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Leipzig-Dialog zu Freiflächenplanung „Rietzschke-Aue Sellerhausen“.

Leipzig-Dialog zu „Rietzschke-Aue Sellerhausen“

Der Stadtteil Sellerhausen/Volkmarsdorf verändert sich. Der Grundstein für den Schulcampus in der Ihmelsstrasse wurde diese Woche gelegt; für den Parkbogen Ost werden kommende Woche die Entwürfe prämiert. Zwischen diesen Großvorhaben befindet sich ein neu gewonnenes 18.000 qm großes Grundstück – die „Rietzschke-Aue Sellerhausen“.

Die Neugestaltung der „Rietzschke-Aue Sellerhausen“ ist am Dienstag, 12. November, Thema einer Bürgerveranstaltung. Für die durch die Wurzner Straße sowie Bernhard- und Ihmelsstraße begrenzte öffentliche Grünfläche hat das Amt für Stadtgrün und Gewässer die Planung in Auftrag gegeben. Anlass der Neugestaltung sind die in der Vergangenheit, zuletzt im Jahr 2013 aufgetretenen Hochwasserstände. Nunmehr soll hier ein Areal entstehen, das von den Anwohnern und Erholungssuchenden als neue Grünfläche genutzt werden kann und bei Starkregenereignissen trotzdem in der Lage ist, Wasser aufzunehmen und dieses zwischen zu speichern.

Anlässlich dieser Neugestaltung lädt das Amt für Stadtgrün und Gewässer zu einer Informations- und Beteiligungsveranstaltung ein. Anwohner, Nachbarn und Interessierte können sich im Rahmen eines Info-Marktes und entlang verschiedener Themenschwerpunkte informieren, mit Fachleuten und Planern ins Gespräch kommen und eigene Ideen einbringen.

Das Büro Hitschfeld begleitet dieses Vorhaben seit drei Jahren und freut sich auf die Begegnungen im Stadtteil.

Ort: Förderzentrum Sprachheilschule „Käthe Kollwitz“ in Leipzig-Volkmarsdorf, Karl-Vogel-Straße 17–19

Zeit: 16:30–19:00 Uhr

Prof. Dr. Andreas Schulz (© Gert Mothes) | Büro Hitschfeld

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Prof. Dr. Andreas Schulz/Gewandhaus Leipzig

Name: Andreas Schulz

Alter: 57

Wohnort: Leipzig

Beruf: Gewandhausdirektor

Hobbys: Lesen

…Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst wird, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Nein, ich finde Bürgerbeteiligung ein wichtiges Instrument um Akzeptanz und letztendlich auch Identifikation mit einer Entscheidung zu erhöhen. Die Menschen haben heute vielfältige Möglichkeiten sich über ein Thema umfassend informieren. Und wenn es sie berührt, dann tun sie dies auch. Bürgerbeteiligung im Vorwege einer Entscheidung ist durchaus komplex, aber wichtig. Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur sollten dies vielmehr beachten und Bürgerbeteiligungen da, wo es inhaltlich angebracht und relevant ist, zeitlich gut strukturiert planen.

… Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Partizipation um ihrer selbst willen ist nicht Ziel, dann sollte man sie lieber weglassen. Aber bürgerschaftliches Engagement können wir nicht genug befördern und anregen. Wir leben in einer Demokratie und unsere Gesellschaft sollte sich einbringen, sich engagieren und Position beziehen. Schweigende Bürgerinnen und Bürger bringen unser Land nicht voran. Wir alle tragen Verantwortung.

… Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Wer behauptet denn, dass das schwierig ist? Ich bin davon überzeugt, dass es nicht so ist. Wenn wir bewusst zuhören, andere Meinungen respektieren, wenn wir einen wertschätzenden Umgang in einem Dialog pflegen, die anderen ausreden lassen und einfache kommunikative Regeln im Miteinander beachten, ist schon vieles gewonnen. Mit Unsachlichkeit, Pöbeln, Schreien und Nicht-Zuhören kommen wir niemals in einen konstruktiven Dialog.

… Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Ja natürlich, weil die Kosten einer anschließenden Schadensbegrenzung nach einer Entscheidung oft sehr viel höher sind, als die finanzielle und zeitliche Investition in ein vernünftiges Akzeptanzmanagement. Wir sollten die Bürger sehr viel ernster nehmen und sie nicht unterschätzen.

… Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn man das befolgt, was ich zuvor mit wenigen Worten beschrieben habe. Nicht jedes Thema eignet sich für eine Bürgerbeteiligung. Aber dort, wo es angebracht ist, sollte man mittels eines partizipativen Verfahrens mindestens Verständnis für eine Entscheidung generieren. Sollte das Ergebnis sogar Akzeptanz und bestenfalls Identifikation auslösen, weil die Bürgerinnen und Bürger gehört wurden und sich mit ergänzenden Ideen einbringen konnten, umso besser. Dann sind alle zufrieden.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Mit meiner Arbeit kann ich durchaus sehr zufrieden sein, weil ich Sie professionell und engagiert mache, was aber nicht gleichzeitig bedeutet, dass jedes Projekt, was ich gut durchdacht und vorbereitet habe, auch ein erfolgreiches Ergebnis hervorbringt.

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Ich bin mit größter Begeisterung Gewandhausdirektor und liebe diese Tätigkeit. Wenn ich während meines Studiums nicht die Möglichkeit gehabt hätte, ins Musikmanagement einzusteigen, dann wäre ich heute Kirchenmusiker.

Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Regelmäßig Orgel und Cembalo spielen.

BMU stellt Leitlinien für gute Bürgerbeteiligung vor | Büro Hitschfeld

BMU stellt Leitlinien für gute Bürgerbeteiligung vor

In der vergangenen Woche hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) seine Leitlinien für gute Bürgerbeteiligung vorgestellt. Das hat uns interessiert und wir waren in Berlin dabei, auch wenn diese Leitlinien als Bestandteil der Geschäftsordnung des BMU ausschließlich für die Arbeit der Mitarbeiter verbindlich sein werden.

Das Ministerium hat den Vorteil, Projekte zu initiieren und zu verfolgen, die selten mit unmittelbaren lokalen und/oder regionalen Betroffenheiten einhergehen. Insofern ist ein 1:1-Vergleich mit Beteiligungsprozessen von Vorhabenträgern unangebracht. Eine Sensibilität dem Thema gegenüber, ein Bewusstsein, dass Prozesse heute kommunikativ und strukturell breiter aufzustellen sind, zeigt sich aber auch hier sehr deutlich und das ist gut so. Nun muss davon noch der Bürger/die Bürgerin erfahren. Diese sollen bei Beteiligungsprozessen künftig als sogenannte Zufallsbürger (siehe unseren Beitrag zum Thema) eingebunden werden.

Von der Arbeit mit Stakeholdern hält das Ministerium in diesem Zusammenhang – ohne Begründung – eher weniger. Unter Umständen ist dies ein Luxus, den man sich leisten will und leisten kann, wenn man nicht mit konkreten Vor-Ort-Prozessen beschäftigt ist. Umso begrüßenswerter und dann auch erkenntnisreich der beabsichtigte Evaluierungsprozess. Für unser Büro ist dies bei allen Vorhaben ein integraler Prozessbaustein.

Hitschfeld-Studie: Was entscheidet über Erfolg oder Misserfolg von Bürgerbeteiligung?

Neue Hitschfeld-Studie über Erfolg oder Misserfolg von Bürgerbeteiligung

30.11.2018

Pressemitteilung 09/2018

Neue Hitschfeld-Studie über Erfolg oder Misserfolg von Bürgerbeteiligung

Mit unserer neuen Studie knüpfen wir an unsere früheren Forschungsprojekte an, die wir im Themenkreis „Akzeptanz, Partizipation und öffentliches Vertrauen“ durchgeführt haben.

Wir haben untersucht,

  • was Bürgerinnen und Bürger als erfolgreiche Bürgerbeteiligung empfinden,
  • unter welchen Bedingungen sie bereit sind, das Ergebnis eines solchen Beteiligungsverfahrens für sich selbst zu akzeptieren und
  • welche Grundhaltung sie zu solchen Beteiligungsverfahren haben.

Für Politik, öffentliche Verwaltungen und Unternehmen, die solche Bürgerbeteiligungsverfahren organisieren müssen, entscheidende Fragen!

Die aktuelle Untersuchung zeigt, dass

  • Bürgerinnen und Bürger andere Erwartungen an Partizipation haben, als sie von den heute gängigen Formate geliefert werden.
  • Damit trägt „mehr Bürgerbeteiligung“ nicht zwingend zu „mehr Akzeptanz“ bei – das ist aber ein erklärtes Ziel von „mehr Bürgerbeteiligung“!

