LVZ zu Gehältern kommunaler Führungskräfte | Büro Hitschfeld

LVZ zu Gehältern kommunaler Führungskräfte

Eine Polemik zur Berichterstattung der LVZ am 20.12.2017

Von Katharina Hitschfeld

Die LVZ im Raum Leipzig ist zweifellos meinungsbildend. Das hat viel mit der Medienvielfalt am Standort Leipzig zu tun. Aber natürlich auch mit den Themen und der Art, wie über sie berichtet wird. Die Berichterstattung und Kommentierung zu den Gehältern von Geschäftsführern kommunaler Unternehmen und anderer Spitzenbediensteten des öffentlichen Dienstes in Leipzig zeigt, wie die LVZ mit der daraus erwachsenden Verantwortung umgeht.

Für Nichtleser der Zeitung sei kurz erklärt: Die LVZ hat am 20.12.2017 ausführlich über die Höhe der Gehälter von Geschäftsführern, Intendanten und anderen Verantwortungsträgern kommunaler Einrichtungen berichtet. Sie stützt sich dabei auf eine einschlägige aktuelle Kienbaum-Studie. Außerdem hat der Stadtrat beschlossen, dass solche Gehälter offengelegt werden müssen. Die Betroffenen haben dem zugestimmt. Soweit, so gut.

Dennoch fallen mehrere Dinge an der Veröffentlichung auf:

Der Zeitpunkt: Muss das Thema wirklich in der Woche vor Weihnachten platziert werden, wenn die materiellen Beschränkungen von Leuten mit geringem Einkommen besonders auffällig und schmerzhaft sind?

Die Verhältnismäßigkeit: Um beurteilen zu können, ob die Bezüge angemessen, hoch oder niedrig sind, müsste dem ungeübten Leser doch sicher eine Beurteilungshilfe gegeben werden.  (Beispielsweise: Wieviel verdient ein Geschäftsführer in einem vergleichbaren Unternehmen in Ost und West?)

Gleiches Recht für alle: Wenn man eine solche Veröffentlichung macht, dann sollte die Zeitung keine Auswahl treffen, sondern die Bezüge von  ALLEN Personen drucken, die unter diese Transparenzregel fallen.  Warum fehlen z. B. die Messe, der Flughafen, u. a. m.?

Bei dieser Berichterstattung drängt sich der Verdacht auf, dass es der LVZ nicht um Transparenz oder ihren journalistischen Auftrag geht, sondern Auflage mit dem Thema „Ihr da oben – wir hier unten“! gemacht werden soll. Das ist nie legitim – in Zeiten politischer Verdrossenheit ist es fahrlässig!

 

Was heißt Smart Meter auf Deutsch? | Büro Hitschfeld

Was heißt Smart Meter auf Deutsch?

Rollout und intelligente Messsysteme sind weiten Teilen der Gesellschaft kein Begriff. Was heißt das für die Kommunikation der Energieversorger mit Endkunden? Das hat eine Studie untersucht.

Zum Artikel auf energiespektrum.de…

Expertentreffen Energiemetropole Leipzig

So geht Zukunft nicht

Wie wir über Digitalisierung reden... | Uwe Hitschfeld

Wie wir über Digitalisierung reden…

Anmerkungen zu einem Thema, das in aller Munde ist….

Digitalisierung ist in aller Munde. Keine Sonntagsrede, keine Wahlkampagne kommt ohne das Schlagwort aus. Bei den Jamaika–Sondierungsgesprächen war „Digitalisierung“ eines der wenigen Themenfelder, bei dem man sich wohl hätte schnell einig werden können und auch das Handelsblatt widmete dem Thema eine Wochenendausgabe (01.12.17).

Lässt man zunächst außen vor, dass zur Zeit wohl jeder eine eigene Auffassung davon hat, was unter „Digitalisierung“ denn konkret zu  verstehen ist und welche Auswirkung  auf das eigene Umfeld damit verbunden sein könnten, und schaut man sich die Entwicklung der Debatte mit einigem Abstand kritisch an, so fallen einige Aspekte ins Auge.

