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Foto Andreas Sickert, Abteilungsleiter Stadtforst

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Andreas Sickert

Zur Person:

Name: Andreas Sickert
Alter: 62
Wohnort: Leipzig
Beruf: Forstingenieur
Tätigkeit: Abteilungsleiter Stadtforsten der Stadt Leipzig
Hobbys: Ethnologie, Sprachen und Bergsteigen

… Jetzt mal ehrlich, was haben uns alle Mühen, Diskussion und Aktivitäten in puncto Bürgerbeteiligung und Akzeptanz in den vergangenen Monaten und Jahren gebracht? Trotz vieler und breiter Diskussions- Informations- und Beteiligungsformate ist unser Umfeld polarisierter denn je. Wo stehen wir – Ihrer Meinung nach – heute mit diesem Anliegen und wo soll das künftig hingehen?

Uns ist es wichtig, dass die Leute verstehen, was wir tun und warum wir es tun. Das halte ich für ein hohes Gut. In der Zwischenzeit akzeptiert die Bevölkerung vieles von dem, was wir in puncto Bewirtschaftung und Unterhaltung des Stadt- und Auwaldes Leipzig tun. Manchmal geschieht das nur zähneknirschend, aber es geschieht. Eine demokratische Gesellschaft lebt nun einmal von Diskurs und Auseinandersetzung

Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Angebote kann es nicht genug geben. Wir wollen diese facettenreich unterbreiten. Jeder ist ja frei in der Entscheidung, diese Angebote anzunehmen oder eben auch nicht.

… Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Umweltschutz, Klimaveränderung der Umgang mit Flora und Fauna – das geht uns alle an. Unsere wichtigste Aufgabe als Stadtforst, die Bewirtschaftung im Leipziger Auwald, ist damit ein stark emotionales Thema. Deswegen haben dazu natürlich auch alle eine Meinung und das ist gut so. Manchmal steht diese im Widerspruch zu anderen Kampagnen und Aktionen. Wir müssen versuchen, unsere Ansichten, unsere Facheinschätzung und unsere Arbeit zu zeigen und verständlich zu machen.

Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Meine Antwort dazu ist knapp – das müssen wir uns einfach leisten.

… Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Ich betrachte den Prozess dann als gelungen, wenn Bürger sagen, dass sie sich so ausreichend informiert fühlen, dass sie damit in der Lage sind, sich selbst eine Meinung zu bilden. Bürger müssen die Fakten abwägen können. Wenn sie dann noch unser Handeln akzeptieren – dann beschreibe ich das als erfolgreich.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

… Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Ja, durchaus. Man muss immer wieder Kompromisse finden. Ein geschlossener Kompromiss bspw. ist ein Erfolg. Aber persönlich und als Fachmann muss dieser Erfolg nicht zwingend Zufriedenheit auslösen. Manchmal kann man aber auch zufrieden sein, ohne dass man erreicht hat, was man wollte.

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Ethnologe

… Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Ich würde mich gerne mehr mit Sprachen beschäftigen. Welche Sprachen sprechen Sie denn? Russisch, Englisch , Spanisch und rudimentär die Sprache der Cree-Indianer.

Christian Wolff, Pfarrer i.R.

Hitschfeld im Gespräch mit Christian Wolff

Zur Person:

Name: Christian Wolff
Alter: 71
Wohnort: Leipzig
Beruf: Pfarrer
Tätigkeit: Blogger, Beratung für Kirche, Politik und Kultur, Vertretungsdienste als Pfarrer
Hobbys: lange Spaziergänge/Wanderungen, lesen, diskutieren, im Posaunenchor blasen

… Jetzt mal ehrlich, was haben uns alle Mühen, Diskussion und Aktivitäten in puncto Bürgerbeteiligung und Akzeptanz in den vergangenen Monaten und Jahren gebracht? Trotz vieler und breiter Diskussions- Informations- und Beteiligungsformate ist unser Umfeld polarisierter denn je. Wo stehen wir – Ihrer Meinung nach – heute mit diesem Anliegen und wo soll das künftig hingehen?

