21. Gewandhauskapellmeister: Willkommen Andris Nelsons | Büro Hitschfeld

21. Gewandhauskapellmeister: Willkommen Andris Nelsons!

Zur Einführung von Andris Nelsons in das Amt des Gewandhauskapellmeisters

Im Jahr seines 275. Bestehens bekommt das Gewandhausorchester einen neuen Chefdirigenten. Die Musikwelt schaut – einmal mehr – auf Leipzig. Aber auch in der Musikstadt Leipzig selbst ist der Maestro präsent und das liegt nicht nur an der allerorten wahrnehmbaren Plakatierung. Stolz liegt in der Luft, Freude auf das musikalisch Kommende, eine Erwartungshaltung, wie der mit internationalem Furor Ausgestattete das Wirken an seinen Wirkungsstätten in Leipzig und Boston miteinander verschränken wird.

Jeder Chefdirigent – hier heißt man wunderbar aus der Zeit gefallen und doch so aussagekräftig „Kapellmeister“ – muss in Leipzig mehr sein, als ein exzellenter Dirigent. Mit dem Amt repräsentiert er auch die Einrichtung, die für Leipzig wie kaum eine andere identitätsstiftend ist. Die damit verbundenen Erwartungen sind groß.

Jeder Kapellmeister hat diese Aufgabe in seiner Zeit anders angenommen und ausgefüllt. Und dass der „Gewandhauskapellmeister – nach dem Oberbürgermeister – der zweitwichtigste Mann in Leipzig sei“, wie Herbert Blomstedt einmal sagte, mögen deshalb manche Kapellmeister – aber auch Leipzigerinnen und Leipziger – gelegentlich andersherum gesehen haben.

Gibt es also wieder etwas, was von dem 275-jährigen Orchester und seinem 39-jährigen Dirigenten ausgehen kann, was über die Musik hinausreicht?

Vielleicht ist es die Zusammenarbeit mit Boston und dem Boston Symphony Orchestra, die in unserer Zeit einen solchen wichtigen Akzent setzt. Der Blick über den lokalen, regionalen, ja nationalen Tellerrand hinaus. Die Vorfreude auf Austausch, Anregung, Unterhaltung und Bildung at its best. Hinzukommen mag die Freude und Neugier an der Verknüpfung alter Tradition mit einem Künstler der jungen, experimentierfreudigen und neue Grenzen auslotenden Generation.

Das Büro Hitschfeld ist dem Gewandhaus seit vielen Jahren eng verbunden. Wir freuen uns auf die Zeit mit Andris Nelsons.

Katharina + Uwe Hitschfeld und Team

Wirtschaft treibt die künftige Deutsche Bundesregierung in Sachen Klimapolitik vor sich her | Büro Hitschfeld

Wirtschaft treibt die künftige Deutsche Bundesregierung in Sachen Klimapolitik vor sich her

Ein Beitrag von Katharina Hitschfeld

Das Koalitionspapier von CDU/CSU und SPD bleibt in seinen Aussagen zu Klimaschutzpolitik in geradezu empörender Weise unambitioniert und vage. Es trifft kaum konkrete Aussagen zur Ausrichtung einer künftigen verbindlichen deutschen Klimapolitik. Es trifft auch keine Aussage dazu, auf welche Art und Weise in diesen unter verschiedensten Gesichtspunkten zukunftsrelevanten Herausforderungen mit anderen Industrie- und Schwellenstaaten zusammengearbeitet werden soll. Gibt es das alles nicht, so verwundert es schon gar nicht mehr, dass es auch keine Aussagen darüber gibt, wie die beiden deutschen Volksparteien die Bevölkerung in diese Themen einbeziehen möchten.

Gut, dass es zunehmend Signale aus der deutschen Wirtschaft gibt, sich des Themas – anders als bisher – zuzuwenden. Wie auch einer Meldung des Handelsblattes vom 19.02.2018 zu entnehmen ist, sind 30 der führenden deutschen Konzerne bereit, sich dieser Aufgabenstellung sehr verbindlich anzunehmen, in firmeninterne Strategien umzusetzen und sich beispielsweise der „Carbon Prising Coalition“ – Büro Hitschfeld hat darüber mehrfach berichtet – anzuschließen.

Die deutschen Bundes-Koalitionäre sind gut beraten, sich dabei nicht von der Wirtschaft treiben zu lassen, sondern wieder selbst zum Treiber der Prozesse zu werden.

Es ist sinnvoll, diese prinzipielle Bereitschaft der Wirtschaft so in politisch und wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu übersetzen, dass damit die in den Leitbranchen notwendigen Systemwechsel eingeläutet werden, vor allen Dingen aber gestaltet werden können. Es macht dabei zunehmend wenig Sinn, die Energiebranche singulär zu denken. Politisch verantwortliches Handeln braucht einen großen Wurf und die Bereitschaft, die Sektoren Energie, Mobilität, Städtebau und Landwirtschaft gemeinsam zu betrachten, als Chance und nicht als Beschränkung zu denken.

Auf den Diskurs, das Gespräch, vor allen Dingen aber die verbindliche Beteiligung mit der eigenen Bevölkerung, den relevanten Institutionen und Organisationen darf sie dabei um den Preis der eigenen Beliebigkeit nicht verzichten.