Wie so oft wird die Diskussion vor allen Dingen technik- und technologiegetrieben geführt. Wird über Digitalisierung diskutiert, rücken ihre Chancen in den Vordergrund, während das (mangelnde) Tempo, mit dem sich die Digitalisierung entwickelt, eifrig beklagt wird. Von allen Seiten werden Forderungen laut, die erforderliche Infrastruktur – nun endlich – auszubauen und das (Aus-)Bildungssystem entsprechend zu renovieren.

Wird über Digitalisierung diskutiert, werden Bilder von einer neuen Welt gemalt, die bunter, futuristischer und technischer kaum sein könnten. Freunde von Anglismen und Sprachpanscher haben hier ihre helle Freude und tummeln sich zahlreich und ungestraft im Dunstfeld der Digitalisierung.

Unwillkürlich erinnert man sich an die Art Diskussion, die am Anfang der Entwicklung zum Thema „Globalisierung“ geführt wurde, oder – wenn es eine Nummer kleiner sein darf – an die Debatte um die Abscheidung und Speicherung von CO2 bei Kohlekraftwerken (CCS-Technologie) bei uns in Deutschland.

Die Tatsache, dass viele Menschen solche Technologien eher als Bedrohung empfinden und der Welt, die sich nun vor ihnen auftut – vermeintlich schön, bunt, chancenreich und verheißungsvoll  – nicht bedingungslos entgegenfiebern, steht dabei eher hintenan.

Dabei sollten wir gelernt haben, dass der Erfolg und das Tempo solcher Entwicklungen, Veränderungen, Technologien und Projekte ganz wesentlich von ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz abhängt.

Der Einfluss der Digitalisierung auf nahezu alle Lebensbereiche wird zweifellos von vielen Menschen als Bedrohung ihres Lebensmodells empfunden. Und das nicht nur von Personen, die ihren Lebensunterhalt heute mit Tätigkeiten verdienen, die durch digitale Technologien wohl künftig nicht mehr von Menschen erledigt werden müssen.

Die Überlegungen in China, durch den Aufbau eines riesigen Bonus-/Malus-Punktsystems jeden einzelnen Bürger zu systemkonformem Verhalten zu zwingen, mögen sich wie eine irre Übersteigerung von Orwell oder der späten DDR lesen (FAZ vom 23.11.17).

Aber die Macht der Daten, die sich schon heute bei Riesen wie Facebook, Alibaba oder Google konzentriert, lässt solche Ideen zumindest als realistisches Gedankenspiel erscheinen. Eine Entwicklung, die nicht ohne Grund bei vielen Menschen Sorge auslöst.

Um die Digitalisierung zu einer Erfolgsgeschichte zu machen, bedarf es des Zusammenwirkens vieler Faktoren. Einer davon ist, möglichst rasch viele Menschen zu befähigen, sich in einer zunehmend digitalisierten Welt souverän bewegen zu können.

Gesellschaft und Digitalisierung: Eine Geschichte der Spaltung

Ein anderer sind Rahmensetzungen und Regularien, die unerwünschte Entwicklungen vermeiden helfen.

Eine zentrale Funktion wird – nicht überraschend in unserer heutigen Mediengesellschaft  – die Kommunikation einnehmen.

Dabei müssen die fundamentalen Unterschiede in der Beziehung der Bürgerinnen und Bürger zur Internetwelt besser als bisher berücksichtigt werden: Für eine Gruppe, die sogenannten „Digital Natives“, ist das Internet die Welt, in die sie hineingeboren wurde und in der sie – zumindest teilweise – „lebt“.

Für eine andere Gruppe ist es ein wichtiges Instrument zur Bewältigung von Aufgaben in Beruf und Alltag. Die Funktionen hat man – mit mehr oder weniger Mühe – erlernt und vervollkommnet, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben.

Und für eine große, nicht zu vernachlässigende, Zahl von Bürgerinnen und Bürgern, sind das Internet und die digitale Gesellschaft ein Buch mit sieben Siegeln, eine inzwischen immer höher werdende Barriere zur Welt um sie herum.