Insgesamt stehe ich der Feststellung „Polarisierung“ oder „Spaltung der Gesellschaft“ sehr skeptisch gegenüber. Es könnte ja sein, dass gerade die breiten Diskussions-, Informations- und Beteiligungsformate dazu führen, dass die sehr unterschiedlichen Sichtweisen, Interessen, Anliegen von Bürger*innen ans Tageslicht kommen, öffentlich werden und kontrovers diskutiert werden. Das ist grundsätzlich zu begrüßen. Außerdem findet damit in Bevölkerungsgruppen der Lernprozess statt, dem sich jede*r Stadtrat*in oder Parlamentarier*in unterwerfen muss: Es ist das eine, sich für seine ureigensten Anliegen einzusetzen. Das andere ist, Entscheidungen zu treffen, mit denen möglichst alle, die davon betroffen sind, leben können. Der Kompromiss. Er führt aber immer auch zur Unzufriedenheit derer, die meinen, weil sie in Entscheidungsprozesse einbezogen werden, dass dann die Entscheidungen auch so ausfallen, wie sie sich das wünschen.

… Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Nein, darin sehe ich keine Überforderung. Es wird ja niemand gezwungen mitzumachen. Allerdings sollten sich die gewählten Gremien davor hüten, die Verantwortung zu verschieben. Bürger*innenbeteiligung entbindet die Parlamente nicht von der Pflicht, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen und diese öffentlich zu vertreten.

… Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Entscheidend ist für Akzeptanz, dass diejenigen, die Entscheidungen treffen, sich als Teil derer verstehen, die von den Entscheidungen betroffen sind. Das heißt: Stadträt*innen, Abgeordnete sollten möglichst viel vor Ort präsent sein – und zwar unabhängig von gerade zu treffenden Entscheidungen. Wer Lebenszusammenhänge vor Ort kennt und selbst darin vorkommt, hat es auf jeden Fall leichter mit der Kommunikation politischer Entscheidungen. Allerdings müssen wir auch beachten, dass viele Menschen sich schwer damit tun, ihre Anliegen, ihr Lebensumfeld auch im Gegenüber zu den Anliegen, Interessen anderer zu gewichten. Dieser Scheuklappenindividualismus steht einer offenen Debatte im Wege.

… Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Wenn etwas notwendig und sinnvoll ist, dann ist die Entscheidung über Finanzmittel eigentlich schon getroffen. Mit anderen Worten: Das Kosten-Argument ist für mich keines. Auch Denkmalschutz, Naturschutz, Sicherung von archäologischen Befunden dürfen nicht mit dem Kostenargument ausgebremst werden. Aber sicher kann es auch im Bereich Bürger*innenbeteiligung zu Fehlausgaben kommen.

… Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn wesentliche Ziele erreicht werden, und ich die Einsprüche, Veränderungen durch andere – so ärgerlich sie im Moment erscheinen – als Bedingung des Erfolgs anerkenne und das auch zugebe.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:
… Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Ja. Als Christ bin ich ein notorisch unzufriedener Mensch. Denn das Beste steht uns ja noch bevor. Aber Erfolg ist wichtig. Wenn ich eine Kampagne plane oder ein Projekt verfolge, dann ist das Wichtigste: Ich muss die Erfolgserlebnisse für die einplanen, die mitmachen bzw. die ich gewinnen will. Sie sind die Luftzufuhr für den notwendigen langen Atem.

… Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Ich habe mir immer vorstellen können, Politik zum Beruf zu machen, also als Abgeordneter auf Landes- oder Bundesebene zu wirken.

… Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Ganz geduldig eine schöne Modelleisenbahn für meinen Enkel aufbauen zusammen mit einer schönen Stadtlandschaft mit Faller-Häuschen. Leider bin ich aber notorisch ungeduldig.

