Europakarte

Nur fürs Schaufenster?

Anmerkungen zum Bürgerbeteiligungsprojekt „Konferenz für die Zukunft Europas“.

Größer und ambitionierter geht es nicht. Die Bürgerinnen und Bürger der EU sollen ihre Meinungen, Vorschläge und Erwartungen zu Struktur, Inhalt und Zielen Europas artikulieren. Mit langem Vorlauf ist ein gewaltiges Bürgerbeteiligungsprojekt mit unterschiedlichen Formaten auf den Weg gebracht worden. Jeder, der sich irgendwie und jemals mit „Bürgerbeteiligung“ oder wie wir sagen „der Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in Meinungsbildungs- und Entscheidungsfindungsprozesse“ befasst hat, wird mit Interesse und Sympathie – aber auch mit Skepsis auf diesen Großversuch der Demokratie schauen.

Dies schon deshalb, weil eine Grundregel jedes Partizipationsprojektes ausgerechnet hier außer Kraft gesetzt werden soll: die verbindliche Aussage am Beginn des Projekts dazu, was mit dem Ergebnis des Prozesses geschehen soll und welche Verbindlichkeit es für die Entscheidungsträger haben wird.

Und gerade hier ist – was Europa angeht – grundsätzliches Misstrauen angebracht. Es ist nämlich keineswegs ausgemacht, dass Kommission, Rat oder die Regierungen der Mitgliedsstaaten die Ergebnisse des mehrjährigen Projekts auch tatsächlich umsetzen werden.

Man mag sich gar nicht ausmalen, welche Wirkung dies auf die Bürgerinnen und Bürger haben würde!
Hier droht Europa Schaden zu nehmen. Der Preis für die Demokratie und die Akzeptanz der Europäischen Union wäre hoch. Nachbesserungen beim Projektdesign dieses ambitionierten Demokratieprojektes sind deshalb dringend geboten.

Bernhard Böhm und Katharina Hitschfeld im Studio,

So ändern sich die Zeiten

Heute sitzen wir für die Moderation von Workshops, Beteiligungsformaten und Veranstaltungen im Studio oder am Schreibtisch und nicht mehr mittendrin.

Für die Stadtverwaltung Leipzig haben wir jüngst einen großen Workshop moderiert. Digital einen Rahmen zu schaffen, der nicht nur Arbeiten sondern auch Begegnung ermöglicht, ist immer wieder besonders anspruchsvoll. Mit Bernhard Böhm, unserem Netzwerkpartner und Kollegen in Moderation und Mediation, macht das Arbeiten auch digital Vergnügen.

Hand setzt mit rotem Textmarker ein Häkchen in eine von fünf übereinander angeeordneten Kästchen

Methodische Anmerkungen zum Thema Meinungsforschung und Repräsentativität

Markt- und Meinungsforschung gehört bei uns zum täglichen Handwerkszeug. Deshalb ist es keine Überraschung, dass wir zu methodischen Aspekten immer wieder Fragen beantworten müssen. Der vor knapp zwei Jahren verfasste Text „Ab wann ist repräsentativ repräsentativ“? gehört noch heute zu den am meisten aufgerufenen Beiträgen auf unserer Webseite.

Aus aktuellem Anlass – den bevorstehenden Wahlen in einigen Ländern und im Bund – wollen wir das Thema deshalb am Beispiel vertiefen.

Versuchsanordnung: Wir schauen uns einige Tage nach der kommenden Bundestagswahl (26.9.21) die Ergebnisse für die Partei „XY“ in Sachsen und in Bayern an. In Sachsen hat „XY“ 17 % errungen, in Bayern 18 %. Ein Prozent Unterschied – eine sehr knappe Differenz. Aber dieses eine Prozent kann über einen Sitz mehr oder weniger entscheiden, mit Blick auf die 5-Prozent-Hürde sogar darüber, ob eine Partei überhaupt ins Parlament einzieht (5,5 %) oder außen vor bleibt (4,5 %). Denn wir reden vom amtlichen Endergebnis und selbst wenn der Unterschied nur wenige Stimmen beträgt, gilt: „Every vote counts.“

