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„Alles wird gut?“ – so bestimmt nicht!

Eine Polemik zum Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 8.Mai

„Alles wird gut – seit Wochen machen sich viele mit diesem Satz gegenseitig Mut“– so schreibt die Süddeutsche Zeitung in ihrem jüngsten Magazin. Der Artikel beschreibt den Umgang „der Deutschen“ mit den Auswirkungen und mit den durch die Corona-Krise hervorgerufenen Einschränkungen.

Wer sind „die Deutschen“ in diesem – die Psyche eben dieses Volkes in Ausnahmesituationen beschreibenden – Artikels? Es sind Leute, die unter einer Katastrophe das versehentlich ohne WLAN gebuchte Hotelzimmer verstehen, es sind Personen, die hoffen, ja eher glauben, dass Corona ebenso vorbeigehen möge wie der saure Regen, Fukushima, die Ereignisse um den Zusammenbruch von Lehmann Brothers.

Es wird eine Gesellschaft beschrieben, die sich mit ihrem Glücksanspruch, ihrem in Jahrzehnten stetig gewachsenem ökonomischen Wohlstand und in all ihrer (tatsächlichen oder vermeintlichen) Unverletzlichkeit gut eingerichtet habe und quasi ein ererbtes Anrecht darauf besitze, von Katastrophen, Unwägbarkeiten, Unsicherheiten verschont zu bleiben. Die Autoren beschreiben eine deutsche Gesellschaft, „die den Glauben an ein Happy End so verinnerlicht hat, das es zur Gewissheit geworden ist. Es ist diese amerikanische Version der Zuversicht, die sich so fest in unserem Bewusstsein verankert hat, dass sich die meisten kein dauerhaftes Unglück, keinen Ruin, ja nicht mal einen Verzicht auf ihren gewohnten Lebensstil vorstellen können…“

Verwundert, betroffen und auch noch Tage nach der Lektüre reibt sich die in Ostdeutschland geborene Leserin ihre Augen und fragt sich, mit welcher Chuzpe und mit welcher Ignoranz da eigentlich geschrieben wird. Haben die Verfasser 1989 und die Jahre davor – zumindest in ihren Geschichtsbüchern – mitbekommen? Haben Sie realisiert, welche Brüche, welche Unsicherheiten, welche Biografieverwerfungen dies bedeutet hat und noch immer bedeutet? Haben sie eine Vorstellungskraft davon, welche Auswirkungen dies im kollektiven Gedächtnis und bei der Lebensgestaltung bis heute hat? Wissen sie um die vielen neu gegründeten Existenzen, deren Erfolg/Misserfolg nur auf einem dünnen Fundament steht?

Sie – die Autoren – wissen es nicht. Es spielt keine Rolle. Sie sind ganz zu Hause in der Welt, die sie beschreiben. Eine deutsche Realität, eine deutsche Gesellschaft, eine deutsche Psyche wird gezeigt, die in ihrer westdeutschen Zentriertheit, in ihrer westdeutschen Saturiertheit (die bewusste schwarz-weiß-Malerei sei mir in diesem Kontext erlaubt) sich selbst genug ist. Ostdeutsche Biografien – war da was? Nein! -und das nehme ich meinem Lieblingsblatt zum wiederholten Male übel.

Hier geht’s zum Artikel.

Katharina Hitschfeld

LVZ zu Gehältern kommunaler Führungskräfte | Büro Hitschfeld

LVZ zu Gehältern kommunaler Führungskräfte

Eine Polemik zur Berichterstattung der LVZ am 20.12.2017

Von Katharina Hitschfeld

Die LVZ im Raum Leipzig ist zweifellos meinungsbildend. Das hat viel mit der Medienvielfalt am Standort Leipzig zu tun. Aber natürlich auch mit den Themen und der Art, wie über sie berichtet wird. Die Berichterstattung und Kommentierung zu den Gehältern von Geschäftsführern kommunaler Unternehmen und anderer Spitzenbediensteten des öffentlichen Dienstes in Leipzig zeigt, wie die LVZ mit der daraus erwachsenden Verantwortung umgeht.