Damit Digitalisierung zur Erfolgsgeschichte wird

Erfolgreiche Kommunikation muss an diesen sehr unterschiedlichen Ausgangspositionen ansetzen. So wie die Digitalisierung die ganze Gesellschaft verändern wird, muss die Kommunikation zur Digitalisierung auch möglichst die ganze Gesellschaft erreichen.

Die Kommunikationsstrategie zur „Digitalisierung“ erfordert – insbesondere bei den Treibern der Entwicklung – ein gewisses Maß an Verständlichkeit, Widerspruchsfreiheit in der Argumentation, einen verantwortlichen Umgang mit vorhandenen Vorbehalten und Ängsten.

Wer „Digitalisierung“ erfolgreich kommunizieren möchte, der macht das zum Beispiel durch den sorgfältigen Einsatz von Sprache und hegt darüber hinaus den Anspruch, die Kommunikation nicht in einen Strang für „Fans und Leistungsträger“ und einen für „Skeptiker und Abgehängte“ aufzuspalten.

Alles Dinge, die in der heutigen Digitalisierungsdebatte noch zu oft unbeachtet bleiben.

Neue Hitschfeld-Studie zu Akzeptanz von Smart Meter

Nur 34 Prozent der Befragten haben von dem Thema Smart Meter schon einmal gehört. Obwohl Fachleute in der Vergangenheit viel darüber gearbeitet und gesprochen haben…

Zum Artikel des Digital Energy Journal…

Wie zuverlässig sind Wahlprognosen?

Wie zuverlässig sind Wahlprognosen?

von Christoph Eichenseer und Uwe Hitschfeld

Warum interessiert uns das?

Für das Büro Hitschfeld gehört Meinungsforschung zum täglichen Handwerkszeug bei der Betreuung akzeptanzkritischer Projekte. Mit qualitativer Meinungsforschung verschaffen wir uns z. B. Eindrücke über grundlegende Motiv- und Wertemuster bei projektrelevanten Stakeholdern und sammeln Informationen über Kommunikationsstrukturen.

Repräsentative Forschung liefert „hochrechenbare Zahlen“ – auch für Teilgruppen, z. B. zu Meinungen, Einstellungen und Images, die auch regional und zeitlich vergleichbar sind.

Die wichtigsten Erkenntnisse gewinnen wir durch die Verknüpfung beider Forschungsansätze.

Die Öffentlichkeit kennt die repräsentative Forschung insbesondere durch die allgegenwärtige Wahlforschung der Fernsehsender und ist deshalb den Umgang mit solchen Informationen gewohnt.

Für den Praktiker bieten diese Daten und deren Interpretation einen guten „kognitiven Anknüpfungspunkt“ als Einstieg in die Debatte von Forschungsergebnissen.

Es ist deshalb für uns notwendig, die Weiterentwicklung der verschiedenen Forschungsmethoden und konzeptionellen Ansätze zu beobachten und in unseren Projekten nachzuvollziehen, um auf der Höhe der Zeit zu sein. Eine Arbeit, die von unseren Kunden oft gar nicht bemerkt und – zu Recht – vorausgesetzt wird.

Benchmark: die Bundestagswahl

Ein Ereignis, dem sich keines der großen Forschungsinstitute entziehen kann, ist die Bundestagswahl. Damit ist eine Bundestagswahl der Härtetest für alle Institute, die vor der Wahl Daten veröffentlicht haben (s. auch unseren Beitrag vom 29. August 2017).

Welcher Ansatz, welches Institut liefert also das beste Ergebnis?

Ergebnis der Bundeswahlen 2017

Schauen wir uns die TOP 3* an:

Mit identischen Werten belegen die beiden Institute „Infratest dimap“ und „Forschungsgruppe Wahlen“ zusammen den zweiten Platz. Dieses positive Ergebnis wundert uns nicht, da beide Institute seit Jahren für die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten arbeiten (Infratest dimap = ARD / Forschungsgruppe Wahlen = ZDF) und damit über langjährige Erfahrungen und auch über sicher nicht zu knappe Budgets verfügen.
„Sieger“ in unserem Contest ist das Institut „INSA“, was aus mehreren Gründen eine Überraschung darstellt. Zum einen gehört INSA nicht zu den großen, bekannten und traditionsreichen Namen der Branche. Vor allem aber wurden die Daten, im Gegensatz zu den anderen Instituten, bei denen meist das Telefon Mittel der Wahl ist, online abgefragt. Lange Zeit galt diese Art als methodisch weniger seriös und hat (hatte?) den Ruf, wichtige Bevölkerungsgruppen zu wenig oder zu stark zu berücksichtigen und damit weniger „repräsentativ“ zu sein. Doch: „The times they are a changin“. Die Daten zur Bundestagswahl sind ein deutlicher Fingerzeig, dass Onlinebefragungen (die auch das Büro Hitschfeld, neben telefonischen und schriftlichen Befragungen, nutzt) den Wettbewerb um die besten Ergebnisse nicht zu scheuen braucht.

Wie zuverlässig sind Wahlprognosen: Fazit

Forschung hat in unserer komplizierten und komplexen Welt einen großen Stellenwert. Sie dient als Mittel, die Welt besser verstehen zu können, und als wichtige Grundlage für Entscheidungen von – oft – großer Tragweite.

Deshalb müssen die Instrumente – gerade der repräsentativen Meinungsforschung – die sich verändernden Lebenswelten abbilden können, ohne klassische Aspekte zu vernachlässigen.

Ein Forschungsdesign muss deshalb Telefoninterviews unter Berücksichtigung von Festnetz- und Mobilnummern ebenso berücksichtigen, wie Onlinebefragungen.

Damit stehen Meinungsforscher vor ähnlichen Herausforderungen wie nach der Wiedervereinigung 1989/1990, als die geringe Zahl und ungleiche Verteilung der Telefonanschlüsse in Ostdeutschland das eingeübte Markforschungsdesign herausforderte.


*) Wie haben wir verglichen? Perfekt wären Vorhersagen, die genau dem Wahlergebnis entsprechen würden und bei dem es deshalb 0 % Differenz zwischen „Vorhersage“ und Wahlergebnis gäbe. Wir haben deshalb für jedes Institut nachgerechnet, wie groß – je Partei – der „Gap“ zwischen Vorhersage und amtlichem Ergebnis ist. Die Werte aller Parteien plus sonstige aufaddiert ergibt dann die Summe der Abweichungen. Je niedriger der Wert, umso besser.

Stakeholdermanagement mit dem Tool StakeX

Digitalisiertes Stakeholdermanagement StakeX

StakeX ist unser „jüngstes Baby“. Gemeinsam mit unseren langjährigen Kollegen und Partnern vom TeamQ, Mannheim, haben wir in den letzten Monaten die Frage, wie man in heutigen Zeiten effizient und erfolgreich Beziehungsmanagement betreiben muss, diskutiert und neu aufgesetzt. Unsere Erfahrungen, die wir bei der Bearbeitung ganz unterschiedlicher,  akzeptanzkritischer Projekte gesammelt haben, sind dabei wertvoll. Bisher haben wir unsere Betrachtungsweise vorwiegend auf eine sehr personenbezogene Arbeit mit „Stakeholdern“ und „Influencern“ konzentriert. Nunmehr können wir unsere Arbeit um die Analyse und Darstellung der kommunikativen Netzwerke ergänzen, in denen die relevante Personen und Personengruppen unterwegs sind.

Dies ermöglicht nicht nur eine neue Qualität bei der Analyse der relevanten Stakeholderbeziehungen, sondern auch eine sehr präzise, strategische Planung des Kommunikations- und Beziehungsmanagements auf einem – auch inhaltlich – neuen Niveau.

Die ersten Pilotprojekte liegen hinter uns und wir freuen uns über das große Interesse, auf das wir mit „StakeX“ im Markt treffen.

Gern erläutern wir Ihnen  und Ihrem Team das Konzept von „StakeX“ und die Möglichkeiten, die sich durch die Arbeit mit „StakeX“ für Ihr Stakeholdermanagment und Kommunikationsverhalten ergeben. Bitte sprechen Sie uns an!

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Michael M. Theis/Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH (KWL)

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Michael M. Theis/Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH (KWL)

Name: Michael M. Theis

Wohnort: Leipzig

Beruf: Rechtsanwalt

Tätigkeit: kaufmännischer Geschäftsführer Leipziger Wasserwerke

…Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst werden, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

„Ich glaube das nicht. Die Zeiten, in denen Vorhabenträger mit ihrem Fachpersonal, mit Kenntnis und Erfahrung allein Projekte umsetzen konnten sind vorbei. Der Grad an Informiertheit, die Bereitschaft, sich eine Meinung zu bilden, sich zu vernetzen sind ungleich höher geworden. Das ist Chance und Risiko zugleich. Dieser Entwicklung müssen sich Unternehmen per sé stellen. Bei Unternehmen der öffentlichen Hand und als Versorger einer Region hat man zusätzlich besondere Verantwortung gegenüber der Bürgerschaft.“

…Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Die Gefahr besteht, wenn „Bürgerbeteiligung“ zum reinen Label verkommt. Wenn sie nicht ernst gemeint sondern nur als ein Baustein, den es abzuarbeiten gilt, begriffen wird.

Wir unterscheiden sehr genau zwischen Informationsangeboten zu unseren Vorhaben einerseits und zwischen Projekten, zu denen es wichtig ist, frühzeitig im Sinne einer wirklichen Beteiligung einzubinden. Dabei wollen wir niemandem ein X für ein U vormachen. Unser Handlungsrahmen ist durch gesetzliche und technische Vorgaben klar definiert. Das muss gewußt sein, bestimmt dieser Kontext doch immer den Grad an Freiheit und Machbarkeit aller Beteiligungsmaßnahmen und Angebote, die wir unterbreiten können. Prinzipiell heißt es für uns , sensibel zu sein für unterschiedliche Sichtweisen, Interessen und auch Befindlichkeiten

…Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Es kann schwierig sein, muss es aber nicht. Die Akzeptanz dafür, dass es unterschiedliche Sichtweisen gibt, hilft. Der Blickwinkel und die Meinung des Gegenüber muss auch mal ausgehalten werden können. Daraus keinen Angriff auf die eigene Persönlichkeit abzuleiten, ist manchmal schwierig und auch anspruchsvoll. Die wenigsten von uns sind dafür ausgebildet.

Da lernen wir alle miteinander. Den gesellschaftlichen Trend zur schnellen Meinung kombiniert mit einem rauer werdenden Umgangston können wir nur durch eigenen hohen Anspruch konterkarieren.

…Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?     

Richtig, die Frage, ob wir uns den eigenen hohen Anspruch auch leisten wollen und leisten können ist eine berechtigte. Wir arbeiten ja schließlich mit dem Geld der Leipziger Bürger. Und am Ende werden wir neben der Versorgungssicherheit natürlich auch am ökonomischen Ergebnis gemessen. Daher weiß ich, dass gute Kommunikation kostet und sich langfristig rechnet. Jeder eingesparte Prozess spart Geld, Zeit und die Nerven unserer Mitarbeiter. Natürlich sind alle Aufwendungen immer im Kontext des Vorhabens zu sehen. Nicht für jede Sanierung, nicht für jede Maßnahme müssen wir das große Besteck der Beteiligung bereit legen. Auch hier gilt ein gesundes Augenmaß.

…Und wann ist man erfolgreich?  Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn es uns gelingt, das Bewusstsein dafür zu schärfen, welche großen Herausforderungen im Bereich der Wasserver- und –entsorgung durch Klimawandel, Verdichtung der Stadtlandschaft, wachsende Bevölkerungszahlen etc. vor uns liegen. Wenn wir über die beste Lösung für diese Aufgaben streiten und das Gehör nicht nur den lauten und aggressiven Stimmen gehört.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen: Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Erfolg und Zufriedenheit sind sicherlich eng miteinander verbunden. Ich bin aber überzeugt, dass Zufriedenheit mehr eine Frage der Einstellung als des beruflichen Erfolges ist. Zufrieden kann ich daher auch sein, wenn ich alles getan habe, um eine Sache ein Projekt erfolgreich zu gestalten und das Ergebnis dann doch anders ausfällt, als geplant 

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Nachdem ich Rechtsanwalt bin, als Banker gearbeitet und lange Jahre mittelständische Unternehmen in Finanzierungsfragen beraten habe, kann ich heute mit Fug und Recht sagen: ich bin beruflich angekommen, weil ich für ein sinnstiftendes, nachhaltiges und zukunftsorientiertes Unternehmen der Daseinsvorsorge arbeiten darf.

