Ostdeutsches Energieforum

6. Ostdeutsches Energieforum: ein kurzes Resümee

Das ostdeutsche Energieforum fand am 29. und 30. August zum 6. Mal in Leipzig statt. Das sich selbst als die „Denkfabrik der ostdeutschen Energiewende“ beschreibende Forum stand unter der Schirmherrschaft der Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypris, die leider nicht persönlich anwesend war.

Auch dieses Jahr waren nach Angaben des Veranstalters rd. 350 TeilnehmerInnen aus Politik, (Energie)Wirtschaft und dem Mittelstand zugegen, um Fragestellungen rund um

  • Bilanz und Ausblick der Energiewende
  • Netzausbau und Speichertechnologien
  • Klimaschutzziele ebenso wie
  • die Rolle der Braunkohle in der Energiewende zu diskutierten.

Bundesminister Peter Altmaier spricht auf dem Energieforum

Bundesminister Peter Altmaier, früherer Umweltminister und nunmehriger Chef des Kanzleramtes, nutzte seinen Keynote-Vortrag dazu, eine positive Bilanz des Regierungshandelns in der vergangenen Legislaturperiode zu ziehen – nicht verwunderlich in der heißen Phase des Wahlkampfes.

Es seien maßgebliche Investitionen in den Infrastrukturbereich getätigt worden. Dies gilt es beim Umbau der Energieversorgung und dem beschleunigten Netzausbau fortzusetzen. Er betonte, dass Strom auch unter den Maßgaben der Energiewende langfristig für Unternehmen und private Haushalte bezahlbar bleiben müsse. Die 5-Stufen-Lösung zur Angleichung der Netznutzungsentgelte bis 2023 solle ein Punkt auf diesem Wege sein. Neue Subventionstatbestände für den Osten, der zweifelsfrei Vorreiter der Energiewende und damit besonders belastet sei, sollen jedoch nicht geschaffen werden.

Über das von ihm, aber auch von anderen Sprechern Gehörte hinaus, gäbe es inhaltlich einiges zu diskutieren, zum Beispiel den Versuch Brandenburgs, sich von den eigenen Klimazielen zu verabschieden wie auch den „Kohlebrief“ der Ministerpräsidenten, den der sächsische Ministerpräsident Tillich auch im Namen der Bundesländer Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen geschrieben hat und dessen Auswirkungen auf den Klimaschutz und die Energiewende. Besonders durch die Ministerpräsidenten Haseloff, Tillich und Woidke wurde der Wille zum Festhalten am Braunkohlenstrom immer wieder thematisiert und mit Argumenten unterfüttert, die Dr. Graichen, Direktor der Agora Energiewende, jedoch höflich aber bestimmt als Diskussion von gestern bezeichnete.

7-Punkte-Forderungskatalog

Durch die Veranstalter des Ostdeutschen Energieforums wird dem Diskussionsbedarf der Branche mit einem 7-Punkte-Forderungskatalog begegnet:

  1. Systemintegration der Erneuerbaren Energien (EE) und Ausbau der Infrastruktur vorantreiben!
  2. Netznutzungsentgelte reformieren – Standortnachteile Ostdeutschlands beseitigen!
  3. Steuern und staatlich induzierte Belastungen reduzieren!
  4. Strommarkt unter Berücksichtigung ostdeutscher Besonderheiten weiterentwickeln!
  5. Perspektive für die ostdeutsche Braunkohle schaffen!
  6. Ostdeutsche Kompetenz für sichere Gasversorgung erhalten!
  7. Anreize statt Audits: Betriebliche Energieeffizienz fördern!

Bei Punkt 2 hat die derzeitige Regierung, wie auch durch Bundesminister Altmaier und Staatssekretärin Gleicke  in ihren Vorträgen bestätigt, bereits geliefert. Dem Anspruch aber, Denkfabrik der ostdeutschen Energiewende zu sein, wird mit Forderungen, dass Kraftwerkparks auf Basis konventioneller Energieträger integrativer Bestandteil künftiger Strommärkte bleiben müssten und für die Braunkohle Rahmenbedingungen und Perspektiven zu bieten seien, nicht wirklich Rechnung getragen.

