Katharina Hitschfeld und Bernhard Böhm, die den Workshop durchführen, stehen vor einer Moderationswand

Workshop zur nachhaltigen Stadtentwicklung

Wir freuen uns, dass uns das Referat für nachhaltige Stadtentwicklung der Stadt Göttingen für die Konzeption und Durchführung eines mehrtägigen Workshops beauftragt hat.

Die Themen Nachhaltigkeit, Klima- und Ressourcenschutz sowie Biodiversität in ein ämterübergreifendes Verwaltungshandeln zu übersetzen war eine schöne und sinnstiftende Arbeit für uns.

Mit unserem Kollegen Bernhard Böhm haben wir auch in diesem Projekt gern und gut zusammengearbeitet.

Globus mit Spritze

Impfquote verbessern – aber wie?

Für die Bekämpfung der CORONA-Pandemie ist die Erhöhung der Impfquote von entscheidender Bedeutung. Wie dieses Ziel erreicht werden kann, dafür gibt es sehr unterschiedliche Ansätze. Von Appellen an das Verantwortungsbewusstsein über die klassische Testimonialkampagne mit mehr oder weniger prominenten Personen auf den Plakatwänden des Landes bis zum Verschenken von Bratwurst und Freibier.

Das Sächsische Staatsministerium für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt (SMS) hat das Büro Hitschfeld damit beauftragt, einen systematischen, datengestützten, mikrogeografischen Ansatz für eine sächsische Modellregion (Landkreis) zu entwickeln.
Es sollten drei Fragen beantwortet werden:

  1. Wie kann aus Personen mit sehr unterschiedlichen sozio-demografischen Merkmalen („ImpfskeptikerInnen“) eine handhabbare Zielgruppe definiert werden?
  2. Wo ist diese Zielgruppe im Modellgebiet kleinräumig anzutreffen?
  3. Wie ist diese Zielgruppe kommunikativ erreichbar?

Diese Fragen wurden nicht allgemein, sondern für das Projektgebiet (Landkreis) und die einzelnen Gemeinden im Projektgebiet beantwortet. Daraus wurden Schlussfolgerungen für eine wirksame, zielgruppenscharfe Kommunikationsstrategie, aber auch Möglichkeiten für eine Optimierung der niedrigschwelligen Angebote der Impfkampagne entwickelt.

Siehe: PDF Auszug

 

Schild im Leipziger Zoo mit der Aufschrift: Lippenbär Dr. Barbara Dietrich Potsdam

Bildung ist wichtig!

Der Zoo Leipzig ist auch in dieser Hinsicht Vorbild und kann einen spektakulären Erfolg seiner Bildungsoffensive vorweisen:

Als erster europäischer Zoo präsentiert der Zoo Leipzig einen promovierten Lippenbären (m/w/d)!
Dr. Barbara Dietrich ist Urologin. „Auf diese Weise kann ich den Menschen etwas zurückgeben“, meint die gepflegte Pelzträgerin. „Ohne die Unterstützung und den Zuspruch von Jörg Junhold und Tierärztin Dr. Mertens hätte ich das nicht geschafft und würde noch immer auf den Bäumen nach
Ameisen suchen. Jetzt hoffe ich, dass der faule Zebrahengst von nebenan endlich mit seinem Meisterbrief fertig wird!“

Weiter so im Zoo der Zukunft!
Meint Dr. Dog.

Globus mit Spritze

Wie kann man die Pandemiekommunikation verbessern?

Bei der Bekämpfung der CORONA-Pandemie rückt immer mehr die Erhöhung der Impfquote in den Fokus. Die Impfbereitschaft ist derzeit nicht ausreichend, um die Pandemie dauerhaft zurückzudrängen.

Es ist daher dringend notwendig, die Bevölkerung in ihrer diesbezüglichen Unterschiedlichkeit zu erkennen und so anzusprechen, dass sie von staatlichen Angeboten und Argumenten erreicht wird.

Als Grundlage für eine zielgruppenspezifische Kommunikation können mikrogeografische, datenbasierte Kommunikationsstrategien deutlich genauere, verlustärmere Möglichkeiten für die Erreichung von Zielgruppen und Formulierung von Kommunikationsinhalten eröffnen, als herkömmliche Verfahren.