Welches Hobby hätten Sie gern (das Sie heute nicht ausüben)? 

Ich hätte gerne ein musisches Talent, um zum Beispiel Saxophon spielen zu können.

Herr Theis, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Dr. Monika Friedrich | Büro Hitschfeld

Das Büro Hitschfeld stellt sich vor | Dr. Monika Friedrich

Das Team Hitschfeld kennen Sie mit Bild und Wort von unserer Über-uns-Seite.  Wir möchten hier zu einem zusätzlichen Blick auf die Menschen, die unser Büro ausmachen, einladen. Heute Dr. Monika Friedrich.

Dr. Monika FriedrichFrau Dr. Monika Friedrich, Leiterin Recherche und Monitoring, ist im Büro für alle Dinge zuständig, die einer tieferen Recherche bedürfen. Als Goldgräberin der Daten ist sie es gewohnt, tief zu schürfen.

Themen, Entwicklungen, Meinungsverläufe und Akteure werden dank ihrer Arbeit sichtbar und bilden damit einen wichtigen Baustein für unser Analysetool. Die Suche nach Daten und Informationen und deren Aufbereitung  ist häufig eine stille und manchmal einsame Arbeit. Gut, dass es dazu auch einen Gegenpol gibt.

Informationsveranstaltungen und Beteiligungsformate werden von ihr nicht nur vorbereitet, sondern auch durchgeführt und begleitet. Mit ihrer zugewandten, liebenswerten und interessierten Art, fängt sie auch das aufbrausendste  Naturell und den engagierten Kritiker seriös und charmant auf. Im Umgang mit Kunden, Bürgern und Beteiligten ist sie eine erfahrene  Frau, die jedoch keine Routine zulässt. Jedes Vorhaben ist neu, individuell und wird von ihr je nach Bedarf neu durchdacht.

Die Kümmerin steckt ihr im Blut und davon profitieren wir KollegInnen ganz unmittelbar: wir werden immer wieder bekocht. Als promovierte  Arabistin hat sie uns die Vorzüge der arabischen Küche näher gebracht – „seafood chowder“ lieben wir trotz alle am meisten.

Die schweigende Mehrheit zum Sprechen bringen – aber wie | Büro Hitschfeld

Die schweigende Mehrheit zum Sprechen bringen – aber wie?

Diskussion verschiedener methodischer Ansätze

Christoph Eichenseer und Uwe Hitschfeld

Was empfinden Bürgerinnen und Bürger als „erfolgreiche“ Bürgerbeteiligung? Eine Frage, die Vorhabenträger, Behörden und Politik umtreiben muss, wenn es um die Legitimität von Projekten geht, die durch die Beteiligung der Bevölkerung an Meinungsbildungs- und Entscheidungsfindungsprozessen gestärkt werden soll.

Es geht also nicht in erster Linie um die, in den einschlägigen Regelwerken beschriebene und verpflichtend festgelegte „formale Bürgerbeteiligung“, sondern um all die sogenannten „freiwilligen“, „vorgezogenen“ und ergänzenden Formate, mit denen Bürgerinnen und Bürger oft vor den formalen Beteiligungsformaten angesprochen werden sollen.

Im Rahmen eines unserer letzten Forschungsprojekte (Quelle: „Bürgerschaftliches Engagement. Wann gilt Bürgerbeteiligung als erfolgreich?“ 9/2016) haben wir in einer deutschlandweit repräsentativen Untersuchung nachgewiesen, dass über die Hälfte (60 %) der Befragten Bürgerbeteiligung dann für erfolgreich halten, wenn möglichst viele BürgerInnen von den Beteiligungs- und Informationsmöglichkeiten tatsächlich Gebrauch gemacht haben.

40 % der Befragten finden, dass das Kriterium für den „Erfolg der Bürgerbeteiligung“ die vorhandene Möglichkeit ist, sich zu informieren und zu beteiligen.