Eine mutige, gestaltend in die Zukunft gewandte und innovative Diskussion wird dieser Forderungskatalog daher kaum auf den Weg bringen.

Immer wieder blitzt in der Debatte die Forderung auf, das Thema Energiewende sektorenübergreifend zu diskutieren und den Wärme- und Mobilitätsmarkt einzubinden.

Es wäre Zeit für mehr Ehrlichkeit und eine verantwortungsvolle Klima- und Energiepolitik.

Ein Signal in diese Richtung ging vom ostdeutschen Energieforum nur verhalten aus.

Hier geht’s zum Trailer

Tag der offenen Tür im BMVI 2017

Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur öffnete dem Publikum die Türen am 26. und 27. August

Auch anspruchsvolle und akzeptanzkritische Themen können publikumswirksam umgesetzt werden// Seit 2 Jahren betreut das Büro Hitschfeld das BMVI im Bereich „Lärmschutz im Schienenverkehr“ im Rahmen eines Konsortiums.

Rund 230.000 Kilometer überörtliches Straßennetz, fast 38.000 Kilometer Schiene und mehr als 7.500 Kilometer Wasserstraßen gibt es in Deutsch­land. „Unser Morgen wird heute gemacht“ so überschrieb das BMVI die beiden Veranstaltungstage zum Tag der offenen Tür am 26. und 27. August 2017 in Berlin. Wir haben uns die Veranstaltung angeschaut, beraten wir doch das BMVI seit zwei Jahren  im Rahmen eines Konsortiums zu Fragen des „Lärmschutzes im Schienenverkehr“.

Das Interesse von Fachleuten und breitem Publikum war groß. Die Frage „Wie wollen wir künftig leben?“  wurde anhand von Investitionsbedarfen, Entwicklungs- und Mobilitätskonzepten im Fachpublikum sehr konkret diskutiert.

Für das Publikum wurden diese Themen überraschend gestaltet. Die zahlreichen Gäste standen Kopf im Überschlags­simulator, sie übernahmen die Flugleitung in einem Tower und versuchten, sich mit Roboter Humanoid „Pepper“ zu unterhalten. Autonomes Fahren mit der Luxus­limousine F015 war ebenso erlebbar wie das Bauen der Zukunft via Holo­gramm-­Box.  Alles in allem zeigte das BMVI mit viel Ideenfreude, Aktion und Virtual Reality, wie man auch schwierige Themen publikumswirksam umsetzen kann.

 

Beobachtungen zur Bundestagswahl 2017 | Büro Hitschfeld

Beobachtungen zur Bundestagswahl

Am 24. September ist Bundestagswahl.

Wir schließen unsere kleine Reihe mit Beobachtungen zum Wahlkampf mit einem Zitat von Hans-Joachim Heist, vielen bekannt als „Gernot Hassknecht“:

Wahlkampf ist das Hochamt der politischen Kommunikation. Klar, dass Kommunikationsfachleute in dieser Zeit mit besonders wachem Blick unterwegs sind. An dieser Stelle wollen wir in den Tagen bis zur Wahl Dinge zeigen, die uns im Bundestagswahlkampf besonders aufgefallen sind.

Nicht ohne ein Augenzwinkern, das Leben ist ernst genug.

Wahlplakat - Die Partei I ©Hitschfeld

Den Preis für Effektivität im Wahlkampf gewinnt „DIE PARTEI“ für ihr multithematisches Plakat.

Kombinierbar mit praktisch jedem Plakat der politischen Konkurrenz.

Gefunden in Erfurt.


wahlplakat-fdp-digitalisierung-first

Es gibt noch immer Leute, die sich für den Ausbund an Modernität und Digitalisierung halten, wenn sie sich immerzu mit einem Smartphon beschäftigen.

Der Posterboy der FDP scheint diesem Irrtum ebenso aufgesessen zu sein, wie den des Deutschen offenbar unzureichend mächtigen Sprachpanschern in seiner Umgebung.

Gefunden in Leipzig.


Was wird hier abgebildet? Die Kandidaten, die Zielgruppe?

Ist das ein Testimonial? Satire? Realität?

Gefunden im Internet.


Von der „Partei“ haben wir satirische Beiträge im Wahlkampf ohnehin erwartet. In diesem Fall schließen wir uns auch der Grundaussage an: „Die Wahlentscheidung will gut überlegt sein!“

Gefunden in Erfurt.


Klare Aussage, mit geschlossenen Augen und gegen die Sonne guckend:

Für alle, die nicht wissen, warum sie SPD wählen sollen!

Gefunden in Erfurt.

Steffi Klement | Büro Hitschfeld

Das Büro Hitschfeld stellt sich vor | Steffi Klement

Das Team Hitschfeld kennen Sie mit Bild und Wort von unserer Über-uns-Seite.  Wir möchten hier zu einem zusätzlichen Blick auf die Menschen, die unser Büro ausmachen, einladen. Heute Steffi Klement, Büroleiterin:

Was macht mehr Sinn, als mit der von uns allen sehr geschätzten Leiterin des Büros, Steffi Klement, zu beginnen?

Steffi Klement ist von Haus aus Diplom-Pädagogin. Die einer guten Pädagogin eigenen Fähigkeiten des Strukturierens, Bändigens, des Geduldbeweisens und der konstruktiven Kritik bündelt sie in ihrer nunmehr 12-jährigen Tätigkeit im Büro Hitschfeld.

Nach eigener Aussage möchte sie nicht präsent im Vordergrund stehen, schon gar nicht über sich selbst sprechen, und so übernehmen wir – die Kollegen – diese Aufgabe. Je eine beschreibende Aussage durfte getroffen werden. Hier ist das Ergebnis:

„Frau Klement managt uns alle.“

„Frau Klement erinnert sich an alles.“

„Frau Klement erinnert sich an Jeden und Jede.“

„Sie ist stresserfahren und stresserprobt.“

„Frau Klement ist absolut loyal.“

„Ich möchte Frau Klement nicht missen“.

„Sie ist eine gute Kritikerin mancher Vorhaben.“

Dass Frau Klement neben der Arbeit im Büro Hitschfeld eine erfahrene Gärtnerin ist und Schildkröten sammelt, hat sie uns erlaubt mitzuteilen.

 

 

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Volker Krebs/ Münchner Verkehrsgesellschaft mbH

Büro Hitschfeld im Gespräch mit Volker Krebs/Münchner Verkehrsgesellschaft mbH

Name: Volker Krebs

Alter: 63

Wohnort: Erfurt/München

Beruf: Verkehrsingenieur

Tätigkeit: Vertriebschef der Münchner Verkehrsgesellschaft

Hobbys: Literatur, Musik, Architektur, Stadtplanung

…Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst werden, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

Ich glaube nicht: Wenn wir zu uns ehrlich sind, haben wir über lange Strecken Verantwortung „nach oben“ abgegeben. Für professionelle Planung werden ja schließlich Leute bezahlt und die sollen es richten. Inzwischen haben wir selbst erfahren: Es gibt in der Regel mehr als eine Möglichkeit, ein Ziel zu erreichen und warum sollte man dann nicht eine Variante wählen, die möglichst vielen Anforderungen gerecht wird und eine positive Einstellung der Öffentlichkeit zu einem Vorhaben fördert? Ein kleines Beispiel aus meiner Berufspraxis: Früher haben wir Verkehrsanlagen vor allem aus der Wartungs- und Instandhaltungssicht geplant, schließlich hatten wir selbst die Folgen in den Aufwendungen zu tragen. Wir hatten uns auf eine bestimmte Arbeitsweise eingestellt. Öde, versiegelte Oberflächen waren die Folge, eine Zumutung für Anwohner und Nutzer. Bis uns ein Fachkollege aus Augsburg die Augen dafür öffnete, welch sympathische Ausstrahlung eine anspruchsvolle Gesamtgestaltung zum Schluss sogar auf uns selbst, den Auftraggeber, zurückfallen kann. Und das hat vor allem mit eigenem Engagement, der Bereitschaft zum weiteren Lernen zu tun und weniger mit Geld.

…Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung nicht mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Mein persönlicher Eindruck ist, dass man der Bevölkerung nicht einfach einen Haufen undifferenzierter Möglichkeiten vor die Tür kippen darf. Durch die Art und Weise der Präsentation und Kommunikation müssen wir Entscheidungshilfe anbieten. Darauf hat Öffentlichkeit ein Recht, schließlich sind wir auch die Fachleute. Und dies darf eben nicht erst dann beginnen, wenn unter Zeitdruck eine möglichst uns gemäße Entscheidung herbeigeführt werden soll. Es gibt viele Themen, die lohnen eine ständige öffentliche Reflektion darüber, ob ein Optimum an Entwicklung schon erreicht ist und wo neue Ausrichtungen liegen könnten.

…Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Viele haben schlechte Erfahrungen gemacht und das prägt häufig eine misstrauische Einstellung. Für mich liegt der Schlüssel in der inneren Haltung: Ist der Dialog nur ein pflichtgemäßer, unvermeidlicher Vorgang zur Durchsetzung allein meiner Zielstellung oder geht es darum, über einen Dialog auf Augenhöhe im Grunde eine gesellschaftlich, volkswirtschaftlich oder kulturell wertvolle Entwicklung voran zu bringen. Und meine Erfahrung lautet: Wenn ich selbst von etwas überzeugt bin, dann kann meine Begeisterung auch auf andere überspringen. Und wenn ich zu verstehen gebe, dass Bürgerinnen und Bürger, die unter einem Vorhaben subjektiv oder objektiv Nachteile erfahren, vernünftig entschädigt oder anderweitig berücksichtigt werden, wird sich der Eindruck von Fairness durchsetzen.

…Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?   

Manchmal gibt es sie, die ideal vorbereiteten, von begnadeten Projektbeteiligten getragenen Vorhaben. Sie schweben auf einer Woge der Zustimmung und Sympathie und haben in bewundernswert schneller Zeit ihr bzw. das öffentlich gewollte Ziel erreicht. Kommt vor, aber selten. In der Regel ist es doch ein Mix aus allem, auch mit Anteilen von Oberflächlichkeit, Arroganz, eindimensionaler Zielstellung. Und weil wir alle Menschen mit unseren Defiziten sind, ist das Angebot, dass sich jedermann einmal anschauen möge, was wir uns gedacht haben, doch der beste Schutz davor, Wesentliches übersehen zu haben. Nein, schon aus Selbstschutz darf man sich das nicht schenken!

…Und wann ist man erfolgreich?  Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

…wenn ein Vorhaben inhaltlich verstanden und akzeptiert wurde, wenn es nach der Bürgerbeteiligung für alle Betroffenen qualitativ an Reife gewonnen hat und wenn letztlich alle etwas dazugelernt haben.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen:

Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Nein! Je älter ich werde, umso weniger. Mir macht es keine Freude mehr, etwas erreicht zu haben, bei dem die Betroffenen das Kleingedruckte nicht mitbekommen haben.

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Manchmal träume ich davon, Reiseveranstalter, Lehrer oder Betreiber eines guten Restaurants zu sein. Aber dann komme ich doch immer wieder zurück zur für mich schönsten Sache der Welt, dazu beizutragen, dass Menschen mobil sein können und real, nicht nur virtuell, zu einander finden.

Welches Hobby hätten Sie gern (das Sie heute nicht ausüben)? 

Orgel spielen!

 Wir danken Ihnen für das Gespräch!

Sinn und Unsinn der Markt- und Meinungsforschung in Wahlzeiten

Wer kennt nicht gerne den Wasserstand?

Von Sinn und Unsinn der Markt- und Meinungsforschung in Wahlzeiten

Die Demoskopen haben Hochkonjunktur kurz vor der Bundestagswahl – und gleichzeitig steigt die Anzahl kritischer Töne. Besonders pointiert sind dabei die PolitikerInnen selber, die gerne mit verächtlichem Unterton von „Wasserstandsmeldungen“ sprechen, die sie nicht scheren. Was ist dran an dieser Geringschätzung?

Ein wichtiger Aspekt: Die kommende Bundestagswahl ist objektiv eine harte Probe für die Zunft – dies liegt an zwei Faktoren, die hier zusammenkommen.

A) Am 24. September wird es für einige Parteien und Koalitionsoptionen sicher knapp werden. Exemplarisch zeigt sich das bei der 5%-Hürde. Zwei Umfragen, einmal mit einem Ergebnis von 4,9% und einmal 5,1%, mögen jeweils seriöse und exakte Umfragewerte sein, trotzdem hat die minimale Differenz maximale Auswirkungen (und redliche Institute weisen in einer Fußnote oder einem Methodenteil auf die Schwankungsbreite ihrer Ergebnisse hin).

B) Am 24. September geht es um konkretes Handeln. Wo macht der Wähler sein Kreuz? Im Vorfeld mag es viel um Meinungen und Images gegangen sein, aber von der Einstellung hin zur Tat ist es noch einmal ein weiter Weg. Das ist oft im Leben (und damit in der Marktforschung) so. „Die Versicherung wechseln? Wollte ich schon lange, aber tatsächlich gemacht?“ Mülltrennen finden wir alle gut – aber wie konsequent sind wir beim tatsächlichen Handeln? Nicht anders bei der Wahl: Für „XY“ (Person/Partei) Sympathien hegen ist das eine – aber tatsächlich dort mein Kreuz machen?

Damit kommen wir geradewegs zu zum anderen, zentralen Aspekt: Es gibt zwei Arten von Wahlforschung. Die eine produziert Zahlen, die der Vermarktung, der kommunikativen Verwertung dienen. Das mag man bedauern, aber so sind unsere (social-)media-getriebenen Zeiten. Auch die Politik mischt hier gerne und viel mit.

Die andere Art der Wahlforschung fragt natürlich am Ende des Tages auch nach Wählerstimmen. Schon weit vor einer Wahl wird aber – mit qualitativen und repräsentativen Methoden der Sozialforschung – nach den oft verschlungenen und komplexen Motiven gesucht, die am 24. September Entscheidungen maßgeblich beeinflussen. Alle Parteien treiben in diesem Bereich großen Aufwand. Anschließend mühen sie sich, dass die Daten nicht an die Öffentlichkeit gelangen, nutzen sie aber ausgiebig als zentrale Elemente ihrer Strategieplanung.

Wenn also ein Politiker, der mit den für ihn schlechten Zahlen konfrontiert wurde, die Metapher von der Wasserstandsmeldung bemüht, dann glauben wir ihm seine Kritik erst, wenn er im zweiten Halbsatz verkündet, dass seine Partei kein Geld mehr für solchen „Unsinn“ ausgeben wird. Wir haben ihn noch nicht getroffen.

Und was sind die „learnings“ über die Wahl am 24. September hinaus?

  1. Strategische Entscheidungen brauchen eine rationale Datenbasis. Deshalb ist und bleibt „Marktforschung“ unverzichtbar.
  2. Die operative Nutzung von Forschungsdaten ist genauso legitim, wie eine reine Zahlengläubigkeit naiv ist.
  3. Zahlen sprechen nicht (oder nur selten) für sich. Erst das Einordnen, die Interpretation, das Bewerten und Abwägen, die Verknüpfung mit weiteren Faktoren führt zu brauchbaren Schlussfolgerungen.

Erst dann wird aus Zahlen und Daten Rat und Beratung.

Ein Artikel von Christoph Eichenseer

Die Politik sollte sich wieder mehr von einer marktwirtschaftlichen Perpektive den Herausforderungen bei Klimaschutz und Energiepolitik nähern | Büro HItschfeld

Für mehr Marktwirtschaft in der Klimaschutz- und Energiepolitik

Ein Kommentar von Uwe Hitschfeld

Die Zeit vor der Bundestagswahl ist ein virtueller Marktplatz von Ideen und Konzepten – oder sollte dies jedenfalls sein.

Man hat den Eindruck, dass in den letzten Wochen und Monaten Klimaschutz und Energiepolitik von ihren vorderen Plätzen zurückgedrängt wurden.

Sehr zu Unrecht – geht es doch hier um nicht weniger als das „Rückgrat der Wirtschaft“ und die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland. Der Bedarf an guten Ideen und Konzepten – auch über die nächste Legislaturperiode hinaus- ist also groß.

Besonders willkommen wären Ideen, die sich den Herausforderungen beim Klimaschutz und in der Energiepolitik wieder mehr von marktwirtschaftlicher Perspektive nähern.

Bemerkenswert war in diesem Zusammenhang die Initiative des Financial Stability Board (FSB), die am Vorabend des G20-Gipfels (u. a.) Ende Juni vom Gouverneur  der Bank of England, Mark Carney, im Handelsblatt vorgestellt wurde.