Was ist aber, wenn wir die oben skizzierten Ergebnisse im Rahmen einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung in Bayern und Sachsen erhalten? „1.000 repräsentativ befragte Bürger und Bürgerinnen“ bedeutet zunächst, dass in Bayern rund 760 BürgerInnen befragt werden und in Sachsen 240. Dies entspricht dem Verhältnis der wahlberechtigten Bevölkerung in den beiden Bundesländern. Und schnell stellt sich die alles entscheidende Frage: Ist bei einer solchen Datenbasis der Unterschied von einem Prozent zwischen Bayern und Sachsen inhaltlich begründet („Die Bayern mögen die „XY“-Partei ein klein wenig mehr als die Sachsen.“) oder beruht der Unterschied auf methodischen Unzulänglichkeiten der repräsentativen Befragung? Wir haben schließlich nicht alle WählerInnen befragt (in der Marktforschung würde man dies eine „Vollerhebung“ nennen), sondern nur einen kleinen „Ausschnitt“ – die Stichprobe von 1.000 Befragten. Was wir die „Unzulänglichkeiten“ einer Stichprobe nannten, hat mehrere Facetten:

> Eine Stichprobe hat immer eine mathematische Fehlertoleranz (mehr dazu in: Ab wann ist „repräsentativ“ „repräsentativ“?). Hat eine Partei bei einer Wahl 4,97 % der Stimmen errungen, dann hat sie Pech gehabt. Ist dies das Ergebnis einer Befragung, dann besteht – rein statistisch gesehen – immer noch Hoffnung.

> Eine solche mathematische Betrachtung setzt aber voraus, dass mit einer methodisch sauberen Stichprobe gearbeitet wurde. Es gilt der Lehrsatz: Lieber eine echte Zufallsstichprobe von 500 Befragten als 5.000 Personen, die man vermeintlich „zufällig“ – z. B. in einer Fußgängerzone – befragt. Aus diesem Grund arbeiten wir mit ADM-Instituten zusammen, die in Deutschland den Standard definieren, was Stichprobenqualität (aber auch Datenschutz!) angeht.

> Und selbst wenn die beiden oben genannten Bedingungen (Beachtung der mathematischen Fehlertoleranz sowie eine methodisch saubere Stichprobe) erfüllt sind, dann kann eine Studie noch durch tendenzielle Fragestellungen zunichte gemacht werden. Wer nur an einer Bestätigung der eigenen Meinung durch Umfragen interessiert ist, der bekommt die Ergebnisse, die er sich wünscht. Wer echten Erkenntnisgewinn sucht, der muss an einer neutralen Fragestellung interessiert sein.

In Summe lassen sich zwei Dinge feststellen:

a) Die Sache mit der „Repräsentativität“ ist und bleibt kompliziert (siehe oben) – leider.

b) „Qualität“ schlägt fast immer „Quantität“. Das betrifft das Thema „Stichprobe und Repräsentativität“, aber auch die Konzeption einer Umfrage sowie die Interpretation der Daten.

Stapel mit großen Papierbögen

Neue Aufgabe: Papierfabrik in Trebsen

Die Papierfabrik in Trebsen an der Mulde im Landkreis Leipzig gibt es seit 1893. Die Julius Schulte Trebsen GmbH & Co. KG möchte den historischen Standort in Trebsen sichern und ausbauen und ist mit entsprechenden Planungsschritten beschäftigt.

Das Büro Hitschfeld ist mit dem Aufbau und der Umsetzung der Akzeptanzkommunikation beauftragt. Das schließt die Entwicklung und Umsetzung von geeigneten Formaten für die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger ein.

Wir freuen uns über diese interessante Aufgabe, mit der wir auch einen Beitrag zur Sicherung des Industriestandorts Mitteldeutschland leisten können.

Foto mit Günther Bigalke, Thomas Dienberg und Katharina Hitschfeld, die an einem Tisch vor einem Bücherregal sitzen

Leipziger Lunch Club digital: Interview mit Thomas Dienberg

Seit nunmehr 16 Jahren gibt es den Leipziger Lunch Club. Wir laden – gemeinsam mit André Münster – Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu Vorträgen spannender und inspirierender Persönlichkeiten ein, daran schließt sich in der Regel ein zwangloser Austausch zum Thema des Vortrags an. Nicht selten werden „unsere“ Vortragenden auch Teil der Lunch Club Familie.

Nach 16 Jahren regelmäßigen Treffens fehlt uns allen der unmittelbare Austausch miteinander und die direkte Begegnung. Das kann kein Zoom-Meeting ersetzen.

Und so haben wir die Idee eines ausführlicheren Gesprächs vor laufender Kamera als gut befunden und Thomas Dienberg, Bürgermeister für Stadtentwicklung und Bau in Leipzig, dazu eingeladen. Wir freuen uns sehr, dass er dazu JA gesagt, das Gespräch mit uns geführt und später seinen realen Besuch im Lunch Club zugesagt hat. Die Produktionsgesellschaft Günther//Bigalke, ansonsten für verschiedene Fernsehformate zuständig, hat die Aufnahmen und den Schnitt des Filmmaterials übernommen.

