Büro Hitschfeld_Zeichen stehen auf wirtschaftlich gesund: FFV-Kuratorium des Zoo Leipzig mustern Zahlen und Elefantennachwuchs

Zeichen stehen auf „wirtschaftlich gesund“: Kuratoriumssitzung des FFV Zoo Leipzig

Manche hätten die Kuratoriumssitzung des Freundes- und Fördervereins Zoo Leipzig e. V. (FFV) am liebsten gleich ins Gehege des kleinen Elefantenbullen Bền Lòng verlegt. Dass die Kuratoren des FFV am 23. Juni 2019 dennoch das Verwaltungsgebäude aufsuchten, um dort die Präsentation der Ist- und Planzahlen des Zoos Leipzig durch den kaufmännischen Direktor zu verfolgen, ist nicht zuletzt auf tierpflegerischen Stolz und kaufmännische Professionalität zurückzuführen. Im Ergebnis stand fest: Der junge rüsselbewehrte Besuchermagnet wächst nicht nur in einem liebevollen, sondern auch wirtschaftlich gesunden Umfeld auf. Nach Abschluss der Sitzung belohnten sich die Kuratoriumsmitglieder gemeinsam mit vielen entzückten Zoobesuchern mit einem Blick auf das mittlerweile 173 kg schwere Kalb.

Katharina Hitschfeld ist seit mehreren Jahren Mitglied des FFV-Kuratoriums. Bei den Kuratoren handelt es sich um Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur, die die Vereinstätigkeit kaufmännisch begleiten und als überregionale Botschafter des Zoo Leipzig wirken.

Büro Hitschfeld/Dr. Monika Friedrich_ Kommunikation zur Endlagersuche

Kommunikation zur Endlagersuche – Gefangen im Planungsparadoxon?

Anmerkungen zur Infoveranstaltung „Endlager gesucht“ am 13. Juni 2019 in Potsdam

Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) ist im Verfahren zur Findung eines Standorts für ein atomares Endlager in Deutschland bis 2031 auch für die Öffentlichkeitsbeteiligung zuständig. Das Verfahren soll transparent und ergebnisoffen ablaufen. Es gilt, damit das Vertrauen der Bevölkerung (wieder) zu gewinnen und ein stabiles Fundament für Kommunikation und Partizipation für dieses langlaufende Projekt aufzubauen. Mit einer im Frühjahr gestarteten Informationsoffensive in allen Hauptstädten der Länder will das BfE über den Stand des Verfahrens und das weitere Vorgehen informieren und damit einen Beitrag zum Aufbau von Akzeptanz leisten.

Dies setzt voraus, dass das Angebot auch von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Allein: Der Einladung in den etwas versteckt gelegenen Veranstaltungsraum in der brandenburgischen Hauptstadt Potsdam waren nur knapp 40 Interessenten gefolgt, die sich selbst in der Mehrheit als Experten zum Thema (Wissenschaftler, BI, NGO) und nicht als „normale“ Bürger sahen.
Kann mit einem solchen Veranstaltungsformat dann das eigentliche Ziel erreicht werden?

Wer sich mit der „Einbeziehung von Bürgerinnen und Bürgern in Meinungsbildungs- und Entscheidungsfindungsprozesse“, d. h. mit Partizipation, konzeptionell und praktisch befasst, dem ist das s. g. Planungsparadox vertraut. Es beschreibt, dass das Interesse an einem Projekt zu dem Zeitpunkt, an dem es die größten Möglichkeiten der Einflussnahme auf ebendieses Projekt gibt, am geringsten ist. In der weiteren Fortentwicklung des Projektes steigt das Interesse, die Möglichkeiten, darauf Einfluss zu nehmen, sinken aber.

Will man Partizipation für ein Projekt steuern, so kann man diesen Effekt in Abhängigkeit von den eigenen Projektzielen nutzen. Informations- und Partizipationsangebote in einem frühen Projektstadium erreichen ein kleines Publikum. Wem dies nicht genug ist, der muss mit geeigneten Instrumenten der Partizipationssteuerung gegenhalten. Oder er tut dies eben nicht.

Für das „Generationenprojekt Endlager“ kommt es nicht nur darauf an, Fachleute und Aktivisten im „kommunikativen Blick“ zu haben. Vielmehr muss es Schritt für Schritt gelingen, das gesellschaftliche Klima so zu verändern, dass die Suche nach einem Endlager in (relativer) Ruhe und Sachlichkeit, mit einem Mindestmaß von gesellschaftlichem Vertrauen erfolgen kann. Dazu muss die Informations- und Partizipationsstrategie des BfE (auch) die Bürger im Fokus haben, die die zum jetzigen Zeitpunkt angebotenen Veranstaltungen eben nicht besuchen und dennoch Einfluss auf die Meinungsbildung haben. Dies ist durch qualifizierte Partizipationssteuerung möglich.

Gelingt dies nicht, ist man im Planungsparadox gefangen.

Büro Hitschfeld_Lunch club mit Bauhaus im Doppelpack

Lunch club mit Bauhaus im Doppelpack

Monika Friedrich: Instrumente der Projektkommunikation im praktischen Einsatz

Instrumente der Projektkommunikation im praktischen Einsatz

Die Bedeutung von face-to-face-Formaten bei der Kommunikation für akzeptanzkritische Infrastrukturprojekte

Auch wenn gelegentlich ein anderer Eindruck erweckt und durch die Beobachtung der heranwachsenden Generation am eigenen Familientisch scheinbar bestätigt wird: Kommunikation spielt sich auch heute nicht ausschließlich im Internet ab.

Die Frage, welchen Raum analoge und digitale, internetbasierte und klassische Formate und Instrumente bei der Zusammenstellung des Kommunikationsmix, (d.h. Kommunikation und Partizipation) einnehmen sollen, muss deshalb projektspezifisch immer neu bedacht werden.

Dabei ist die spätere, tatsächliche Inanspruchnahme des angebotenen Instrumentenmix nicht der entscheidende Parameter für seine Wirksamkeit. Der leichte Zugang zu einem breiten Mix an Informationen und Dialogangeboten unterstreicht Transparenz und Dialogbereitschaft des Anbieters. Er ist zentraler Einflussfaktor für eine zeitgemäße Positionierung von Projekt und Projektträger – auch gegenüber Medien, Behörden und anderen, relevanten Stakeholdern.

Bei den akzeptanzkritischen Infrastruktur-Projekten, die das Büro Hitschfeld begleitet, sind nach wie vor die face-to-face-Formate ein unverzichtbarer Bestandteil im Instrumentenmix. Beispiel dafür ist der Einsatz eines Infomobils („Amprion auf Infotour zwischen Süd-Baden und Südpfalz“), mit dem direkte Kommunikation mit BürgerInnen im Projektraum, an ausgewählten Hotspots und „in der Fläche“ möglich gemacht wird.

Zwar lassen sich mit dem umgebauten Wohnmobil an einem Tag mehrere Ziele anfahren – gleichwohl kann der zu treibende Aufwand durchaus erheblich sein. Dennoch lohnt der Einsatz.

Gerade in ländlich geprägten Gegenden schafft der stundenweise Aufenthalt eines Infomobils eine sichtbare Präsenz vor Ort und ermöglicht – nicht zuletzt durch die oft ungezwungene, lockere Stimmung in und vor einem Infomobil – eine Kommunikation auf Augenhöhe. Unkompliziert werden Projektinformationen vermittelt, im persönlichen Gespräch vor Ort können gleichzeitig Hinweise und Vorschläge der BürgerInnen und Multiplikatoren aufgenommen werden.

Das Infomobil wird oft mit den aufwändigeren Bürgerinfomärkten bzw. -sprechstunden kombiniert, die an einem festen Ort und meist am späten Nachmittag/Abend durchgeführt werden. Das Infomobil ist jedoch mehr als eine Möglichkeit zur Projektinformation und Partizipation. Es ist ein wichtiges Instrument, um generell als Vorhabenträger Präsenz vor Ort zu zeigen und den Bürgern auf Augenhöhe zu begegnen. Es bleibt damit ein wichtiger Bestandteil der Kommunikationsbilanz.

 

 

Büro Hitschfeld stellt sich vor: Ruth Justen | Stefan Hoyer

Das Büro Hitschfeld stellt sich vor | Ruth Justen

Das Team Hitschfeld kennen Sie mit Bild und Wort von unserer Über-uns-Seite. Wir möchten hier zu einem zusätzlichen Blick auf die Menschen, die unser Büro ausmachen, einladen. Heute unser Leipziger Teammitglied Ruth Justen.

„Duschen, ohne nass zu werden.“ Wer träumt nicht davon? Doch in der Realität geht es vor allem darum, die Nässe gerecht zu verteilen, Gemeinschaft und Gerechtigkeit in einen möglichst großen Einklang zu bringen. Genau das macht für die freie Journalistin, Bloggerin und Social Media Managerin die Arbeit des Büros Hitschfeld aus, das sie seit 2017 als Texterin und Kommunikationsberaterin verstärkt.

Wie können wir unsere Infrastruktur in so lebenswichtigen Bereichen wie Energie und Wasserwirtschaft auf den jeweils erforderlichen neuesten Stand bringen, Bürger*innen bereits an der Planung beteiligen und gleichzeitig ihre persönlichen Belastungen möglichst geringhalten?

Auf diese Frage darf das Büro Hitschfeld immer wieder kreative Antworten zum Wohle der Gemeinschaft finden, unter anderem indem es verständliche Worte für komplexe Sachverhalte findet.

Unsere Spezialistin für diese Art der Übersetzungsleistung arbeitet seit Jahrzehnten – ob als Texterin und Social Media Managerin oder Pressesprecherin – für Unternehmen, Verlage und Institutionen. Wir freuen uns, sie an unserer Seite zu haben und an Bord zu wissen.

 

 

Uwe Hitschfeld: Viel hilft viel oder nicht – Über die Aktualität alter Sprichwörter

„Viel hilft viel“ – oder nicht?

Über die Aktualität alter Sprichwörter

Schafft eine stärkere Beteiligung der Bevölkerung an Meinungsbildungs- und Entscheidungsfindungsprozessen, bessere Information und mehr Transparenz ein Mehr an Akzeptanz? Führt mehr Akzeptanz zu einer Beschleunigung von Planungsverfahren? Und wenn man von all dem noch mehr machen würde – ginge es dann noch viel schneller?

In einer Studie für das Umweltbundesamt zur Evaluierung der Beschleunigung des Netzausbaus („Evaluierung des gestuften Planungs- und Genehmigungsverfahrens Stromnetzausbau im Hinblick auf seine Wirksamkeit für den Umweltschutz – juristisch, planerisch, technisch“), die wir mit Höch und Partner/Dortmund und SWECO/Bremen im September 2018 vorgelegt haben, spielte die Hoffnung, einen direkten Zusammenhang zwischen „mehr Partizipation“ und “mehr Tempo“ herstellen zu können, eine Rolle. Damit Sie nicht die ganze Studie lesen müssen: Wir haben keinen empirischen Zusammenhang nachgewiesen und sehen damit unsere Erfahrung aus vielen akzeptanzkritischen Projekten – nicht nur beim Ausbau der deutschen Stromnetze – bestätigt.

Partizipation, Projektinformation und ein dies zusammenfassendes, strategisch angelegtes Akzeptanzmanagement sind eben kein Mittel zum Zweck, das jeweilige Projekt durchgesetzt zu bekommen. Sie sind ein Wert an sich, eine Voraussetzung dafür, in einem Land wie Deutschland Projekte realisieren zu können. Sie sind eine Marktzugangsvoraussetzung, die Ausdruck einer gesellschaftlichen Norm ist, die sich in den letzten Jahren rasant herausgebildet hat.

Die Erwartung, dass man als Behörde, Politiker oder Projektträger für verstärkte Bemühungen in Sachen Partizipation und Kommunikation von Bürgerinnen und Bürgern quasi „belohnt“ werden müsse, ist falsch.

Ein rein quantitatives Mehr an Partizipation und Kommunikation führt auch deshalb in die Irre, weil es mit einem erheblichen Ressourcenverbrauch bei allen relevanten Akteuren, natürlich insbesondere bei den Behörden und Projektträgern, verbunden ist. Dies auch, weil das gesellschaftliche Bedürfnis nach mehr Partizipation nicht einhergeht mit einem mehr an Wissen über die – bereits heute – vorhandenen Möglichkeiten, sich zu informieren und seine Interessen in den üblichen Verfahren zur Geltung zu bringen.

Auch wenn es weniger spektakulär ist als immer neue Partizipationsverfahren und Informationsmöglichkeiten zu entwickeln – oder dies zu fordern –, scheinen verstärkte Anstrengungen, die Bürgerinnen und Bürger zu befähigen, die vorhandenen Möglichkeiten unseres Systems für sich zu nutzen, sinnvoller.

Und weil in diesen Tagen kein Newsletter ohne Verweis auf die politische Landschaft auskommt, sei hier eine Parallele gezogen: In den letzten Wochen und Monaten haben Spitzenpolitiker aller Parteien enorme Anstrengungen unternommen, um mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen (siehe auch den Artikel von Christoph Eichenseer und Katharina Hitschfeld „Die Europawahl: Drei Erkenntnisse aus unserem speziellen Blickwinkel“). Dies hat erhebliche Stimmenverluste von CDU und SPD nicht verhindert. Bedeutet dies jetzt: „Noch mehr Veranstaltungsformate – bis jeder, ob Kind oder Greis, einmal den Ministerpräsidenten oder den sächsischen Wirtschaftsminister persönlich gesprochen hat“? Und: Ist es denn mit einem Gespräch, mit einer Begegnung getan? Sichert erst die erneute Begegnung die ersehnte Wählerstimme? Sicher nicht.

Dass Politiker sich mehr um Dinge kümmern müssen, die den Bürgerinnen und Bürgern wichtig sind, soll hier nicht in Frage gestellt werden. Aber ob dies durch Aufbau von Parallelstrukturen (nichts anderes sind diese Begegnungsformate!) zu unserem demokratischen System geschehen muss, ist fraglich.

Sie stärken nicht die selbstbewusste, bürgerliche Gesellschaft, die um ihre Rechte und Möglichkeiten weiß und diese nutzt. Sie unterstützen die Erwartungshaltung an den Staat, die Obrigkeit, die – gerade in Ostdeutschland – als Quelle manchen Übels in der Gesellschaft beklagt wird. Es wäre deshalb von nachhaltigerem Nutzen, die Elemente unserer repräsentativen Demokratie zu stärken, die Abgeordneten und die Zivilgesellschaft zu unterstützen, als eine Parallelwelt zu errichten, die die Erwartungen, die in sie gesetzt werden, nicht erfüllen kann.

Ob man nun in immer mehr Partizipation bei Infrastrukturprojekten investiert oder glaubt, mit Gesprächsformaten kurzfristig Wählerstimmen gewinnen zu können: „gut gemeint“ ist eben oft das Gegenteil von „gut gemacht“.

 

Christoph Eichenseer und Katharina Hitschfeld: Die Europawahl - Drei Erkenntnisse aus unserem speziellen Blickwinkel

Europawahl: Drei Erkenntnisse aus unserem speziellen Blickwinkel

Die Europawahlen sind vorbei und es gibt die unterschiedlichsten Lesarten. Mann/Frau kann zum Beispiel die Ergebnisse durch die europäische Brille sehen (natürlich!) oder einen Blick aus der lokalen Perspektive darauf werfen. Wir wollen, unserer Profession entsprechend, einige Stichworte formulieren, was die Ergebnisse mit dem Thema „Akzeptanz + Partizipation“ zu tun haben.

Relevanz:

Man neigt dazu, Wahlergebnisse primär aus unserer persönlichen Perspektive zu interpretieren. Diese Perspektive ist dann oft parteipolitisch gefärbt oder vom lokalen Standpunkt beeinflusst. Eine sehr aufschlussreiche Größe gerät dabei leicht aus dem Blickfeld: die Wahlbeteiligung.

Erinnern Sie sich noch an die Zeiten, als nur die Sozialversicherungswahl weniger wichtig genommen wurde als die Europawahl? Vorbei! Die Wahlbeteiligung am 26.05. in Deutschland war die höchste seit 20 Jahren und ist im Vergleich zur letzten Wahl 2014 um über 13 Prozentpunkte gestiegen. Ein klares Zeichen, dass die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland Europa für „relevant“ halten – unabhängig davon, ob sie Euro-Befürworter oder -Skeptiker sind. Damit haben die EU-Wahlen ihren früher vielfach zugesprochenen Status als Experimentierwahl („ist ja nicht so wichtig“) hinter sich gelassen. Europa ist relevant – von den ganz großen (Flüchtlingspolitik…) bis zu vielen einfachen Fragen des täglichen Lebens, für die „Europa“ den Rahmen setzt. Diese Erkenntnis scheint bei den Deutschen angekommen zu sein und sie beziehen mit ihrem Stimmzettel Position.

Repräsentative und direkte Demokratie:

Rund 400 Millionen wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger waren in den 28 EU-Mitgliedsländern aufgerufen, das neunte Europaparlament zu bestimmen. Damit sind die Europawahlen ein „Highlight“ der repräsentativen Demokratie. Nur in Indien finden demokratische Wahlen mit mehr Stimmberechtigten statt. Gleichzeitig werden politische Grenzen deutlich. Neben der Fähigkeit und Möglichkeit zum Dissens, die ein wesentliches Kriterium einer Demokratie darstellen, bedarf es auch eines Minimalkonsenses, der einem heterogenen Gebilde wie der Europäischen Gemeinschaft zunehmend schwer fällt. Europa wird darum mehr denn je ringen müssen.

Wir sind uns allerdings sicher, dass die Diskussionen zu Formen der direkten Demokratie nach der Europa-Wahl wieder an Gewicht gewinnen wird. Weniger in Folge des Brexit-Referendums denn als logischer Gegenpol zum repräsentativen Modell „Europa“ wird die Forderung nach unmittelbaren Entscheidungswegen, insbesondere auf lokaler und regionaler Ebene, wieder Fahrt aufnehmen.

Gesprächsformate:

Der Politik wird häufig vorgeworfen, nicht nah genug am Volk, nicht nah genug am Wähler zu sein. Mit dieser Haltung wird dann die Enthaltung bei der Wahl und die Verweigerung der Stimme begründet.

Besonders ostdeutsche Politiker haben sich in den vergangenen Jahren mit enormem zeitlichen Aufwand direkt an ihre Mitbürger gewandt. In Sachsen bspw. tourt Wirtschaftsminister Martin Dulig mit seiner „Küchentischtour“ durch das Land, ist die Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping mit dem Format „Von Mensch Zu Mensch“ geradezu omnipräsent und auch der Ministerpräsident Michael Kretschmer hat mit dem „Sachsengespräch“ ein eigenes Gesprächsformat etabliert. Diese Veranstaltungen werden angenommen, sie sind gut besucht, sie werden auf allen analogen und digitalen Kanälen beworben – und sie werden offenbar nicht in Wahlstimmen goutiert. Weder die SPD noch die CDU haben vom teilweise enormen Aufwand ihrer herausragenden Akteure profitieren können.

Eine Ursachenforschung dazu existiert noch nicht. Annahmen jedoch können getroffen werden. Die Gesprächsformate haben Relevanz; diese ist nicht zuletzt an den guten Besuchszahlen messbar. Da diese Politiker jedoch durch die Region oder das Bundesland „touren“, werden sie von den Bürgern nur punktuell und lokal wahr- und in Anspruch genommen. Und so werden die Veranstaltungen als „gut gemeint“ besucht, sie finden aber keine Fortführung oder gar Verstetigung. Politik aber muss sich kümmern, sie muss vor Ort erlebbar sein, um dauerhaft Vertrauen und Wertschätzung zu generieren.