Das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt (SMS) hat uns den Auftrag erteilt, diesen methodischen Ansatz am Beispiel einer Modellregion kurzfristig zu realisieren.

Nahaufnahme eines Stapels antiquarischer Bücher

Laute Minderheit und schweigende Mehrheit

Aus der Projektpraxis: Meinungsforschung als Mittel, die Situation einzuschätzen

Historisch ist unser System, Bürgerinnen und Bürger in die Meinungsbildung und Entscheidungsfindung einzubeziehen, darauf ausgerichtet, insbesondere den Projektgegnern die Möglichkeit zu geben, Einfluss auf ein Vorhaben auszuüben. Zustimmung oder neutrale Duldung müssen nicht artikuliert werden.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass sich organisiertes bürgerschaftliches Engagement oft gegen Projekte und Vorhaben richtet. Für Projektträger, Politik, Verwaltung und Medien ist es nicht leicht, die sich artikulierende Gegnerschaft einzuschätzen: spricht hier eine Minderheit für die Mehrheit der Bevölkerung? Oder spricht eine Minderheit (nur) für sich und ihre Partikularinteressen? Und welche Auswirkungen hat dies für die Meinungsbildung – zum Beispiel im Gemeinderat?

Wir empfehlen in solchen Fällen den Einsatz von repräsentativer Meinungsforschung.

Mit wenigen Fragen lassen sich belastbare Informationen über den Kenntnisstand der Bevölkerung im Projektgebiet, ihre grundsätzliche Haltung zum Vorhaben, ihre Wünsche und Erwartungen (z. B. im Hinblick auf die Informations- und Partizipationspolitik) gewinnen. Diese Informationen dienen als Orientierung, in welchem Meinungsumfeld das Projekt realisiert werden soll. Insbesondere lässt sich so herausfinden, ob die Projektgegner, Bürgerinitiativen oder Aktionsbündnisse tatsächlich – wie oft behauptet – für eine Mehrheit der Bevölkerung sprechen. Nicht nur für den Projektträger, sondern gerade auch für Lokalpolitiker ist dies eine wichtige Information zur Einschätzung der politischen „Großwetterlage“, in der sie sich mit ihrer Haltung zum Projekt bewegen.

Als Grundlage für den Aufbau einer strategischen Akzeptanzkommunikation für die Erweiterung der Papierfabrik der Julius Schulte GmbH & Co. KG in Trebsen/Mulde haben wir in den letzten Wochen ein solches Meinungsforschungsprojekt durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen eine große Bekanntheit des Projektträgers, eine überragende Bedeutung der Industrie – auch in der Projektregion – und eine große Zustimmung zu den Erweiterungsplänen der Fabrik. All dies wird verknüpft mit den Wünschen der Bevölkerung in Bezug auf Information und Beteiligung, die Erwartungshaltungen und artikulierten Vorbehalte und bildet eine stabile Grundlage für eine Akzeptanzkommunikation.

Schild mit der Aufschrift "Electric vehicle only"

Mikrogeografie: Was? Wofür?

Mikrogeografische Daten werden von uns genutzt, um Strukturen kleinräumig zu analysieren, denn: „All Business Is Local“ (so heißt ein in Marketing und Soziologie einflussreiches Buch aus dem Jahr 2012). Dies gilt für viele Konsum-, aber genauso für politische Entscheidungen (z. B. „Wahlen“) und komplexe Themenstellungen rund um den Bereich „Akzeptanz und Kommunikation“. Was vielleicht kompliziert klingt, illustrieren wir an einem konkreten Beispiel einer Gemeinde mit rund 50.000 Einwohnern für das Thema „Elektroauto“.

Inzwischen sind rund 10 Prozent der Neuzulassungen (monatlich schwankend) in Deutschland reine Elektroautos. Wenig überraschend finden sich proportional mehr in Metropolen sowie im Süden der Republik. Aber auch in unserer „Musterstadt“ (auf einer Fläche von rund 10 km2) sehen wir eine erstaunliche Bandbreite bei der Absicht, „als nächsten Neuwagen ein Elektroauto zu kaufen“. Von Baublock zu Baublock finden wir oft erhebliche Unterschiede – an manchen Stellen mit einem Faktor 5 bis 10.