Stimmen zur Frage der Bürgerbeteiligung

Da es keine Verpflichtung zur Beteiligung an angebotenen Partizipationsformaten gibt und unser System ohnehin auf die Artikulation von Einwänden, nicht von Zustimmung zu einem Vorhaben ausgerichtet ist, stehen die Akteure, die Partizipation organisieren und durchführen, vor einem Problem.

Als Lösung dafür gibt es verschiedene konzeptionelle Ansätze. Allen gemeinsam ist der Versuch, die „schweigende Mehrheit“,  also auch diejenigen, die sich gewöhnlich nicht beteiligen, „zum Sprechen zu bringen“.

„Zufallsbürger“ oder „begleitende Meinungsforschung“?

Aufmerksamkeit hat der Einsatz der sogenannten „Zufallsbürger“ gefunden. Dieser Ansatz wurde und wird bei verschiedenen Projekten in Baden–Württemberg und auch im Rahmen der Endlagersuche für radioaktiven Abfall („Endlagersuche“) angewendet.

Das Büro Hitschfeld empfiehlt hingegen, Partizipationsformate durch repräsentative Meinungsforschung zu flankieren.

Was spricht für, was gegen diese Ansätze?

Zufallsbürger

werden nach einem aufwändigen statistischen Verfahren ermittelt und angesprochen. Sie werden eingeladen, sich über das Projekt informieren zu lassen und dann beschriebene Aufgaben unter Anleitung zu bearbeiten bzw. ihre Meinung zu definierten Sachverhalten zu äußern.

Vorteile dieses Verfahrens:

+ Qualitative Fragestellungen können bearbeitet werden.

+ (begrenzte) Möglichkeit, die „schweigende Mehrheit“ zu Wort kommen zu lassen

+ begrenzter Aufwand

Nachteile dieses Verfahrens:

+ Trotz repräsentativer Auswahl: Die Teilnehmer können/müssen sich „im öffentlichen Raum“ artikulieren. Dadurch nehmen auch hier tendenziell wieder diejenigen teil, die die Öffentlichkeit nicht scheuen – und weniger die avisierte „schweigende Mehrheit“.

+ Auch auf Grund der (üblichen) Teilnehmerzahl (meist im niedrigen zweistelligen Bereich) werden keine repräsentativen Daten erhoben.

Repräsentative Meinungsforschung

Hier werden „Umfragen“ (meist telefonisch oder online) in einem definierten Projektraum durchgeführt.

Es steht das ganze Instrumentarium der empirischen Sozialforschung zur Verfügung, mit dem Daten zu Bekanntheit, Einstellungen und Images erhoben werden können.

Vorteile dieses Verfahrens:

+ Der Output sind repräsentative (hochrechenbare) Daten.

+ Die „schweigende Mehrheit“ kommt – wesentlich leichter – zu Wort, da sie jederzeit anonym bleibt.

+ Das Instrument ist leicht in die eigentliche „Projekt-Facharbeit“ zu integrieren und kann beliebig oft fortgeschrieben bzw. wiederholt werden.

+ Die Öffentlichkeit ist mit dem Instrument der repräsentativen Meinungsforschung vertraut, kann es einordnen und werten.

Nachteile dieses Verfahrens:

+ tendenziell höhere Kosten als beim „Zufallsbürger“

+ Qualitative Ansätze sind nur begrenzt umsetzbar.

Fazit

Sowohl das Instrument „Zufallsbürger“ als auch die „flankierende Meinungsforschung“ sind geeignet, die Legitimität von Partizipationsformaten bei akzeptanzkritischen Projekten zu verbessern.

Auch in diesem Fall sollte die inhaltliche, regionale, temporäre und formale Spezifik des jeweiligen Projektes ausschlaggebend für das einzusetzende Instrument sein.

Nach unserer Einschätzung sprechen die Flexibilität des Einsatzes und die bessere Verwertungsmöglichkeit der (Teil-)Ergebnisse in der Projektkommunikation meist für den Einsatz der flankierenden Meinungsforschung.

Wir bieten unseren Kunden an, durch gründliche Betrachtung der Projektsituation das jeweils sinnvollste Instrument zu finden und einzusetzen.