Stefan Leermann: Geschäftsführer der Sparkasse Leipzig-Beteiligungen.

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Stefan Leermann

Name: Stefan Leermann

Alter: 52

Wohnort: Borsdorf, OT Panitzsch

Beruf: Diplom-Ökonom

Tätigkeit: Geschäftsführer S-Beteiligungen. Tochterunternehmen der Sparkasse Leipzig

Hobbys: Jagd

… Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst wird, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Für mich steht außer Frage, dass man diejenigen, die wirklich von einem Projekt betroffen sind, hört und ihre Anregungen und Befürchtungen in den Projektprozess einspeist. Wichtig ist jedoch, dass Bürgerbeteiligung kein reiner Selbstzweck ist und effizient aufgezogen wird. Irgendwann muss es gemacht werden, vorwärtsgehen und eine Entscheidung getroffen werden. Hierbei ist jeder Helfer, jeder Katalysator herzlich willkommen.

… Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Das glaube ich nicht. Wenn es sinnvolle Angebote gibt, sich zu beteiligen, sich einzubringen, mitzureden, ist das um Längen sinnvoller, als beispielsweise unsachliche Posts womöglich noch mit Hassbotschaft zu verfassen. Überfordert ist die Bevölkerung allenfalls durch Pseudo-Informationsinput und durch „asoziale Netzwerke“. Wenn jemand wirklich mitreden will, mitreden kann und das Gesagte nachvollziehbar Eingang in die letztendliche Entscheidung findet, kann es davon fast gar nicht genug geben. Aber wie gesagt: Wenn nur der Sache „Bürgerbeteiligung“ Genüge getan werden soll, wird es ineffizient und frustrierend, auch für jene, die sich konstruktiv eingebracht haben. Wichtig ist darüber hinaus, dass klar kommuniziert wird, was möglich ist und was nicht.

… Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Hierbei geht es schnell um andere Dinge. Ein Projekt wird zur Projektionsfläche für Unzufriedenheiten aller Art. Vielfach werden auch unrealistische Erwartungen geweckt und allzu kurzsichtige Vorstellungen kultiviert – Kosten, Zeit, Umfang und Mehrwert der Projekte betreffend. Wenn unsere Vorväter alle so gedacht hätten, dass es ja viel, viel teurer ist, Tunnel zu graben, um beispielsweise Kabel unterirdisch zu verlegen, dann hätten wir nicht einmal eine Kanalisation. Es dauert eben seine Zeit, bis sich eine solche Investition amortisiert. Übrigens habe ich nicht den Eindruck, dass es so viele Möglichkeiten gibt, sich für Belange, die sich buchstäblich vor der eigenen Haustür abspielen, einzubringen. Wenn es mehr um solche konkreten, tatsächlichen Entscheidungen vor Ort ginge, bin ich optimistisch, dass die entsprechenden Diskurse zielführender geführt werden könnten.

… Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Darauf möchte ich mit einer Gegenfrage antworten: Was ist denn teurer – vorher zu fragen oder nachher einen Baustopp zu haben, weil Interessen unberücksichtigt blieben? Das ist also eindeutig eine Frage der Ökonomisierung innerhalb des Projektmanagements.

… Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Sie ist in meinen Augen erfolgreich, wenn es gelingt, in einer angemessenen Zeit zu einer klaren Entscheidung über die Realisierung eines Projekts zu kommen: dafür, dagegen oder anders.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

… Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Absolut, Erfolg und Zufriedenheit sind für mich zwei Paar Schuhe. Zufriedenheit ist viel mehr als Erfolg allein. Gibt es doch sehr zufriedene, aber mäßig erfolgreiche Menschen – und umgekehrt.

… Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Meine Prägung seit der Schulzeit ist ökonomisch und ich bin sehr zufrieden mit dem was ich tue. Aber Chemiker zu sein, das konnte ich mir auch immer vorstellen.

… Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Ich habe mich immer sehr fürs Segeln begeistert, finde aber keine Zeit dafür.

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Prof. Dr. Gesine Grande | Foto: Kirsten Nijhof

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Prof. Dr. Gesine Grande/HTWK Leipzig

Name: Gesine Grande

Alter: 55

Wohnort: Leipzig

Beruf: Rektorin der HTWK Leipzig

Hobbys: Italienisch lernen, Wandern durch die Alpen, Lesen, Kochen, …

…Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst wird, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Sicherlich nicht. Je komplexer die gesellschaftlichen Prozesse, die Herausforderungen in der Entwicklung von Städten und Regionen, die Konflikte zwischen verschiedenen Interessengruppen, ich denke gerade an die Zulassung der Elektroroller, desto mehr sind wir darauf angewiesen, dass die unterschiedlichen Interessen und Bedarfe verschiedener Bevölkerungsgruppen erstens geäußert und zweitens berücksichtigt werden. Wo diverse, aber relevante Interessen berücksichtigt werden, entstehen einerseits bessere Lösungen und andererseits mehr Akzeptanz, commitment, positive Bewertungen. Nachhaltigkeit braucht Beteiligung.

… Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Ich glaube, zu viel Beteiligung kann es gar nicht geben. Aber Ihre Frage klingt ein wenig so, als würden wir die Bevölkerung zu etwas zwingen, was uns einleuchtet, aber anderen Menschen (noch) nicht. So wie Eltern ihre Kinder gern am Haushalt beteiligen möchten, aber die wollen nicht beteiligt werden. Okay, das Beispiel ist schräg, aber es zeigt, dass wir vielleicht doch manchmal in Versuchung kommen, Beteiligung nicht als einen gleichberechtigten Austausch zu sehen, wo jeder mitbestimmen kann, worum es eigentlich gehen soll, was wichtig ist, welches die Ziele sind. Das ist dann für beide Seiten eine Entdeckungsreise und niemand kann vorher festlegen, was rauskommen soll.

…Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Ich führe viele konstruktive Gespräche mit vielen Menschen, und würde das nicht gern so generell stehen lassen. Mit welchen Bürgern, mit welchen Nachbarn, Kollegen ist es schwierig, im Dialog zu sein und warum? Kommunikationstheoretisch ist unstrittig, dass die Grundlage für sachliche Lösungen eine angemessen vertrauensvolle Beziehung ist. Wenn es nicht gelingt, diese Basis zu schaffen, dann werden auch einfache „sachliche“ Differenzen zu emotionalen Stellvertreterkriegen. Wir müssen also eigentlich fragen, ob es einen Weg gibt, Vertrauen wiederherzustellen. Und natürlich auch, warum es verloren gegangen ist und welche Rolle man selbst dabei gespielt hat. Aber am Ende braucht es auf beiden Seiten ein Motiv zum Austausch, sonst ist die Mühe vergeblich.

…Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben.

Mittel- und langfristig sind die Kosten um ein Vielfaches höher, wenn Projekte und Entwicklungen keine Akzeptanz bei der Bevölkerung oder bei den Betroffenen im weiteren Sinne finden.

…Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn Bürger nicht nur gehört worden sind, sondern beteiligt. Wenn die Lösung ein Kompromiss ist, der Ideen integriert, die die Verantwortlichen vorher selbst noch nicht hatten. Wenn das Ergebnis besser ist und besser machbar und die Interessen von möglichst vielen integriert.

…Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

…Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Selbstverständlich. Sonst wäre ich nur zufrieden, wenn ich erfolgreich bin. Ich kenne viele andere Zustände von Zufriedenheit, mit einem Augenblick, einer schönen Begegnung, einem sonnigen Frühlingstag, einem wunderbaren Team…

…Was wären Sie gern beruflich, wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind.