Und hier geht’s zu 30 Minuten Gespräch mit Thomas Dienberg.

Nackte Hände und Füße sind im Kreis angeordnet, der Hintergrund ist eine Rasenfläche

Partizipation: eher Alibi als neue Qualität?

Wichtige Voraussetzungen für erfolgreiche Bürgerbeteiligung sind die Bereitschaft und die Fähigkeit von Projektträgern und Behörden, denen, derentwegen Beteiligung stattfinden soll – also uns, den BürgerInnen – zu erklären, worum es bei der Sache geht.

Das ist elementar. Schließlich geht es oft um komplexe und komplizierte Themen: Kenntnisse über Verfahren, Fristen, Informations- und Beteiligungsmöglichkeiten („Methodenkompetenz“), aber vor allem auch die Relevanz des Projektes und die Notwendigkeit, sich zu beteiligen. Experten wissen das natürlich, aber ganz normale Menschen eben häufig nicht.

Beteiligung ist aber sehr schwierig zu organisieren, wenn denen, die sich beteiligen sollten, nicht wirklich klar ist, worum es geht, was die Implikationen sind, wieso es sie so sehr betrifft, dass sie die Zeit für Beteiligung aufbringen sollten, obwohl sie doch eigentlich keine haben.

Hinzu kommt das bekannte Planungsparadox, das beschreibt, dass das Interesse an einem Projekt zu dem Zeitpunkt, an dem es die größten Möglichkeiten der Einflussnahme auf ebendieses Projekt gibt, am geringsten ist. In der weiteren Fortentwicklung des Projektes steigt das Interesse, die Möglichkeiten, darauf Einfluss zu nehmen, sinken aber.

Leider gibt es nach unserer Erfahrung noch immer keine Didaktik, kein Repertoire an guten Werkzeugen, um genau das gegenüber den BürgerInnen nachvollziehbar und annehmbar zu erklären. Und selbst wenn dieses Thema von den Vorhabenträgern als Problem erkannt und als Herausforderung begriffen wird, gibt es leider fast nie ausreichende Budgets, Ideen und Maßnahmen, um die Betroffenen und die Beteiligungserwünschten auch effektiv zu erreichen.

Und so wird immer weiter mit genau den Personengruppen gearbeitet, die ohnehin bereits engagiert sind. Besonders gerne tut man das über Online-Plattformen und andere Formate, in die man Beteiligung kanalisiert. Das ist einfach. Man kann das programmieren, hat seine Routinen für Workshops. Aber in Wirklichkeit scheitert man damit sehr viel häufiger als dass es gelingt. Die harte Realität: In den meisten Fällen kommt lächerlich wenig Beteiligung zustande.

Dennoch wird kaum je ernsthaft und mit Konsequenz gefragt, woran dies liegt und daran gearbeitet, das zu ändern. Das ist außerordentlich schade und ein wichtiger Grund dafür, dass die Legitimität der Ergebnisse von Beteiligungsverfahren zu Recht in Zweifel gezogen wird und Beteiligungsformate, in denen es eigentlich um Co-Creation gehen sollte, so oft so enttäuschend verlaufen (zumindest für die Bürgerschaft).

Da stellt sich schon die Frage, ob die, die Beteiligung beauftragen und dann inszenieren/organisieren, sie wirklich und in aller Konsequenz wollen. Wir haben da ernste Zweifel.

Gleichwohl meinen wir, dass es keine andere Möglichkeit gibt, als sich diesem Thema ernsthaft zuzuwenden. Demokratie braucht Beteiligung, sie braucht Einmischung und sie braucht einen bunten Chor an Stimmen. Also müssen im Interesse unserer Gesellschaft auch das Bewusstsein, der Wille und die Mittel zur Orchestrierung geschaffen werden.

 

Katharina Hitschfeld, Foto: Victoria Knobloch

Thomas Perry

Foto Andreas Sickert, Abteilungsleiter Stadtforst

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Andreas Sickert

Zur Person:

Name: Andreas Sickert
Alter: 62
Wohnort: Leipzig
Beruf: Forstingenieur
Tätigkeit: Abteilungsleiter Stadtforsten der Stadt Leipzig
Hobbys: Ethnologie, Sprachen und Bergsteigen

… Jetzt mal ehrlich, was haben uns alle Mühen, Diskussion und Aktivitäten in puncto Bürgerbeteiligung und Akzeptanz in den vergangenen Monaten und Jahren gebracht? Trotz vieler und breiter Diskussions- Informations- und Beteiligungsformate ist unser Umfeld polarisierter denn je. Wo stehen wir – Ihrer Meinung nach – heute mit diesem Anliegen und wo soll das künftig hingehen?

Uns ist es wichtig, dass die Leute verstehen, was wir tun und warum wir es tun. Das halte ich für ein hohes Gut. In der Zwischenzeit akzeptiert die Bevölkerung vieles von dem, was wir in puncto Bewirtschaftung und Unterhaltung des Stadt- und Auwaldes Leipzig tun. Manchmal geschieht das nur zähneknirschend, aber es geschieht. Eine demokratische Gesellschaft lebt nun einmal von Diskurs und Auseinandersetzung

Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Angebote kann es nicht genug geben. Wir wollen diese facettenreich unterbreiten. Jeder ist ja frei in der Entscheidung, diese Angebote anzunehmen oder eben auch nicht.

… Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Umweltschutz, Klimaveränderung der Umgang mit Flora und Fauna – das geht uns alle an. Unsere wichtigste Aufgabe als Stadtforst, die Bewirtschaftung im Leipziger Auwald, ist damit ein stark emotionales Thema. Deswegen haben dazu natürlich auch alle eine Meinung und das ist gut so. Manchmal steht diese im Widerspruch zu anderen Kampagnen und Aktionen. Wir müssen versuchen, unsere Ansichten, unsere Facheinschätzung und unsere Arbeit zu zeigen und verständlich zu machen.

Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?

Meine Antwort dazu ist knapp – das müssen wir uns einfach leisten.

… Und wann ist man erfolgreich? Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Ich betrachte den Prozess dann als gelungen, wenn Bürger sagen, dass sie sich so ausreichend informiert fühlen, dass sie damit in der Lage sind, sich selbst eine Meinung zu bilden. Bürger müssen die Fakten abwägen können. Wenn sie dann noch unser Handeln akzeptieren – dann beschreibe ich das als erfolgreich.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

… Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Ja, durchaus. Man muss immer wieder Kompromisse finden. Ein geschlossener Kompromiss bspw. ist ein Erfolg. Aber persönlich und als Fachmann muss dieser Erfolg nicht zwingend Zufriedenheit auslösen. Manchmal kann man aber auch zufrieden sein, ohne dass man erreicht hat, was man wollte.

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Ethnologe

… Welches Hobby hätten sie gern (das Sie heute nicht ausüben)?

Ich würde mich gerne mehr mit Sprachen beschäftigen. Welche Sprachen sprechen Sie denn? Russisch, Englisch , Spanisch und rudimentär die Sprache der Cree-Indianer.

Blaue U-Bahn von vorne

Akzeptanzkommunikation für die Erweiterung der Münchner U-Bahn

Der Neubau einer U-Bahn-Strecke im Stadtgebiet ist ein Infrastrukturvorhaben, das hinsichtlich seiner Komplexität wohl kaum zu übertreffen ist. Die zu lösenden Herausforderungen sind dabei bei weitem nicht nur technischer Natur. Eine Vielzahl von Stakeholder-Gruppen muss identifiziert, über den gesamten Projektzyklus angesprochen und informiert und wo möglich in den Prozess eingebunden werden.

Seit Sommer 2020 unterstützt das Büro Hitschfeld die Stadt München beim Aufbau einer datengestützten Akzeptanzkommunikation für die geplante Erweiterung der Linie U5 West.

Um der vielschichtigen Aufgabenstellung gerecht zu werden, gilt es zunächst das Projektgebiet und seine Bevölkerung, die Medienlandschaft, die Struktur des bürgerschaftlichen Engagements und das gesellschaftliche und politische Meinungsbild aus möglichst vielen Blickwinkeln zu untersuchen.

Natürlich sind direkte Anwohner*innen im Trassenkorridor unmittelbarer vom Projekt betroffen, als Münchner*innen am anderen Ende der Stadt. Doch ein Großthema, wie der Ausbau des ÖPNV betrifft – spätestens, wenn es ums Geld geht – alle. Mieter*innen entlang der Trasse haben andere Interessen und Bedenken als Eigentümer*innen. Das Bedürfnis nach Information und Beteiligung variiert innerhalb diverser demografischer und gesellschaftlicher Strukturen. Gleichzeitig besteht bei Stakeholdern und Organisationen aus Politik, Verbänden, Wirtschaft, Medien, Zivilgesellschaft etc. eine Vielzahl an Interessen, Meinungen und Haltungen zum Projekt, die erkannt, verstanden und in den Projektkontext gesetzt werden müssen.

Dafür kommen verschiedene Analysetools zum Einsatz, deren Ergebnisse wo immer möglich und sinnvoll miteinander verknüpft werden:

Eine repräsentative Bevölkerungsbefragung, die in Zusammenarbeit mit dem statistischen Amt der Landeshauptstadt München durchgeführt wurde, gibt einen wertvollen Einblick in die Kenntnisse, Einstellungen, Befürchtungen, Wünsche und Prioritätensetzung der Bevölkerung zum Thema ÖPNV-Ausbau und der Erweiterung der U5.

Darüber hinaus offenbaren mikrogeografische Untersuchungen der Bevölkerung in unmittelbarer Umgebung der geplanten Trasse, im lokalen Umfeld der tangierten Bezirke und der Stadt München insgesamt Unterschiede, die in die Kommunikations- und Partizipationsplanung einfließen und es erlauben, mehr Menschen besser zu erreichen.

Frequenz, Art und Ton der Berichterstattung zur U5-Erweiterung, zu anderen aktuellen und vorangegangenen Infrastruktur-Projekten in der Region sowie zum Thema ÖPNV generell werden einerseits mit einer systematischen Medienanalyse und andererseits mit einem Social Media-Monitoring analysiert. Dies liefert einerseits einen weiteren Blick auf die Präsenz der Themen und wie die Meinungsbildung zu ihnen abläuft. Andererseits sind diese Erkenntnisse essenziell für die Planung von Krisenkommunikation.

Wie bei allen anderen Aspekten eines Projekts geschieht die Kommunikationsplanung aber auch stets vor dem Hintergrund begrenzter personeller, zeitlicher und finanzieller Kapazitäten. Hier eröffnet die Stakeholder-Netzwerkanalyse Ansätze zur möglichst effizienten Erreichung aller wichtigen Stakeholder(-gruppen) und Organisationen – z. B. über die Ansprache zentraler Akteure mit großer Reichweite und Brückenfunktion.

Das wahre Potenzial dieses Methodenmix‘ entfaltet sich dann in der Zusammenführung der Erkenntnisse der einzelnen Analyseteile. Das Ergebnis ist eine solide Grundlage für die Planung und Umsetzung von räumlich und inhaltlich differenzierter Information, Kommunikation, Bürgerbeteiligung und Krisenprävention. Hier bestätigt sich der Aphorismus, dass das Ganze größer ist als die Summe seiner Teile.

Hochbeet aus Holz mit der Aufschrift Canitz

Landwirtschaft versus Klimaschutz? Oder besser Klimaschutz durch Landwirtschaft?

Leipzig hat mit der Wassergut Canitz GmbH einen beispielgebenden Schatz.

Die Auseinandersetzungen um eine angemessene Lebensmittelversorgung der Bevölkerung in Zeiten des Klimawandels und des Artensterbens werden zunehmend erbittert geführt. Diese Diskussionen sind notwendig. Zu ihrer Einordnung hilft ein Blick auf die guten, auf die Best Practice-Beispiele. Die Wassergut Canitz, eine Tochter der Wasserwerke Leipzig, ist ein solches Beispiel. Sie betreibt biologische Landwirtschaft vor den Toren von Leipzig. Umweltschutz und Bodenfruchtbarkeit gehen Hand in Hand mit der Produktion pflanzlicher und tierischer Ökoprodukte. Anwendung von chemischen oder synthetischen Düngemitteln – Fehlanzeige. Dies alles geschieht – auch – zum Schutz der Trinkwasserressourcen im Einzugsgebiet der Wasserwerke Leipzig in Canitz, Naunhof, und Thallwitz.

Die Wassergut Canitz ist ein zertifizierter Musterbetrieb, der auf 750 Hektar Fläche wirtschaftet. Ihre Produkte finden zunehmenden Absatz in der Stadt Leipzig.Aber nicht nur die Produkte werden nachgefragt, sondern es werden auch Erfahrungen weitergegeben. Die Nachbarschaft zu Landwirten in der Region, gerade auch zu konventionell wirtschaftenden Betrieben, wird gepflegt und Know-how weitergegeben.

Die Stadt Leipzig verfügt damit über einen Schatz, der beispielgebend ist, Aufmerksamkeit und Unterstützung verdient.

Mit unseren Erfahrungen in Kommunikation und Akzeptanz und unserem Wissen über Umwelt- und Naturschutz freuen wir uns, den strategischen Weg der Wassergut Canitz begleiten zu dürfen.