Zum zehnten Jahrestag des Bürgerentscheids zur Stadtwerkeprivatisierung in Leipzig – und was man heute daraus lernen kann | Büro Hitschfeld

Zum zehnten Jahrestag des Bürgerentscheids zur Stadtwerkeprivatisierung in Leipzig – und was man heute daraus lernen kann

Anmerkungen von Uwe Hitschfeld

Im Januar 2008 gab es in Leipzig einen Bürgerentscheid. Im Kern ging es darum, ob 49,9 % der Stadtwerke Leipzig veräußert werden sollten. Dazu gab es ein Verkaufsverfahren, das der Stadtrat auf Antrag des Oberbürgermeisters beschlossen hat und welches von der KPMG geführt wurde. Die finale Offerte der Gaz de France (GdF), die durch den Rat nun akzeptiert werden musste, lag bei 0,520 Mrd. Euro – ein unglaublicher Preis.

In dem durch die „AntiPRivatisierungsInitiative Leipzig (APRIL)“ initiierten Bürgerentscheid stimmten 41 % der LeipzigerInnen ab und – mit deutlicher Mehrheit (87 %) – gegen die Teilprivatisierung (eigentlich: für ein Privatisierungsverbot für Firmen der kommunalen Daseinsvorsorge).

Damit scheiterte der Verkauf an die GdF, was damals deutschlandweit beachtet und kommentiert wurde.

Es lohnt, auf diesen für den Standort Leipzig bis heute bedeutsamen Vorgang zurückzublicken – man kann auch zehn Jahre danach daraus lernen.

Einige Beispiele:

Niemals Akzeptanz und Projektkommunikation vernachlässigen!

Schon während des Verkaufsverfahrens war klar, dass den Aspekten von Akzeptanz (für den Verkauf), Projektinformation und Einbeziehung der Bevölkerung durch den Verkäufer (vertreten durch den Oberbürgermeister und den Verfahrensführer (die KPMG)) viel zu wenig Beachtung geschenkt wurde.

Die gewählte Projektstruktur verhinderte (u.a. durch regide, restriktive und sanktionsbewehrte Vorschriften zur Kommunikation) geradezu die – von der Bevölkerung und den Medien im Verfahrensverlauf immer stärker eingeforderte, verbesserte Projektkommunikation.

Nicht nur, dass Verkäufer, Politik und die KPMG extrem zurückhaltend kommunizierten, die Bieter wurden bei Strafe des Ausschlusses aus dem Verfahren gehindert, diese Lücke zu füllen und für ihr Angebot zu werben und damit Argumente für den Verkauf in die öffentliche Diskussion einzuführen.

Ein überzeugendes „Warum?“ ist wichtig!

Der Verkäufer hatte bei der Projektbegründung sehr frühzeitig seinen Schwerpunkt auf den fiskalischen und haushalterischen Aspekt der Transaktion gelegt.

Strategische Gesichtspunkte für die Standort- und Unternehmensentwicklung durch die mögliche Bindung eines neuen, potenten Unternehmens an den Standort Leipzig und die Stadtwerke blieben außen vor oder wurden nachrangig kommuniziert.

Es erwies sich rasch, dass diese Begründung („wir bekommen viel Geld“) nicht geeignet war, strategische Chancen im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Eine inhaltliche und strategische Auseinandersetzung mit den „Transaktionsgegnern“, die auf die Linie „Verkauf des Tafelsilbers verhindern“ und „Finger weg von den Unternehmen der Daseinsvorsorge“ konnte so nicht geführt werden.

Die Projektgegner nicht unterschätzen!

Dem zögerlichen, schweigsamen Verkäufer und den zum Schweigen verpflichteten Bietern stand rasch ein kommunikationsstarker Projektgegner gegenüber.

Die Kampagnenfähigkeit und Entschlossenheit des APRIL-Bündnisses, zu dem immerhin mit ATTAC, VERDI, Parteien und verschiedenen Vereinen im politischen Diskurs erfahrene Akteure gehörten, wurde sträflich unterschätzt.

Und nicht zuletzt: Man muss hinter dem eigenen Projekt stehen und dafür eintreten!

Die Haltung des Verkäufers war wankelmütig. Hatte der Oberbürgermeister das Verkaufsverfahren zunächst initiiert und die dafür erforderlichen Beschlüsse herbeigeführt, änderte sich diese Haltung unter dem Eindruck des sich formierenden Widerstands.

Das (kommunikative) Feld der Auseinandersetzung wurde mehr und mehr den Projektgegnern überlassen, die diese Offerte dankbar annahmen.

Und heute?

Es ist schwer vorstellbar, dass die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in die Meinungsbildung und Entscheidungsfindung eines solch wichtigen, kommunalpolitischen Projektes auf ähnliche Weise wie damals konzeptionell angelegt würde.

Ein strategisches Akzeptanzmanagement, das auch eine angemessene Informationspolitik und Partizipationselemente einschließt, gehört – eigentlich – zu den Selbstverständlichkeiten des Projektdesigns von Vorhaben solcher Tragweite.

Auch wenn es heute seltener um Privatisierungsprojekte der öffentlichen Hand, sondern oft um den Ausbau oder die Modernisierung der Infrastruktur geht, die Bedeutung von Akzeptanzmanagement, Partizipation und Information für den Projeterfolg ist erheblich.

Deshalb lohnt der Blick zurück – auf das Beispiel von Leipzig.

Belohnung statt Entschädigung? Jürgen Vormeier und Uwe Hitschfeld in FAZ zu Belohnungen bei Infrastrukturprojekten

Belohnung statt Entschädigung?

Namensartikel von Jürgen Vormeier und Uwe Hitschfeld in der FAZ: Wie wäre es, wenn von Infrastrukturprojekten „Betroffene“ nicht wie bisher für einen erlittenen Nachteil „entschädigt“, sondern für den der Gesellschaft erwiesenen Dienst „belohnt“ würden? Der Richter am Bundesverwaltungsgericht Vormeier und Uwe Hitschfeld haben sich – wie jetzt auch in der FAZ veröffentlicht – mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Zum Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung…