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Netzausbau: Erster Spatenstich beim Amprion Projekt Reutlingen-Herbertingen mit Büro Hitschfeld

Netzausbau: Erster Spatenstich beim Amprion-Projekt Reutlingen-Herbertingen

Vergangene Woche begannen die Bauarbeiten für das Netzausbauprojekt 24 des Bundesbedarfsplangesetzes BBPlG mit dem symbolischen ersten Spatenstich. Dieses Vorhaben ist unter mehreren Gesichtspunkten etwas Besonderes: Es ist nicht nur ein „Project of Common Interest“ der Europäischen Union (PCI) bei der Erreichung der gemeinsamen europäischen energiewirtschaftlichen Ziele, d.h. es hat eine besondere Bedeutung bei der Schließung der Lücken in der europäischen Infrastruktur und findet auch internationale Beachtung. Es ist auch das erste Projekt, das wir von Anfang an für Amprion begleitet haben: Die grundlegende Umfeldbetrachtung nach unserer PCE-Methodik als Basis für die Entwicklung einer umfassenden, projektbezogenen Kommunikations- und Partizipationsstrategie trug mit dazu bei, dass das zuständige Regierungspräsidium Tübingen auf ein separates Raumordnungsverfahren verzichtete, was die Genehmigungsphase verkürzte. Die vielfältigen und umfangreichen Kommunikations- und Beteiligungsaktivitäten definierten einen Standard für Bürgerbeteiligung bei Amprion. Jetzt – ca. fünf Jahre nach Projektstart – erfolgte auf der Schwäbischen Alb der erste Spatenstich. In den kommenden zwei Jahren werden auf der bereits seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts existierenden 380-kV-Strecke die Masten ersetzt und ein zweiter 380-kV-Stromkreis aufgebracht. Wir gratulieren Amprion zum erfolgreichen Abschluss der Planungs- und Genehmigungsphase und wünschen eine erfolgreiche, fristgerechte Bauzeit.

Das Büro Hitschfeld im Gespräch mit Christian Buser_Leiter Asset Development EW Zürich

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Dr. Christian Buser

Das Büro Hitschfeld im Gespräch mit Christian Buser_Leiter Asset Development EW ZürichName: Christian Buser
Alter: 42
Wohnort: Nussbaumen, Schweiz
Beruf: dipl. Geograph, Dr. sc. ETHZ
Tätigkeit: Leiter Asset Development, Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ)
Hobbys: Skitouren, Klettern, Outdoor, Lesen

 …Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst wird, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Ich glaube kaum. Als Projektentwickler müssen wir akzeptieren, dass die Bürgerbeteiligung in der heutigen Gesellschaft ein fixer Bestandteil eines Infrastrukturprojektes ist. Insbesondere in der kleinräumigen Schweiz gibt es wohl immer eine Gruppe bzw. ein spezieller Lebensraum der direkt betroffen ist und adäquat berücksichtigt werden muss. Das NIMBY-Phänomen scheint hier ganz ausgeprägt zu sein.

… Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Da ist sicherlich etwas dran. Eine sehr einfache gehaltene Partizipation ist wohl zu fadenscheinig und lässt stark auf eine nicht ernstgemeinte Pflichtübung schließen. Dennoch habe ich den Eindruck, dass die Partizipationsmodelle oftmals zu umfangreich und zu komplex sind und der Kern der Sache – eine für alle tragbare Lösung – aus dem eigentlichen Blickfeld gerät.

… Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Ich denke es liegt an der heutigen Gesellschaft, bei welcher die individuellen Freiheiten einen sehr hohen Schwellenwert haben. Infrastrukturprojekte hingegen stehen oftmals für eine gewisse Einschränkung des Spielraums jeden einzelnes und für ein Miteinander zur Optimierung des Nutzens aller und nicht Maximierung des Nutzens eines einzelnen. Dies scheint schmerzhaft zu sein und löst Abwehrreflexe aus.

… Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Die Kosten sind die eine Seite, die zwar schmerzhaft aber verkraftbar ist. Problematischer hingegen sind der Zeitverlust und die Blockade, teils über Jahre hinweg. rwz plant nun schon seit fast 10 Jahren (!) einen 30 MW-Windpark in der Westschweiz. Um die Ziele Windenergie der Schweizer Energiestrategie 2050 zu erreichen, müssten jedoch 60 vergleichbare Parks realisiert werden. Eine Zielerreichung innerhalb des angestrebten Zeitraums scheint somit als unrealistisch.

… Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn sich ein Projekt so realisieren lässt, dass Projektant und Betroffene auch in Zukunft fair und korrekt miteinander umgehen können und es zu keiner Spaltung im Kreise der Betroffenen kommt.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Durchaus. Eine generelle Zufriedenheit im beruflichen und persönlichen Umfeld gibt einem wesentlich mehr Energie, als die kurzen, intensiven Erfolgserlebnisse. Ein schönes Beispiel hierzu sind Skitouren. Es ist toll, im tiefsten Winter auf einem Verschneiten Gipfel zu stehen und ein herrliches Panorama zu bewundern. Ebenso so viel Energie gibt einem aber auch der Aufstieg in einem gleichmäßigen Rhythmus, während man ganz nahe an der Natur ist und seinen Gedanken und Ideen nachhängen kann.

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Experte im Bereich der Trinkwasserversorgung und -logistik im Einsatz für eine internationale Organisation wie etwa dem IKRK.

Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Segeln, wobei die Schweiz ja nicht wirklich eine ausgeprägte Segelnation ist.

Berliner Tagung und Auszeichnung „Vorbildliche Bürgerbeteiligung“ mit Büro Hitschfeld

Wenn ich König von Deutschland wär‘: Beteiligungsformate „ausgezeichnet!“

Fachtagung und Auszeichnungsevent für „vorbildliche Bürgerbeteiligung“ am 21. November in Berlin

Wenn ich König von Deutschland wär?, war eine der vielen Fragestellungen aus den prämierten Projekten für vorbildliche Bürgerbeteiligung, um – wie in diesem Fall in Halle/Saale – junge Menschen zum Mitdenken und Mittun zu bewegen. Derer gab es viele bei der Fachtagung mit Auszeichnung der Gewinner des BMU- und UBA-Wettbewerbs „Ausgezeichnet! – Wettbewerb für vorbildliche Bürgerbeteiligung“, die am 21. November in Berlin stattfand. Das Büro Hitschfeld nahm ebenfalls daran teil.

Gut gemachte Bürgerdialoge und neue Formate der Bürgerbeteiligung können dazu beitragen, die Akzeptanz politischer Entscheidungen zu erhöhen und das Vertrauen in die Demokratie zu stärken. Darin waren sich an diesem Tag alle Teilnehmer einig. Zur wichtigsten Frage des Events geriet deshalb, wie es gelingt, weniger gebildete und einkommensschwächere Bevölkerungsschichten in den demokratischen Disput um Projekte mit einzubeziehen, damit auch sie sich als wahrgenommener Teil der Gesellschaft begreifen.

Antworten dazu rankten um Mehrsprachigkeit in Partizipationsprozessen, Nutzung von mehr spielerischen Formen und die Anwendungen neuer Technologien und visualisierter Darstellungsformen, um die breite Masse damit besser erreichen zu können. Die Lösungen wurden dann auch in den drei Foren heftig und kontrovers diskutiert.

BMU-Ministerial-Direktor Dietmar Horn sah in seinem Grußwort schon viel erreicht bei der Bürgerbeteiligung in Deutschland. Als größte Lücke bezeichnete er allerdings den Bereich „Bürgerbeteiligung und Gesetzgebung“. Da sei in der Zukunft noch viel zu tun, um diese Lücke schließen zu helfen.

Weitere Infos hier

 

20181109 Büro Hitschfeld PM_Haben wir zu viel Partizipation in Deutschland

BNetzA-Absage: Haben wir zu viel Partizipation in Deutschland?

09.11.2018

Pressemitteilung 08/2018

BNetzA-Absage: Haben wir zu viel Partizipation in Deutschland?

Die Bundesnetzagentur hat ihren in Erfurt geplanten Informationstag „Netzausbau und Mensch“ wegen zu geringen Interesses absagen müssen. Liegt das geringe Interesse an einem ungeschickt ausgewählten Termin oder gibt es tiefer liegende Ursachen – wie unsere Studie „Überforderung durch viel Beteiligung?“ zeigt?

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Küchentisch-Tour in Leipzig: Was bleibt über den Tag hinaus?

