wir alle miteinander. Den gesellschaftlichen Trend zur schnellen Meinung kombiniert mit einem rauer werdenden Umgangston können wir nur durch eigenen hohen Anspruch konterkarieren.

…Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?     

Richtig, die Frage, ob wir uns den eigenen hohen Anspruch auch leisten wollen und leisten können ist eine berechtigte. Wir arbeiten ja schließlich mit dem Geld der Leipziger Bürger. Und am Ende werden wir neben der Versorgungssicherheit natürlich auch am ökonomischen Ergebnis gemessen. Daher weiß ich, dass gute Kommunikation kostet und sich langfristig rechnet. Jeder eingesparte Prozess spart Geld, Zeit und die Nerven unserer Mitarbeiter. Natürlich sind alle Aufwendungen immer im Kontext des Vorhabens zu sehen. Nicht für jede Sanierung, nicht für jede Maßnahme müssen wir das große Besteck der Beteiligung bereit legen. Auch hier gilt ein gesundes Augenmaß.

…Und wann ist man erfolgreich?  Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn es uns gelingt, das Bewusstsein dafür zu schärfen, welche großen Herausforderungen im Bereich der Wasserver- und –entsorgung durch Klimawandel, Verdichtung der Stadtlandschaft, wachsende Bevölkerungszahlen etc. vor uns liegen. Wenn wir über die beste Lösung für diese Aufgaben streiten und das Gehör nicht nur den lauten und aggressiven Stimmen gehört.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen: Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Erfolg und Zufriedenheit sind sicherlich eng miteinander verbunden. Ich bin aber überzeugt, dass Zufriedenheit mehr eine Frage der Einstellung als des beruflichen Erfolges ist. Zufrieden kann ich daher auch sein, wenn ich alles getan habe, um eine Sache ein Projekt erfolgreich zu gestalten und das Ergebnis dann doch anders ausfällt, als geplant 

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Nachdem ich Rechtsanwalt bin, als Banker gearbeitet und lange Jahre mittelständische Unternehmen in Finanzierungsfragen beraten habe, kann ich heute mit Fug und Recht sagen: ich bin beruflich angekommen, weil ich für ein sinnstiftendes, nachhaltiges und zukunftsorientiertes Unternehmen der Daseinsvorsorge arbeiten darf.

Welches Hobby hätten Sie gern (das Sie heute nicht ausüben)? 

Ich hätte gerne ein musisches Talent, um zum Beispiel Saxophon spielen zu können.

Herr Theis, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Volker Krebs/ Münchner Verkehrsgesellschaft mbH

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Volker Krebs/Münchner Verkehrsgesellschaft mbH

Name: Volker Krebs

Alter: 63

Wohnort: Erfurt/München

Beruf: Verkehrsingenieur

Tätigkeit: Vertriebschef der Münchner Verkehrsgesellschaft

Hobbys: Literatur, Musik, Architektur, Stadtplanung

…Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst werden, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Ich glaube nicht: Wenn wir zu uns ehrlich sind, haben wir über lange Strecken Verantwortung „nach oben“ abgegeben. Für professionelle Planung werden ja schließlich Leute bezahlt und die sollen es richten. Inzwischen haben wir selbst erfahren: Es gibt in der Regel mehr als eine Möglichkeit, ein Ziel zu erreichen und warum sollte man dann nicht eine Variante wählen, die möglichst vielen Anforderungen gerecht wird und eine positive Einstellung der Öffentlichkeit zu einem Vorhaben fördert? Ein kleines Beispiel aus meiner Berufspraxis: Früher haben wir Verkehrsanlagen vor allem aus der Wartungs- und Instandhaltungssicht geplant, schließlich hatten wir selbst die Folgen in den Aufwendungen zu tragen. Wir hatten uns auf eine bestimmte Arbeitsweise eingestellt. Öde, versiegelte Oberflächen waren die Folge, eine Zumutung für Anwohner und Nutzer. Bis uns ein Fachkollege aus Augsburg die Augen dafür öffnete, welch sympathische Ausstrahlung eine anspruchsvolle Gesamtgestaltung zum Schluss sogar auf uns selbst, den Auftraggeber, zurückfallen kann. Und das hat vor allem mit eigenem Engagement, der Bereitschaft zum weiteren Lernen zu tun und weniger mit Geld.

…Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Mein persönlicher Eindruck ist, dass man der Bevölkerung nicht einfach einen Haufen undifferenzierter Möglichkeiten vor die Tür kippen darf. Durch die Art und Weise der Präsentation und Kommunikation müssen wir Entscheidungshilfe anbieten. Darauf hat Öffentlichkeit ein Recht, schließlich sind wir auch die Fachleute. Und dies darf eben nicht erst dann beginnen, wenn unter Zeitdruck eine möglichst uns gemäße Entscheidung herbeigeführt werden soll. Es gibt viele Themen, die lohnen eine ständige öffentliche Reflektion darüber, ob ein Optimum an Entwicklung schon erreicht ist und wo neue Ausrichtungen liegen könnten.

…Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Viele haben schlechte Erfahrungen gemacht und das prägt häufig eine misstrauische Einstellung. Für mich liegt der Schlüssel in der inneren Haltung: Ist der Dialog nur ein pflichtgemäßer, unvermeidlicher Vorgang zur Durchsetzung allein meiner Zielstellung oder geht es darum, über einen Dialog auf Augenhöhe im Grunde eine gesellschaftlich, volkswirtschaftlich oder kulturell wertvolle Entwicklung voran zu bringen. Und meine Erfahrung lautet: Wenn ich selbst von etwas überzeugt bin, dann kann meine Begeisterung auch auf andere überspringen. Und wenn ich zu verstehen gebe, dass Bürgerinnen und Bürger, die unter einem Vorhaben subjektiv oder objektiv Nachteile erfahren, vernünftig entschädigt oder anderweitig berücksichtigt werden, wird sich der Eindruck von Fairness durchsetzen.

…Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?   

Manchmal gibt es sie, die ideal vorbereiteten, von begnadeten Projektbeteiligten getragenen Vorhaben. Sie schweben auf einer Woge der Zustimmung und Sympathie und haben in bewundernswert schneller Zeit ihr bzw. das öffentlich gewollte Ziel erreicht. Kommt vor, aber selten. In der Regel ist es doch ein Mix aus allem, auch mit Anteilen von Oberflächlichkeit, Arroganz, eindimensionaler Zielstellung. Und weil wir alle Menschen mit unseren Defiziten sind, ist das Angebot, dass sich jedermann einmal anschauen möge, was wir uns gedacht haben, doch der beste Schutz davor, Wesentliches übersehen zu haben. Nein, schon aus Selbstschutz darf man sich das nicht schenken!

…Und wann ist man erfolgreich?  Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

…wenn ein Vorhaben inhaltlich verstanden und akzeptiert wurde, wenn es nach der Bürgerbeteiligung für alle Betroffenen qualitativ an Reife gewonnen hat und wenn letztlich alle etwas dazugelernt haben.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Nein! Je älter ich werde, umso weniger. Mir macht es keine Freude mehr, etwas erreicht zu haben, bei dem die Betroffenen das Kleingedruckte nicht mitbekommen haben.

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Manchmal träume ich davon, Reiseveranstalter, Lehrer oder Betreiber eines guten Restaurants zu sein. Aber dann komme ich doch immer wieder zurück zur für mich schönsten Sache der Welt, dazu beizutragen, dass Menschen mobil sein können und real, nicht nur virtuell, zu einander finden.

Welches Hobby hätten Sie gern (das Sie heute nicht ausüben)? 

Orgel spielen!

 Wir danken Ihnen für das Gespräch!

Wenn sich Städte als Kulturhauptstadt bewerben...

Leserbrief von M. Drevermann und K. Hitschfeld zum Artikel „Macht es wie Halle…“

Dieser Leserbrief ist eine Reaktion auf den Artikel „Macht es wie Halle“ von Gerhard Matzig, erschienen in der Süddeutschen Zeitung vom 22. Juni 2017. Den Artikel können Sie hier lesen.