Für Nichtleser der Zeitung sei kurz erklärt: Die LVZ hat am 20.12.2017 ausführlich über die Höhe der Gehälter von Geschäftsführern, Intendanten und anderen Verantwortungsträgern kommunaler Einrichtungen berichtet. Sie stützt sich dabei auf eine einschlägige aktuelle Kienbaum-Studie. Außerdem hat der Stadtrat beschlossen, dass solche Gehälter offengelegt werden müssen. Die Betroffenen haben dem zugestimmt. Soweit, so gut.

Dennoch fallen mehrere Dinge an der Veröffentlichung auf:

Der Zeitpunkt: Muss das Thema wirklich in der Woche vor Weihnachten platziert werden, wenn die materiellen Beschränkungen von Leuten mit geringem Einkommen besonders auffällig und schmerzhaft sind?

Die Verhältnismäßigkeit: Um beurteilen zu können, ob die Bezüge angemessen, hoch oder niedrig sind, müsste dem ungeübten Leser doch sicher eine Beurteilungshilfe gegeben werden.  (Beispielsweise: Wieviel verdient ein Geschäftsführer in einem vergleichbaren Unternehmen in Ost und West?)

Gleiches Recht für alle: Wenn man eine solche Veröffentlichung macht, dann sollte die Zeitung keine Auswahl treffen, sondern die Bezüge von  ALLEN Personen drucken, die unter diese Transparenzregel fallen.  Warum fehlen z. B. die Messe, der Flughafen, u. a. m.?

Bei dieser Berichterstattung drängt sich der Verdacht auf, dass es der LVZ nicht um Transparenz oder ihren journalistischen Auftrag geht, sondern Auflage mit dem Thema „Ihr da oben – wir hier unten“! gemacht werden soll. Das ist nie legitim – in Zeiten politischer Verdrossenheit ist es fahrlässig!

 

Beobachtungen zur Bundestagswahl 2017 | Büro Hitschfeld

Beobachtungen zur Bundestagswahl

Am 24. September ist Bundestagswahl.

Wir schließen unsere kleine Reihe mit Beobachtungen zum Wahlkampf mit einem Zitat von Hans-Joachim Heist, vielen bekannt als „Gernot Hassknecht“:

Wahlkampf ist das Hochamt der politischen Kommunikation. Klar, dass Kommunikationsfachleute in dieser Zeit mit besonders wachem Blick unterwegs sind. An dieser Stelle wollen wir in den Tagen bis zur Wahl Dinge zeigen, die uns im Bundestagswahlkampf besonders aufgefallen sind.

Nicht ohne ein Augenzwinkern, das Leben ist ernst genug.

Wahlplakat - Die Partei I ©Hitschfeld

Den Preis für Effektivität im Wahlkampf gewinnt „DIE PARTEI“ für ihr multithematisches Plakat.

Kombinierbar mit praktisch jedem Plakat der politischen Konkurrenz.

Gefunden in Erfurt.


wahlplakat-fdp-digitalisierung-first

Es gibt noch immer Leute, die sich für den Ausbund an Modernität und Digitalisierung halten, wenn sie sich immerzu mit einem Smartphon beschäftigen.

Der Posterboy der FDP scheint diesem Irrtum ebenso aufgesessen zu sein, wie den des Deutschen offenbar unzureichend mächtigen Sprachpanschern in seiner Umgebung.

Gefunden in Leipzig.


Was wird hier abgebildet? Die Kandidaten, die Zielgruppe?

Ist das ein Testimonial? Satire? Realität?

Gefunden im Internet.


Von der „Partei“ haben wir satirische Beiträge im Wahlkampf ohnehin erwartet. In diesem Fall schließen wir uns auch der Grundaussage an: „Die Wahlentscheidung will gut überlegt sein!“

Gefunden in Erfurt.


Klare Aussage, mit geschlossenen Augen und gegen die Sonne guckend:

Für alle, die nicht wissen, warum sie SPD wählen sollen!

Gefunden in Erfurt.