Ich bin heute nicht nur mit Leidenschaft Rektorin, ich bin und bleibe ja auch Professorin, Wissenschaftlerin, Forschungsmanagerin, Gutachterin. Im Rückblick hat es sich fast logisch so ergeben.

…Welches Hobby hätten Sie gern(, das Sie heute nicht ausüben).

Ich hätte manchmal gern mehr Zeit für Menschen und Beschäftigungen, die mir viel bedeuten.

 

Prof. Dr. Andreas Schulz (© Gert Mothes) | Büro Hitschfeld

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Prof. Dr. Andreas Schulz/Gewandhaus Leipzig

Name: Andreas Schulz

Alter: 57

Wohnort: Leipzig

Beruf: Gewandhausdirektor

Hobbys: Lesen

…Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst wird, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Nein, ich finde Bürgerbeteiligung ein wichtiges Instrument um Akzeptanz und letztendlich auch Identifikation mit einer Entscheidung zu erhöhen. Die Menschen haben heute vielfältige Möglichkeiten sich über ein Thema umfassend informieren. Und wenn es sie berührt, dann tun sie dies auch. Bürgerbeteiligung im Vorwege einer Entscheidung ist durchaus komplex, aber wichtig. Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur sollten dies vielmehr beachten und Bürgerbeteiligungen da, wo es inhaltlich angebracht und relevant ist, zeitlich gut strukturiert planen.

… Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Partizipation um ihrer selbst willen ist nicht Ziel, dann sollte man sie lieber weglassen. Aber bürgerschaftliches Engagement können wir nicht genug befördern und anregen. Wir leben in einer Demokratie und unsere Gesellschaft sollte sich einbringen, sich engagieren und Position beziehen. Schweigende Bürgerinnen und Bürger bringen unser Land nicht voran. Wir alle tragen Verantwortung.

… Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Wer behauptet denn, dass das schwierig ist? Ich bin davon überzeugt, dass es nicht so ist. Wenn wir bewusst zuhören, andere Meinungen respektieren, wenn wir einen wertschätzenden Umgang in einem Dialog pflegen, die anderen ausreden lassen und einfache kommunikative Regeln im Miteinander beachten, ist schon vieles gewonnen. Mit Unsachlichkeit, Pöbeln, Schreien und Nicht-Zuhören kommen wir niemals in einen konstruktiven Dialog.

… Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Ja natürlich, weil die Kosten einer anschließenden Schadensbegrenzung nach einer Entscheidung oft sehr viel höher sind, als die finanzielle und zeitliche Investition in ein vernünftiges Akzeptanzmanagement. Wir sollten die Bürger sehr viel ernster nehmen und sie nicht unterschätzen.

… Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn man das befolgt, was ich zuvor mit wenigen Worten beschrieben habe. Nicht jedes Thema eignet sich für eine Bürgerbeteiligung. Aber dort, wo es angebracht ist, sollte man mittels eines partizipativen Verfahrens mindestens Verständnis für eine Entscheidung generieren. Sollte das Ergebnis sogar Akzeptanz und bestenfalls Identifikation auslösen, weil die Bürgerinnen und Bürger gehört wurden und sich mit ergänzenden Ideen einbringen konnten, umso besser. Dann sind alle zufrieden.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Mit meiner Arbeit kann ich durchaus sehr zufrieden sein, weil ich Sie professionell und engagiert mache, was aber nicht gleichzeitig bedeutet, dass jedes Projekt, was ich gut durchdacht und vorbereitet habe, auch ein erfolgreiches Ergebnis hervorbringt.

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Ich bin mit größter Begeisterung Gewandhausdirektor und liebe diese Tätigkeit. Wenn ich während meines Studiums nicht die Möglichkeit gehabt hätte, ins Musikmanagement einzusteigen, dann wäre ich heute Kirchenmusiker.

Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Regelmäßig Orgel und Cembalo spielen.