Leserbrief

Macht es  n i c h t  wie Halle….

Sicher,

wer für ein Jahr Kulturhauptstadt, Kulturinstitute schröpft, alles Kulturgeld verbrennt und am Ende über Jahre mit leeren Taschen da steht, hat Nachhaltigkeit nicht wirklich verstanden.

gibt es Handlungsreisende in Sachen Beratung Kulturhauptstadt, die Austauschbares verkaufen, den Wert der Bewerbung nehmen, die die Städte zu wenig kennen, um die Besonderheiten von Bewerbungsthematiken und Bewerbungsstrategien zu unterstützen und mit Blaupausen durch die Lande ziehen.

gibt es hier und da die Neigung Strukturpolitik mit Event zu verwechseln und anstatt das Produkt zu entwickeln, einen Titel mit Wunderkerzen zu vermarkten.

Öffentliches Geld für solche Missverständnisse zu verschleudern, anstatt eine Haltung zur Zukunft zu entfalten, ist fragwürdig. Dann bitte lieber die Kulturinstitute stärken, sie geben der Stadt viel dafür zurück, sogar Vermarktbares.

Aber,

es gibt Städte, die sich im Wettbewerb um den Titel “ Kulturhauptstadt“ Stadtentwicklung vornehmen , zentrale Fragen der kommenden Jahre aufgreifen und gemeinsam daran arbeiten, beispielhaft Lösungen zu entwickeln,

es gibt Städte, die für Europa und darüber hinaus bedeutsame Zukunftsthemen auf die Agenda setzen und mithilfe von Kunst und Kultur die Köpfe und Herzen der Bürger ihrer Stadtgesellschaft und den Dialog selbiger in Bewegung setzen wollen und können.

Um Europas Zukunft Willen, lasst die Städte weiter an der Kulturhauptstadt arbeiten, lasst die besten Ideen zum Zuge kommen, Ideen, die vielleicht nicht mehr vorrangig auf die gebaute Umwelt abzielen, sondern auf die Werte, die Europa in so einmaliger Weise bereits in der Aufklärung zu nennen in der Lage war.

….Ideen, die vielleicht nicht mehr vorrangig auf gebaute Umwelt und/oder singuläre Kulturereignisse abzielen, sondern auf die Werte, die Europa in so einmaliger Weise bereits in der Aufklärung zu nennen in der Lage war und die eine dringende Übersetzung in unsere heutigen Demokratien brauchen. Unsere Diskurse, unsere Verwerfungen, unsere Herausforderung spiegeln sich vorrangig in unseren Stadtgesellschaften wider. Mit diesen Themen anspruchs- und lustvoll umzugehen, den Einzelnen mitnehmend, Beängstigendes erklären – welch wunderbare Aufgabe für eine Kulturhauptstadt

Gute und begeisternde Themen, die im Übrigen den Anspruch auf Nachhaltigkeit erfüllen, zu finden scheint also nicht schwer. Ihre Ausformung und Gestaltbarkeit ist gleichwohl anspruchsvoll.

Durch Beiräte, Berater und andere kluge Köpfe ist eine solche Bewerbung allein nicht vorzubereiten. Vielmehr muss erwartet werden, dass Konzepte der Beteiligung von Stadtgesellschaften schon im Vorfeld einer Bewerbung auf dem Plan stehen.

Lasst doch bitte die europäische Geschichte auch in Zukunft weitererzählen, stellt Bedingungen an Themen und Nachhaltigkeitskonzepte. Aber begrabt nicht eine gute Idee, stellt besser Anforderungen wie erst Produkte entwickeln, dann das Vermarktungskonzept anlegen oder erst die Beteiligung der Stadtgesellschaft und dann die Experten….

Macht es nicht wie Halle… , das Thema war nicht einmal übel, aber vielleicht war das Herangehen verbesserungsbedürftig.

Marlis Drevermann                                     Katharina Hitschfeld

Kultur.Schaffen                                              Hitschfeld Büro für strategische Beratung