Duligs Küchentisch-Tour in Leipzig: Was bleibt über den Tag hinaus?

Am Donnerstagabend machte das Bürgergesprächsformat „Küchentisch-Tour“ von Sachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr Martin Dulig Station im Leipziger Stadtteilzentrum Anker. Mit von der Partie war mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz ein weiterer prominenter Gast. Unterstützt von Daniela Kolbe stellten sich beide Politiker den Aussagen und Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Die Gespräche wurden im Fragen-Antworten-Modus nach einem festen Regelkatalog und routiniert geführt. Was bleibt jedoch über den Tag dieser mittlerweile gut eingeführten Veranstaltung hinaus? Sowohl bei den Gästen, als auch bei den Veranstaltern? Offen bleibt für Fragende, Zuhörer und Zuschauer, was Olaf Scholz und Martin Dulig aus den Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern mitnehmen. Welche in diesem Format vorgetragenen Themen fließen in ihre Arbeit ein – UND wie erfahren vor allem die Bürger davon? Mit diesen Fragen haben wir uns aus dem Abend verabschiedet.

Büro Hitschfeld auf Parlamentarischem Abend in Berlin: Partizipation ist der Schlüssel

Parlamentarischer Abend in Berlin: Partizipation ist der Schlüssel

Kommentar von Dr. Monika Friedrich

Die Prämisse der Gastgeber des Parlamentarischen Abends in Berlin: Politische Rahmenbedingungen für einen offenen Dialog und beschleunigten Infrastrukturausbau – Potenziale erkennen und nutzen! – Dialoggesellschaft, Berlin Institut für Partizipation und Bertelsmann Stiftung – für diesen Abend: Partizipation kann Prozesse beschleunigen, Probleme entschärfen oder auch lösen. Die „fünf Punkte zum Bessermachen“, wie sie im Impulsvortrag der Bertelsmann-Stiftung formuliert wurden, können wir aus unserer Arbeit als Dienstleister für Vorhabenträger in Partizipationsprozessen nur bestätigen: Den richtigen Zeitpunkt für den Beteiligungsprozess zu finden, umfassend und transparent zu informieren, die Beteiligung professionell in geeigneten Formaten umzusetzen und die Bürgerschaft in ihrer Vielfalt einzubeziehen. Mit der Rolle der in diesem Zusammenhang ins Spiel gebrachten Zufallsbürger, also der „schweigenden Mehrheit“ hat sich Büro Hitschfeld bereits an anderer Stelle befasst.

Der letzte Punkt und Vorschlag, einen „partizipativen Fußabdruck“ durch eine Rechenschaftspflicht für den Umgang mit den Ergebnissen des Beteiligungsverfahrens zu hinterlassen, überraschte in dieser Formulierung. Angeregt haben wir dies in unserer Arbeit für Vorhabenträger seit längerem, bspw. durch das regelmäßige Update einer Kommunikationsbilanz im Projekt.
Nicht verwunderlich in dieser Runde, dass die Gastgeber die Politiker als Entscheider über große Infrastrukturprojekte über den gesamten Prozess beteiligt sehen möchten. Einig waren sie sich mit ihren Gästen aus dem Bundestag, dass Verwaltung und Behörden wichtige Mitspieler im Beteiligungsprozess sind, die dafür über ausreichende Kompetenzen und Ressourcen verfügen sollten. Umweltverbände haben das Recht und die Pflicht zur Partizipation, mit ihrer frühzeitigen Beteiligung können Planungsprozesse optimiert statt verzögert werden.

In der abschließenden Fishbowl-Debatte mit Bundestagsabgeordneten wurden Fragen und Vorschläge aus dem Publikum diskutiert: Wie können Kommunen, die z. T. mit diesen Aufgaben überfordert sind, noch besser eingebunden werden? Wie können die Positionen der Kommunal- und Landesparlamente in diesem Prozess gestärkt werden? Um die engagierte Bürgerschaft im Beteiligungsprozess zu halten und zu stärken, sollten Ressourcen nicht nur für Experten und professionelle Dienstleister, sondern auch für Bürger ( Aufwandsentschädigung, Verdienstausgleich?) bereit gestellt werden.
Der Abend machte erneut klar: Beteiligung muss weiter geübt werden.