Mit solchen Daten lässt sich konkretes Handeln planen, zum Beispiel der Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur. Solche Daten lassen sich aber auch in Beziehung zu weiteren Fragestellungen bringen: Steigert „Elektroauto“ die Akzeptanz des ÖPNV? Macht „Elektroauto“ empfänglicher für Ökostrom? Und das auf Straßenabschnitts- oder Baublockebene.

Dies sind nur einige denkbare Fragestellungen – und nur rund um unser Beispielthema „Elektroauto“. Wenn Sie das Themenfeld „Mikrogeografie“ interessiert und Sie spezifische Fragen haben, dann sprechen Sie uns an.

mikrogeorgrafische karte

„Von Hausblock zu Hausblock verschieden: Die Kaufabsicht für ein Elektroauto am Beispiel einer mittelgroßen Kreisstadt“, Grafik: Büro Hitschfeld

 

Detailaufnahme einer grünen Tür vor der ein Schild mit der Aufschrift "Change" hängt

Unternehmensnachfolgen im Mittelstand

Unsere Arbeit für und mit dem Mittelstand, häufig mit den Inhabern der Unternehmen selber, bedingt ein sehr persönliches Vertrauensverhältnis. Jenseits unseres aktuellen Mandantenauftrages erfahren wir viel über Aufgaben, Sorgen, Nöte und Notwendiges. Fragen des Generationenwechsels, einer geplanten oder bevorstehenden Unternehmensnachfolge im eigenen Unternehmen oder dem von Geschäftspartnern gehören definitiv dazu. Kein Wunder – im Raum Mitteldeutschland wurden besonders in den frühen 90er-Jahren – also vor 30 Jahren – viele Unternehmen gegründet. Jetzt stehen eine große Anzahl dieser Firmen vor Übergabe oder Verkauf. Deutschlandweit stehen allein in Familienunternehmen ca. 30.000 Unternehmensübergaben an.

Von unseren Kolleginnen von Hitschfeld & Gerhard//Mediation und Coaching, die auch Unternehmensnachfolgen mediativ begleiten, wissen wir, dass es dabei häufiger als gedacht zu Störungen im Prozess kommt.

Die Unternehmen sind in aller Regel durch ihre langjährig tätigen Inhaber und Gründer wesentlich geprägt.

Für das Unternehmen, dessen Inhaber, aber auch für Mitarbeiter und Kunden geht eine Ära zu Ende. Die Inhaber müssen die Weichen für die Zukunft der Unternehmen stellen. Die dafür notwendigen Überlegungen sind so individuell wie die Eigentümer und deren jeweilige Situation. Und so ist die Entscheidung, ob und wie das Unternehmen in die Zukunft geführt werden soll – oder eben auch nicht – von entscheidender Bedeutung. Die damit einhergehenden Änderungen betreffen eine Vielzahl von Fragen sehr unterschiedlicher Personen und Akteure.

Warum ist Mediation sinnvoll?

Gute wirtschaftliche und rechtliche Beratung ist richtig, wichtig und unverzichtbar.

Die Beratung innerhalb der Familie, im Gesellschafterkreis, manchmal mit Wettbewerbern und/oder den eigenen Mitarbeitern schärfen zusätzlich die eigenen Positionen und helfen, weitere Sichtweisen zu identifizieren.

ABER

Es menschelt nun einmal ganz gewaltig in Umbruchsituationen. Das ist ein komplexes System mit sehr unterschiedlichen Akteuren, Bedürfnissen, Notwendigkeiten, Sichtweisen und Erwartungshaltungen.

Üblicherweise werden Nachfolgeprozesse von Steuerberatern, Rechtsanwälten und finanzierenden Banken vorbereitet und begleitet. Zu deren Profession gehört es, rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu gestalten. Zwischenmenschliche Themen bleiben dabei oft auf der Strecke. Häufig genug sind es aber genau diese Themen, die Nachfolgeprozesse störanfällig machen und in vielen Fällen sogar zum Scheitern bringen.