Das Büro Hitschfeld im Gespräch mit Christian Buser_Leiter Asset Development EW Zürich

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Dr. Christian Buser/Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ)

Name: Christian Buser
Alter: 42
Wohnort: Nussbaumen, Schweiz
Beruf: dipl. Geograph, Dr. sc. ETHZ
Tätigkeit: Leiter Asset Development, Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ)
Hobbys: Skitouren, Klettern, Outdoor, Lesen

 …Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst wird, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Ich glaube kaum. Als Projektentwickler müssen wir akzeptieren, dass die Bürgerbeteiligung in der heutigen Gesellschaft ein fixer Bestandteil eines Infrastrukturprojektes ist. Insbesondere in der kleinräumigen Schweiz gibt es wohl immer eine Gruppe bzw. ein spezieller Lebensraum der direkt betroffen ist und adäquat berücksichtigt werden muss. Das NIMBY-Phänomen scheint hier ganz ausgeprägt zu sein.

… Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Da ist sicherlich etwas dran. Eine sehr einfache gehaltene Partizipation ist wohl zu fadenscheinig und lässt stark auf eine nicht ernstgemeinte Pflichtübung schließen. Dennoch habe ich den Eindruck, dass die Partizipationsmodelle oftmals zu umfangreich und zu komplex sind und der Kern der Sache – eine für alle tragbare Lösung – aus dem eigentlichen Blickfeld gerät.

… Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Ich denke es liegt an der heutigen Gesellschaft, bei welcher die individuellen Freiheiten einen sehr hohen Schwellenwert haben. Infrastrukturprojekte hingegen stehen oftmals für eine gewisse Einschränkung des Spielraums jeden einzelnes und für ein Miteinander zur Optimierung des Nutzens aller und nicht Maximierung des Nutzens eines einzelnen. Dies scheint schmerzhaft zu sein und löst Abwehrreflexe aus.

… Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Die Kosten sind die eine Seite, die zwar schmerzhaft aber verkraftbar ist. Problematischer hingegen sind der Zeitverlust und die Blockade, teils über Jahre hinweg. rwz plant nun schon seit fast 10 Jahren (!) einen 30 MW-Windpark in der Westschweiz. Um die Ziele Windenergie der Schweizer Energiestrategie 2050 zu erreichen, müssten jedoch 60 vergleichbare Parks realisiert werden. Eine Zielerreichung innerhalb des angestrebten Zeitraums scheint somit als unrealistisch.

… Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn sich ein Projekt so realisieren lässt, dass Projektant und Betroffene auch in Zukunft fair und korrekt miteinander umgehen können und es zu keiner Spaltung im Kreise der Betroffenen kommt.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Durchaus. Eine generelle Zufriedenheit im beruflichen und persönlichen Umfeld gibt einem wesentlich mehr Energie, als die kurzen, intensiven Erfolgserlebnisse. Ein schönes Beispiel hierzu sind Skitouren. Es ist toll, im tiefsten Winter auf einem Verschneiten Gipfel zu stehen und ein herrliches Panorama zu bewundern. Ebenso so viel Energie gibt einem aber auch der Aufstieg in einem gleichmäßigen Rhythmus, während man ganz nahe an der Natur ist und seinen Gedanken und Ideen nachhängen kann.

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Experte im Bereich der Trinkwasserversorgung und -logistik im Einsatz für eine internationale Organisation wie etwa dem IKRK.

Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Segeln, wobei die Schweiz ja nicht wirklich eine ausgeprägte Segelnation ist.

Küchentisch-Tour in Leipzig: Was bleibt über den Tag hinaus?

Duligs Küchentisch-Tour in Leipzig: Was bleibt über den Tag hinaus?