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Prof. Dr. Gesine Grande | Foto: Kirsten Nijhof

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Prof. Dr. Gesine Grande/HTWK Leipzig

Name: Gesine Grande

Alter: 55

Wohnort: Leipzig

Beruf: Rektorin der HTWK Leipzig

Hobbys: Italienisch lernen, Wandern durch die Alpen, Lesen, Kochen, …

…Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst wird, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Sicherlich nicht. Je komplexer die gesellschaftlichen Prozesse, die Herausforderungen in der Entwicklung von Städten und Regionen, die Konflikte zwischen verschiedenen Interessengruppen, ich denke gerade an die Zulassung der Elektroroller, desto mehr sind wir darauf angewiesen, dass die unterschiedlichen Interessen und Bedarfe verschiedener Bevölkerungsgruppen erstens geäußert und zweitens berücksichtigt werden. Wo diverse, aber relevante Interessen berücksichtigt werden, entstehen einerseits bessere Lösungen und andererseits mehr Akzeptanz, commitment, positive Bewertungen. Nachhaltigkeit braucht Beteiligung.

… Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Ich glaube, zu viel Beteiligung kann es gar nicht geben. Aber Ihre Frage klingt ein wenig so, als würden wir die Bevölkerung zu etwas zwingen, was uns einleuchtet, aber anderen Menschen (noch) nicht. So wie Eltern ihre Kinder gern am Haushalt beteiligen möchten, aber die wollen nicht beteiligt werden. Okay, das Beispiel ist schräg, aber es zeigt, dass wir vielleicht doch manchmal in Versuchung kommen, Beteiligung nicht als einen gleichberechtigten Austausch zu sehen, wo jeder mitbestimmen kann, worum es eigentlich gehen soll, was wichtig ist, welches die Ziele sind. Das ist dann für beide Seiten eine Entdeckungsreise und niemand kann vorher festlegen, was rauskommen soll.

…Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Ich führe viele konstruktive Gespräche mit vielen Menschen, und würde das nicht gern so generell stehen lassen. Mit welchen Bürgern, mit welchen Nachbarn, Kollegen ist es schwierig, im Dialog zu sein und warum? Kommunikationstheoretisch ist unstrittig, dass die Grundlage für sachliche Lösungen eine angemessen vertrauensvolle Beziehung ist. Wenn es nicht gelingt, diese Basis zu schaffen, dann werden auch einfache „sachliche“ Differenzen zu emotionalen Stellvertreterkriegen. Wir müssen also eigentlich fragen, ob es einen Weg gibt, Vertrauen wiederherzustellen. Und natürlich auch, warum es verloren gegangen ist und welche Rolle man selbst dabei gespielt hat. Aber am Ende braucht es auf beiden Seiten ein Motiv zum Austausch, sonst ist die Mühe vergeblich.

…Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben.

Mittel- und langfristig sind die Kosten um ein Vielfaches höher, wenn Projekte und Entwicklungen keine Akzeptanz bei der Bevölkerung oder bei den Betroffenen im weiteren Sinne finden.

…Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn Bürger nicht nur gehört worden sind, sondern beteiligt. Wenn die Lösung ein Kompromiss ist, der Ideen integriert, die die Verantwortlichen vorher selbst noch nicht hatten. Wenn das Ergebnis besser ist und besser machbar und die Interessen von möglichst vielen integriert.

…Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

…Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Selbstverständlich. Sonst wäre ich nur zufrieden, wenn ich erfolgreich bin. Ich kenne viele andere Zustände von Zufriedenheit, mit einem Augenblick, einer schönen Begegnung, einem sonnigen Frühlingstag, einem wunderbaren Team…

…Was wären Sie gern beruflich, wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind.

Ich bin heute nicht nur mit Leidenschaft Rektorin, ich bin und bleibe ja auch Professorin, Wissenschaftlerin, Forschungsmanagerin, Gutachterin. Im Rückblick hat es sich fast logisch so ergeben.

…Welches Hobby hätten Sie gern(, das Sie heute nicht ausüben).

Ich hätte manchmal gern mehr Zeit für Menschen und Beschäftigungen, die mir viel bedeuten.

 

Ulf Middelberg zu Gast im Mai-lunch club.

Ulf Middelberg zu Gast im Mai-lunch club

Im Mai-lunch club hatten wir Ulf Middelberg, Sprecher der Geschäftsführer der Leipziger Verkehrsbetriebe und Geschäftsführer der LVV, zu Gast. Als Mobilitätsdienstleister hat er uns auf eine Reise mitgenommen, in deren Mittelpunkt Künstliche Intelligenz, Frank Zappa, John Cage und lebenswerte Städte eine Hauptrolle spielten.