Abseits der Politik: Beschwerliche Dinge des Alltags in Südkorea.

Abseits der Politik: Beschwerliche Dinge des Alltags

Essen mit Stäbchen ist so eine Sache und mancher soll schon vor vollem Teller verhungert sein. Koreanische Restaurants halten eine besondere Tücke für den Gast bereit: Die Stäbchen sind aus Metall, dünner und auch viel glatter als einfache Holzstäbchen. Sie drehen sich leicht in der Hand und sind für manches Gemetzel verantwortlich, das der ungeübte Gast am Tisch angerichtet hat. Ein Ausweg: Man spießt das Essen mit dem Metallstäbchen auf und beißt ab. Keine Ahnung, warum die Leute am Nachbartisch mich immer so komisch anschauen…

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Wiedervereinigungsseminar in Seoul: Am Institute for Unification Education

Auch im Süden: Abschottung und Misstrauen

Das „Staatssicherheitsgesetz“ ist älter als die südkoreanische Verfassung. Es entstand in den 1950er Jahren unter dem Eindruck innerer Unruhen in Südkorea. Das Gesetz besteht noch immer. Es sorgt (auch) für eine weitgehende Abschottung des Südens gegenüber dem Norden. Nordkoreanische Zeitungen sind auf dieser Grundlage in Südkorea verboten, Rundfunk und Fernsehen sind blockiert. Es steht unter Strafe, Sympathie für Argumente und Interessen des Nordens öffentlich zu äußern. Versucht man, in Südkorea eine nordkoreanische Internetseite zu öffnen, erscheint ein Schriftzug, der darauf aufmerksam macht, dass man im Begriff ist, eine Straftat zu begehen, die mit nicht unter drei Jahren Gefängnis (wirklich!!) bestraft wird. Der Briefverkehr unterliegt der Zensur, u.s.w.u.s.f. Ausnahmen gibt es nur für einen sehr begrenzten Personenkreis.

Wohlgemerkt: Das sind Abschottungsmaßnahmen des Südens – nicht des totalitären, kommunistischen Nordens!

Es ist nicht verwunderlich, dass unter diesen Bedingungen das Informationsniveau über den Norden – mit dem man sich ja laut Verfassung vereinigen will – in Südkorea in weiten Bevölkerungskreisen gering, die emotionale Beziehung den Menschen im Norden kaum mehr vorhanden ist. Man kann sich vorstellen, dass die Verhältnisse im Norden mindestens ähnlich sein werden.

Also kein Vergleich mit den früheren Verhältnissen aus der Zeit von DDR und BRD. Und keine guten Voraussetzungen für ein Wiedervereinigungsprojekt in Korea.

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Es gibt viele Demonstrationen in Seoul. Die Zahl der Teilnehmer steht – oft – im umgekehrten Verhältnis zur Lautstärke, die von Ihnen ausgeht.

Warum wollen Sie eigentlich die Wiedervereinigung?

Diese Frage haben wir heute unseren koreanischen Gesprächspartnern immer wieder gestellt. Jenseits davon, dass die Wiedervereinigung in Südkorea in der Verfassung verankert ist. Aber was – das war die Frage – antwortet ein „durchschnittlicher“ Bürger in Südkorea und in Nordkorea darauf? Die Antworten sind ebenso einfach wie verblüffend.

Nordkorea betrachtet Südkorea als „Kolonie der USA“ und sieht die Verpflichtung, den Süden von diesem Kolonialjoch zu befreien (kein Witz!).

Der Süden findet die Wiedervereinigung vor allem dann gut, wenn dies (gern für beide Landesteile) wirtschaftlichen Erfolg bringt.

Für einen Deutschen ist dies irritierend. Keine Bezüge zu einer gemeinsamen Geschichte, Identität, Kultur oder persönlichen Verbindungen.

Korea ist eben anders. Hier haben die Landesteile einen Bürgerkrieg gegeneinander geführt, die Wunden sind nicht verheilt, die Abschottung ist umfassend und das gegenseitige Misstrauen spürbar.

Ob die – noch – vorhandenen, wenigen Gemeinsamkeiten und Motivationen ausreichen, um ein so großes Projekt wie die Wiedervereinigung erfolgreich anzugehen – der Gast darf das bezweifeln…

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Gastgeschenke: Gewandhaus und Thomaner im Gepäck

Auf dem Weg nach Seoul: Bevor es wirklich losgeht

In den letzten Tagen haben nach und nach Informationen, Hinweise und formulierte Erwartungen den Weg von Seoul nach Leipzig gefunden. Es mag für die Teilnehmer des Seminars „Erfahrungen mit der deutschen Teilung und Wiedervereinigung“ eine Veranstaltung von vielen sein – für mich ist es das ganz sicher nicht.

Etwa 20 Beamte aus unterschiedlichen Behörden und Ministerien wollen also wissen, wie das vor 30 Jahren war und wie es heute so ist, in Deutschland. Nichts leichter als das – wieviel Zeit haben Sie eingeplant?

Um etwas Struktur in unsere Gedanken und Vorbereitung zu bekommen, haben wir darum gebeten, man möge uns vorab einige „Orientierungsfragen“ schicken, auf die wir uns einstellen können. Keine gute Idee! Jetzt haben wir nicht weniger als 15 Seiten (!) Fragen, kluge Fragen erhalten, die jetzt wie Blei auf dem Schreibtisch liegen.

Was weiß ich denn über die „Vereinbarungen zur Gewährleistung der Cybersicherheit zwischen Ost und Westdeutschland während der Vereinigung“? Gab es sowas? Oder die wesentlichen „Probleme der Forstwirtschaft in Ost und West während des Vereinigungsprozesses“? Und was waren doch gleich die „Hauptstrategien bezüglich der niedrigen Geburtenraten und gegen die Überalterung der Gesellschaft“?

Es scheint so, als würden wir ein vielseitig interessiertes Publikum erleben. Hoffentlich werden wir der Erwartung gerecht!

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