Am Donnerstagabend machte das Bürgergesprächsformat „Küchentisch-Tour“ von Sachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr Martin Dulig Station im Leipziger Stadtteilzentrum Anker. Mit von der Partie war mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz ein weiterer prominenter Gast. Unterstützt von Daniela Kolbe stellten sich beide Politiker den Aussagen und Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Die Gespräche wurden im Fragen-Antworten-Modus nach einem festen Regelkatalog und routiniert geführt. Was bleibt jedoch über den Tag dieser mittlerweile gut eingeführten Veranstaltung hinaus? Sowohl bei den Gästen, als auch bei den Veranstaltern? Offen bleibt für Fragende, Zuhörer und Zuschauer, was Olaf Scholz und Martin Dulig aus den Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern mitnehmen. Welche in diesem Format vorgetragenen Themen fließen in ihre Arbeit ein – UND wie erfahren vor allem die Bürger davon? Mit diesen Fragen haben wir uns aus dem Abend verabschiedet.

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Dr. Michael Alexander Schimansky, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung Leipzig

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Dr. Michael Alexander Schimansky/Leiter Amt für Wirtschaftsförderung Leipzig

Dr. Michael Alexander Schimansky (66) ist Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig.

Name: Dr. Michael Alexander Schimansky
Alter: 66
Wohnort: Leipzig
Beruf: Leitender Angestellter
Tätigkeit: Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung und kommissarischer Leiter des Dezernates Wirtschaft und Arbeit (Stadt Leipzig)
Hobbys: Literatur, Reisen, Musik von den Stones bis Stravinsky

Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst wird, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Das hätte man noch vor 10 Jahren glauben können. Inzwischen sind sowohl Selbstbewusstsein und der Wille, sich aktiv einzubringen, gewachsen und es bestehen mit digitalen Plattformen und sozialen Medien auch neue Möglichkeiten der Beteiligung.

Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Nicht wenn die Angebote auf die Übernahme sozialer Verantwortung gerichtet sind. Es darf nicht Ziel sein, die repräsentative Demokratie bei der Entscheidungsfindung auszuhöhlen oder zu ersetzen, sondern sie um neue Mitwirkungsmöglichkeiten zu ergänzen.

Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Die Herausforderung ist, einen wirklich breit angelegten Diskurs zu führen, der nicht von Lobbyisten und Partikularinteressen Einzelner, die sich besonders wirksam in Szene setzen können, dominiert wird. 

Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Die Kosten sind überschaubar, wenn man mehr Aufwand für Umplanungen oder Konfliktlösungen ex post betrachtet.

Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn die Beteiligten am Ende das Gefühl haben, mit ihrem Anliegen respektiert worden zu sein, ihre Argumente im Abwägungsprozess ernsthaft diskutiert wurden und angemessen in Relation zu den Argumenten der anderen Beteiligten berücksichtigt wurden.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen: Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Erfolg macht hungrig nach mehr; Zufriedenheit macht satt. Beides ist wichtig; jedes zu seiner Zeit.

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Kapitän auf großer Fahrt.

Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Ich würde gern (wieder) in ein Segelflugzeug steigen oder, was vermutlich realistischer wäre, aktiv und nicht nur passiv meiner Segelleidenschaft nachgehen.

Der lunch club geht in das 15. Jahr | Büro Hitschfeld

Der lunch club geht in das 15. Jahr

Inspirierend/informativ/intelligent…

unter diesem Motto trafen sich im Februar des Jahres 2004 im damaligen Restaurant Münsters zum ersten Mal Leipziger Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft.

Geboren wurde die Idee zu dieser Veranstaltung mit Vergnügen, Augenzwinkern und der Lust, Menschen, die sich im sozialen und Berufsleben nicht zwingend in dieser Konstellation begegnen würden, zusammenzubringen. Das Vergnügen und die Freude am qualitativen aber immer unprätentiösen Zusammenkommen dauert bis heute bei Wirt André Münster und den Hitschfelds an. Den Gästen des lunch clubs begegnen monatlich inspirierende und namhafte lunch speaker. Dass für die Gäste und die Speaker der Wirt mit seinem Team des Restaurants Münsters aufkocht, rundet das intellektuelle Vergnügen auch für den Bauch ab.

Weit mehr als 100 Speaker aus ebenfalls sehr unterschiedlichen Kontexten haben seitdem vorgetragen. „Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich in all den Jahren so viele Persönlichkeiten zum Vortrag gewinnen und später als Gäste wieder begrüßen konnte und kann. Die 2004 als „Testballon“ gestartete Veranstaltungsreihe ist mittlerweile ein etabliertes Format, bei dem sich langjährige Gäste und neu in Leipzig hinzukommende VerantwortungsträgerInnen begegnen können. „Es sieht so aus, dass wir diese feine Runde in Vorfreude auf interessante und überraschende Begegnungen auch noch in das 20. Jahr führen werden.“

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Uwe Harzer/omniphon GmbH

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Uwe Harzer/omniphon GmbH

Zur Person

Name: Harzer, Uwe

Alter: 50

Wohnort: Leipzig

Beruf: Geschäftsführer omniphon GmbH und langjähriger Netzwerkpartner des Büros Hitschfeld für strategische Beratung

Tätigkeit: Leiter Marketing

Hobbys: Rollski, Fußball, Klettern, Motorrad

Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst wird, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Zumindest besteht die Gefahr, dass es als Modeerscheinung angesehen wird. Wenn man Bürgerbeteiligung schlecht organisiert, dann wird diese nicht zur Akzeptanz führen. Deshalb gilt es, dieses Risiko zu minimieren, indem man sich für erfahrene Akteure zur Durchführung des Beteiligungs- und Akzeptanzprozesses entscheidet.

Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Dies ist meines Erachtens alles eine Frage der Vorbereitung und exakten Analyse. Grundsätzlich ist das bürgerliche Engagement nach wie vor vorhanden und kann gezielt genutzt werden. Eine fundierte Informationsbereitstellung sehe ich dabei als zwingend notwendig an. Dabei sollten auch Regeln, Gesetze, Grenzen des Prozesses von Anfang an proaktiv kommuniziert und nicht erst durch die Hintertür bekannt werden. Überfordert werden die Bürger nur dann, wenn der Prozess diese Punkte ignoriert oder ihnen zu wenig Bedeutung beimisst. Dies führt zwangsläufig zum Dissens.

Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Aus eigenem Erleben (Bürgerbeteiligungsprozess auf Bürgerseite) weiß ich, wie man es nicht machen soll. Einige Punkte stehen schon in der Antwort obendrüber. Ein Kardinalfehler ist es aber, wenn mit dem Beteiligungsprozess Akteure beauftragt werden, die Eigen- und oder Lobbyinteressen vertreten, wenn auch versteckt. Hier bedarf es einer absolut neutralen Instanz, ansonsten gleitet die Bürgerbeteiligung ab und ist weder sachlich noch konstruktiv.

Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Das ist für mich kein Argument. Wenn ich Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement mal als „weiche Maßnahmen“ definiere, wo stehen die da im Vergleich zu den Kosten für die „harte Maßnahmen“, also den Bau einer Straße, einer neuen U-Bahnstrecke etc. Sie kosten nur einen Bruchteil davon und deshalb erübrigt sich die Diskussion, ob man sich diese leisten sollte.

Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn die Bürgerbeteiligung für einen Großteil der Betroffenen zur Akzeptanz führt.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Darüber habe ich noch nie nachgedacht, vermutlich weil ich bislang beides hatte. Vermutlich stehen Erfolg und Zufriedenheit aber schon ein einem Verhältnis, wobei es nicht immer eine absolute Abhängigkeit sein muss.

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Trainer einer Fußballmannschaft eines tatsächlichen Fußballvereins.

Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Fliegen, am liebsten mit einem Drachenflieger/Hängegleiter.