Ein Blick von außen, der mit Sachverstand, Erfahrung aber auch Zugewandtheit erfolgt, kann es den handelnden Personen erleichtern, mit diesen komplexen Anforderungen konstruktiv umzugehen und die erforderlichen rechtlichen und wirtschaftlichen Betrachtungen zu ergänzen.

Prophylaxe statt Eskalation

Bisher wird eine Konfliktmoderation oder Mediation meist erst in hoch eskalierten Situationen angedacht: wenn es spürbar schlecht läuft, der Nachfolgeprozess ins Stocken gerät oder gar droht, ganz abgesagt zu werden.

In dieser Situation ist häufig schon viel Porzellan zerschlagen, Vertrauen verloren und Misstrauen gewachsen.

Mögliche Konflikte frühzeitig aufzuspüren, diese zu benennen und entweder zu vermeiden oder eben auch kontrolliert auszufechten, ist ein kluger Bestandteil bei der Aufsetzung eines Nachfolgeprozesses.

Gehen Sie davon aus, dass Konflikte meistens nicht durch Schweigen gelöst werden. Insbesondere bei Mitarbeitern aber auch bei Ihren Wettbewerbern sind die Antennen für Störungen jeder Art empfangsbereit. Das Gefährlichste sind Gerüchte, an denen auch noch etwas dran ist.

Porträtfoto Dr. Marcus Lau

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Dr. Lau

Zur Person:
Name: Dr. Marcus Lau
Alter: 42
Wohnort: Großpösna
Beruf: Rechtsanwalt
Tätigkeit: Beratung/Projektmanagement, vor allem im Umwelt- und Planungsrecht
Hobbys: Ju-Jutsu, Brazilian Jiu-Jitsu

… Jetzt mal ehrlich, was haben uns alle Mühen, Diskussion und Aktivitäten in puncto Bürgerbeteiligung und Akzeptanz in den vergangenen Monaten und Jahren gebracht? Trotz vieler und breiter Diskussions-, Informations- und Beteiligungsformate ist unser Umfeld polarisierter denn je. Wo stehen wir – Ihrer Meinung nach – heute mit diesem Anliegen und wo soll das künftig hingehen?

Es entspricht auch meiner Beobachtung, dass die Polarisierung zugenommen hat. Da gleichzeitig in vielen Bereichen die Formate der Bürgerbeteiligung verbessert und ausgeweitet worden sind, könnte man in der Tat annehmen, dass das alles gar nichts bringt. Dies wäre meines Erachtens jedoch zu kurz gegriffen. Ich bin seit über 15 Jahren im Umwelt- und Planungsrecht tätig und jedenfalls für diesen Bereich, also insbesondere für die großen Infrastrukturvorhaben und die Bauleitplanung, kann ich sagen, dass die Qualität der Entscheidungen gerade auch dank der Bürgerbeteiligung deutlich besser geworden ist. Zugleich habe ich in jüngerer Zeit nicht mehr erlebt, dass eine Entscheidung so getroffen worden ist, wie sie ursprünglich ins Verfahren gegangen war. Vielmehr gab es wiederum vor allem aufgrund der Ergebnisse der Bürgerbeteiligung mehrere, teils sogar weitreichende und für den Vorhabenträger sehr einschneidende Änderungen.

Jede Form der Beteiligung ist eine Form des Dialogs und eröffnet damit – mal mehr, mal weniger – die Perspektive der jeweils anderen Seite. Bei aller Unterschiedlichkeit, Interessenverschiedenheit und eben auch zunehmender Polarisierung ist es meines Erachtens für das Funktionieren unserer Gesellschaft entscheidend, im Gespräch zu bleiben. Bürgerbeteiligung mag für beide Seiten immer wieder auch frustrierend sein und ist kein Akzeptanzgarant. Dies sollte jedoch lediglich Anlass geben, nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen, nicht aber das Instrument der Beteiligung als solches in Frage stellen. Ich sehe hierin auch künftig ein entscheidendes Mittel, um zu akzeptanzfähigen Entscheidungen zu gelangen und Interessengegensätze zu befrieden. Dabei muss indes klar sein, dass es darum geht, gehört zu werden. Nicht geht es darum, eine Mitentscheidungsbefugnis einzuräumen.

… Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Die Informationsflut ist nicht zuletzt durch die zahlreichen medialen Angebote ausgesprochen groß. Auch ist an vielen Stellen bürgerschaftliches Engagement gefragt. Von einer Überforderung würde ich gleichwohl nicht sprechen. Die uns als Gesellschaft beschäftigenden Themen sind einfach vielschichtig und komplex und bürgerschaftliches Engagement ist wichtig. Daher ist es auch zu begrüßen, dass es vielfältige Angebote gibt, sich einzubringen. Ist die Information darüber gut aufbereitet, lässt sich in vertretbarer Zeit ein Überblick gewinnen und kann jede/r den Themenfeldern näher nachgehen, die persönlich für interessant und wichtig gehalten werden.

… Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Ich sehe hier vor allem zwei Probleme. Zum einen bestehen vielfach Vorurteile bzw. von dritter Seite interessengeleitete Falschinformationen, die auszuräumen, schwierig bis unmöglich ist. Zum anderen haben die Menschen ihre persönlichen Erfahrungen und individuellen Interessen, die aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen bzw. aufgrund übergeordneter Allgemeinwohlinteressen bei bestimmten zu treffenden Entscheidungen teilweise keine Rolle spielen. Wer beispielsweise eine Windenergieanlage in Sichtweite vor die Haustür gesetzt bekommt und sich daran stört, dass damit (vermeintlich) der Wert des eigenen Grundstücks sinkt, für den ist dies das zentrale Thema. Er wird aber feststellen müssen, dass dieser – wirkliche oder gefühlte – Nachteil kein relevanter Maßstab für die von der zuständigen Behörde zu treffende Entscheidung ist. Die gerade aus der individuellen Betroffenheit resultierende Empörung darüber kann dann leicht dazu führen, dass man sich den überzeugenden sachlichen Argumenten dafür verschließt und dem Denken in einem Freund-Feind-Schema verfällt.

… Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Aufwand und Kosten dürfen natürlich nicht aus dem Blick geraten. Hinzu kommt der Faktor Zeit. Viele wichtige Entscheidungen können zu spät kommen, weil das Bemühen um Akzeptanz nur mühsam vorankommt. Deshalb muss sorgfältig abgewogen werden, wo Entscheidungsprozesse beschleunigt werden müssen, gegebenenfalls auch zu Lasten der Qualität der Bürgerbeteiligung. Die Kosten, die für eine gute Bürgerbeteiligung aufgewandt werden, würde man nach meiner Erfahrung im Übrigen bei Verzicht auf eine Bürgerbeteiligung nur verlagern, aber nicht sparen; denn es gelingt nicht selten, durch die Mühen der Beteiligung Klagen abzuwenden, die ansonsten erhoben worden wären und dann in den meisten Fällen zu deutlich höheren Kosten geführt hätten.

… Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Bürgerbeteiligung ist aus meiner Sicht dann gelungen, wenn eine nicht unerhebliche Anzahl von Bürger*innen eine Entscheidung nachvollziehen kann und – mögen die Betroffenen diese auch nach wie vor zutiefst ablehnen – beginnen, nach Wegen suchen, dieses Schicksal nun zu akzeptieren. Umgekehrt setzt eine erfolgreiche Bürgerbeteiligung aber auch voraus, dass individuelle Opfer und Nachteile von den Entscheidungsträgern anerkannt und gebührend gewürdigt werden, sodass die Beteiligten sich wiedererkennen, gehört und respektiert fühlen können.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

… Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Ja, ich unterscheide zwischen Erfolg und Zufriedenheit. Nicht jeder Erfolg macht mich zugleich zufrieden und Zufriedenheit korreliert bei mir nicht zwingend mit erzielten Erfolgen. Ich räume aber ein, dass es schon einen gewissen Zusammenhang gibt. Erfolg und Zufriedenheit also nicht selten gemeinsam auftreten.

… Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Ich mag meinen Beruf, aber wenn ich einen anderen Beruf wählen müsste, so wäre ich gern Arzt.

… Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Segeln

Allee mit grünen Bäumen und gepflasteter Straße

PlatzHitsch: Schlosspark Lützschena

Bis zum Beginn der Corona-Pandemie mit den verschiedenen Lockdown-Szenarien war der Schlosspark Lützschena mein fast geheimes Refugium. Inzwischen haben die Leipziger Bürger:innen den Schlosspark im Norden Leipzigs – zu ihrem Glück – wiederentdeckt.

Im nördlichen Teil des Leipziger Auwaldes gelegen und Teil des Naturschutzgebietes Burgaue bietet der Schlosspark ein prächtiges, gepflegt ursprüngliches Naturerlebnis. Gleichzeitig legt der Park mit seinen Monumenten Zeugnis ab von der bewegten Geschichte Leipzigs, an der die Besitzerfamilie Speck von Sternburg einen wichtigen Anteil hatte und hat.

Schon der Weg zum Schlosspark ist das Ziel: Denn der beste Weg zu diesem sächsischen Kulturdenkmal führt zu Fuß oder per Fahrrad an der Neuen Luppe entlang. Links liegen die Wiesen, ideale Schafweideflächen, und rechts Kleingärten, Sportvereine und natürlich der Auensee mit seiner Parklandschaft.

Mit Picknickdecke, einer Flasche Wasser oder Wein und einem guten Buch ist ein gelungener Ferientag am Rande der Großstadt im größten Auwald Mitteleuropas mit Erholung und Erkenntnisgewinn garantiert.

Gastbeitrag von Ruth Justen

 

Weißer Pavillon an einem Waldteich

Dianatempel im Schloßpark Lützschena, Foto: Ruth Justen

 

Detail eines weißen Brückengeländers, im Hintergrund ein Fluß mit bewaldetem Ufer

Blick auf die Weiße Elster, Foto: Ruth Justen

 

weiße Brücke, die in einen Wald führt

Weiße Brücke im Schloßpark Lützschena, Foto: Ruth Justen

Europakarte

Nur fürs Schaufenster?

Anmerkungen zum Bürgerbeteiligungsprojekt „Konferenz für die Zukunft Europas“.

Größer und ambitionierter geht es nicht. Die Bürgerinnen und Bürger der EU sollen ihre Meinungen, Vorschläge und Erwartungen zu Struktur, Inhalt und Zielen Europas artikulieren. Mit langem Vorlauf ist ein gewaltiges Bürgerbeteiligungsprojekt mit unterschiedlichen Formaten auf den Weg gebracht worden. Jeder, der sich irgendwie und jemals mit „Bürgerbeteiligung“ oder wie wir sagen „der Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in Meinungsbildungs- und Entscheidungsfindungsprozesse“ befasst hat, wird mit Interesse und Sympathie – aber auch mit Skepsis auf diesen Großversuch der Demokratie schauen.

Dies schon deshalb, weil eine Grundregel jedes Partizipationsprojektes ausgerechnet hier außer Kraft gesetzt werden soll: die verbindliche Aussage am Beginn des Projekts dazu, was mit dem Ergebnis des Prozesses geschehen soll und welche Verbindlichkeit es für die Entscheidungsträger haben wird.

Und gerade hier ist – was Europa angeht – grundsätzliches Misstrauen angebracht. Es ist nämlich keineswegs ausgemacht, dass Kommission, Rat oder die Regierungen der Mitgliedsstaaten die Ergebnisse des mehrjährigen Projekts auch tatsächlich umsetzen werden.

Man mag sich gar nicht ausmalen, welche Wirkung dies auf die Bürgerinnen und Bürger haben würde!
Hier droht Europa Schaden zu nehmen. Der Preis für die Demokratie und die Akzeptanz der Europäischen Union wäre hoch. Nachbesserungen beim Projektdesign dieses ambitionierten Demokratieprojektes sind deshalb dringend geboten.