Was wir daraus für Schlüsse ziehen, die vollständige Studie und unsere Diskussion der Ergebnisse finden Sie hier:

>> Zur Pressemitteilung

>> Zur Studie

Das Büro Hitschfeld im Gespräch mit Christian Buser_Leiter Asset Development EW Zürich

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Dr. Christian Buser/Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ)

Name: Christian Buser
Alter: 42
Wohnort: Nussbaumen, Schweiz
Beruf: dipl. Geograph, Dr. sc. ETHZ
Tätigkeit: Leiter Asset Development, Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ)
Hobbys: Skitouren, Klettern, Outdoor, Lesen

 …Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst wird, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Ich glaube kaum. Als Projektentwickler müssen wir akzeptieren, dass die Bürgerbeteiligung in der heutigen Gesellschaft ein fixer Bestandteil eines Infrastrukturprojektes ist. Insbesondere in der kleinräumigen Schweiz gibt es wohl immer eine Gruppe bzw. ein spezieller Lebensraum der direkt betroffen ist und adäquat berücksichtigt werden muss. Das NIMBY-Phänomen scheint hier ganz ausgeprägt zu sein.

… Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Da ist sicherlich etwas dran. Eine sehr einfache gehaltene Partizipation ist wohl zu fadenscheinig und lässt stark auf eine nicht ernstgemeinte Pflichtübung schließen. Dennoch habe ich den Eindruck, dass die Partizipationsmodelle oftmals zu umfangreich und zu komplex sind und der Kern der Sache – eine für alle tragbare Lösung – aus dem eigentlichen Blickfeld gerät.

… Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Ich denke es liegt an der heutigen Gesellschaft, bei welcher die individuellen Freiheiten einen sehr hohen Schwellenwert haben. Infrastrukturprojekte hingegen stehen oftmals für eine gewisse Einschränkung des Spielraums jeden einzelnes und für ein Miteinander zur Optimierung des Nutzens aller und nicht Maximierung des Nutzens eines einzelnen. Dies scheint schmerzhaft zu sein und löst Abwehrreflexe aus.

… Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Die Kosten sind die eine Seite, die zwar schmerzhaft aber verkraftbar ist. Problematischer hingegen sind der Zeitverlust und die Blockade, teils über Jahre hinweg. rwz plant nun schon seit fast 10 Jahren (!) einen 30 MW-Windpark in der Westschweiz. Um die Ziele Windenergie der Schweizer Energiestrategie 2050 zu erreichen, müssten jedoch 60 vergleichbare Parks realisiert werden. Eine Zielerreichung innerhalb des angestrebten Zeitraums scheint somit als unrealistisch.

… Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn sich ein Projekt so realisieren lässt, dass Projektant und Betroffene auch in Zukunft fair und korrekt miteinander umgehen können und es zu keiner Spaltung im Kreise der Betroffenen kommt.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Durchaus. Eine generelle Zufriedenheit im beruflichen und persönlichen Umfeld gibt einem wesentlich mehr Energie, als die kurzen, intensiven Erfolgserlebnisse. Ein schönes Beispiel hierzu sind Skitouren. Es ist toll, im tiefsten Winter auf einem Verschneiten Gipfel zu stehen und ein herrliches Panorama zu bewundern. Ebenso so viel Energie gibt einem aber auch der Aufstieg in einem gleichmäßigen Rhythmus, während man ganz nahe an der Natur ist und seinen Gedanken und Ideen nachhängen kann.

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Experte im Bereich der Trinkwasserversorgung und -logistik im Einsatz für eine internationale Organisation wie etwa dem IKRK.

Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Segeln, wobei die Schweiz ja nicht wirklich eine ausgeprägte Segelnation ist.

20181109 Büro Hitschfeld PM_Haben wir zu viel Partizipation in Deutschland

BNetzA-Absage: Haben wir zu viel Partizipation in Deutschland?

09.11.2018

Pressemitteilung 08/2018

BNetzA-Absage: Haben wir zu viel Partizipation in Deutschland?

Die Bundesnetzagentur hat ihren in Erfurt geplanten Informationstag „Netzausbau und Mensch“ wegen zu geringen Interesses absagen müssen. Liegt das geringe Interesse an einem ungeschickt ausgewählten Termin oder gibt es tiefer liegende Ursachen – wie unsere Studie „Überforderung durch viel Beteiligung?“ zeigt?

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Küchentisch-Tour in Leipzig: Was bleibt über den Tag hinaus?

Duligs Küchentisch-Tour in Leipzig: Was bleibt über den Tag hinaus?

Am Donnerstagabend machte das Bürgergesprächsformat „Küchentisch-Tour“ von Sachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr Martin Dulig Station im Leipziger Stadtteilzentrum Anker. Mit von der Partie war mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz ein weiterer prominenter Gast. Unterstützt von Daniela Kolbe stellten sich beide Politiker den Aussagen und Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Die Gespräche wurden im Fragen-Antworten-Modus nach einem festen Regelkatalog und routiniert geführt. Was bleibt jedoch über den Tag dieser mittlerweile gut eingeführten Veranstaltung hinaus? Sowohl bei den Gästen, als auch bei den Veranstaltern? Offen bleibt für Fragende, Zuhörer und Zuschauer, was Olaf Scholz und Martin Dulig aus den Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern mitnehmen. Welche in diesem Format vorgetragenen Themen fließen in ihre Arbeit ein – UND wie erfahren vor allem die Bürger davon? Mit diesen Fragen haben wir uns aus dem Abend verabschiedet.

Wenn aus Hoffnung Hass wird: Tourismus braucht Akzeptanz | Büro Hitschfeld

Wenn aus Hoffnung Hass wird: Tourismus braucht Akzeptanz

Wie aus herzlicher Gastfreundschaft schließlich Ablehnung und manchmal gar blanker Hass wird, lässt sich seit Jahren anschaulich an der Touristikbranche verfolgen. Seien es die Menschenmassen, die tagtäglich in den Häfen von Venedig, Dubrovnik und Barcelona ausgekippt werden, die lärmenden Après-Ski-Gäste Ischgls oder die Wohnraumdiebe von Berlin und London, jede Destination hat ihre spezifischen Probleme. Doch eines eint sie: Die Akzeptanz, die die Bewohner dem Tourismus entgegenbringen, sie sinkt – und das stetig.
Dabei hatte es einst so gut angefangen: Der Tourismus brachte Arbeitsplätze, verhalf mancherorts längst vergessene Traditionen wieder zu beleben und versprach Zukunft. Was einst so hoffnungsvoll begann, ruft jedoch heute heftige Bürgerproteste vor: Erst jüngst stellten sich vermummte Aktivisten in Barcelona einem Touristenbus in den Weg, zerstachen die Reifen und sprühten ihre Parolen an die Außenwände. Und Barcelona ist kein Einzelfall. Der Frust der Bürgerinnen und Bürger ist gewaltig. Der Massentourismus fordert seinen Tribut, nicht alle Reaktionen sind angemessen, viele sogar falsch, nachvollziehbar sind jedoch sie allemal.

Versäumnisse beim Akzeptanzmanagement haben ihren Preis

Viele Kommunen und Ferienregionen gestehen sich heute ein, die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber dem Tourismus zu selbstgefällig hingenommen zu haben. Dass Akzeptanz nicht nur errungen, sondern auch gesichert werden muss, haben sie nun schmerzlich gelernt: Viele Ferienregionen haben nicht nur einst in erheblichem Maße vom Tourismus profitiert, sondern tun es noch heute. Ohne den Tourismus gäbe es mancherorts nicht mehr als eine Hauptstraße. An eine funktionierende Infrastruktur oder Kulturinstitutionen – ohne den Tourismus wäre daran nicht zu denken, insbesondere im ländlichen Raum. Doch wie immer hat die Medaille zwei Seiten. Auf der einen Seite die durchaus positive Entwicklung vormals einfacher Regionen in touristische Hochburgen mit all den damit einhergehenden positiven ökonomischen Aspekten. Auf der anderen Seite die Konfrontation von Ortschaften und Gemeinden mit Tourismuszahlen und Übernachtungskapazitäten, die Orte verfremden und diese im Alltag der Einwohner oft kaum noch handhabbar machen.

Das Einbeziehen der Bürgerinnen und Bürger in die langfristige Gestaltung ihrer Lebens- und Arbeitsumwelten ist dabei in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen. Hier aber liegt ein Weg, der zwar nicht alle Verwerfungen, die der Tourismus auch mit sich bringen (kann), heilt, aber die Selbst- und Mitbestimmung fördert und fordert. Beteiligungs- und Partizipationsmodelle sollten auch in diesem Bereich dringend Einzug halten.