Im Kern geht es darum, Unternehmen (zunächst freiwillig) anzuregen, klimarelevante Informationen im unternehmensinternen Controllingsystem zu erfassen und zu veröffentlichen. Die Idee setzt bei den Interessen der Anleger, Investoren und Eigentümern der Unternehmen an. Deren Interesse, die Werthaltigkeit ihres Eigentums zu sichern, zu verbessern und danach ihre Anlagestrategien auszurichten, ist eine der wichtigsten Triebfedern unseres Wirtschaftssystems. Die Einbeziehung klimarelevanter Informationen in das „Beurteilungs- und Entscheidungsschema“ von Investoren ist damit ein systemkonformes Steuerungsinstrument, das grundsätzlich auch auf den öffentlichen Sektor übertragbar wäre.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das CDP (Carbon Disclosure Projekt). In einem Interview mit dem Tagesspiegel Background vom 24.8. hat Steven Tebbe, Niederlassungsleiter des CDP unter anderem in Deutschland, die Erfahrungen und erzielbaren Effekte mit einem solchen Vorgehen dargestellt.

Solche systemkonformen Instrumente – wie es auch ein reformierter CO2-Handel wäre – brauchen wir verstärkt, wenn der Klimaschutz und die Energiewende in den nächsten Jahren wirklich vorangebracht werden sollen. Ein erfolgreicher Weg zum Klimaschutz und zu einer neuen Energiepolitik kann in einem marktwirtschaftlichen System nicht allein aus interventionistischen, regulatorischen und appellatorischen Maßnahmen bestehen.

Diesen Aspekt verstärkt ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, wäre jetzt eine gute Zeit.

Zum Tode von Dr. Hinrich Lehmann-Grube

Was bleibt – Gedanken zum Tode von Hinrich Lehmann-Grube

Am 14. August haben wir Dr. Hinrich Lehmann-Grube beerdigt.

Die Stadt Leipzig ehrte ihren Ehrenbürger mit einem Trauergottesdienst in der Thomaskirche.

Er war Beigeordneter in Köln, Oberstadtdirektor in Hannover und – vor allen Dingen – hoch erfolgreicher und geachteter Oberbürgermeister im Nachwende-Leipzig. Er war Familienvater und Freund, ein Sozialdemokrat, wie man sich einen vorstellt -aber kein Parteisoldat.

Über seine Verdienste ist in den letzten Tagen viel geschrieben worden. Für uns, die den Vorzug hatten, für ihn in prägenden Zeiten zu arbeiten, und die ihm und seiner Frau Ursula später freundschaftlich verbunden waren, gibt es da wenig hinzuzufügen.

Einige Konturen und Schattierungen in dem Bild, das jetzt von ihm gezeichnet wird, sollten klarer, kontrastreicher sein, damit es ihm auch gerecht wird. Klar und deutlich, ohne dabei zu verklären.

Was bleibt also?

Nichts weniger als ein „Stadtchef“

Im ihrem Leitartikel am Tag nach seinem Tod bezeichnet ihn die Leipziger Volkszeitung als „ehemaligen Stadtchef“. Was für ein Missverständnis!

Hinrich Lehmann-Grube hat sich als nichts weniger gefühlt denn als „Chef der Stadt“, auf die er sich so sehr eingelassen hat. Mehr als einmal ist ihm diese Rolle –  gerade in den unmittelbaren Nachwendezeiten – von den diktaturgeprägten und im Eingabesystem der DDR erfahrenen Leipzigerinnen und Leipzigern angedient worden.

Als Oberbürgermeister sah er aber eine seiner vornehmsten Aufgaben darin, das geschundene Selbstbewusstsein der Stadt zu stärken, Bürgersinn wiederzuerwecken und zu bürgerschaftlichem Engagement zu ermuntern. Er verstand sich als „Gärtner in einem schönen, aber verwilderten Park“ – an dieses Bild ist in mancher Trauerrede erinnert worden.

Dem Stadtrat war er ein umsichtiger, erfahrener Vorsitzender in einer Zeit, in der es an demokratischen Erfahrungen noch mangelte. Er saß dem Rat vor – er thronte nicht über ihm.

Erfahrungen nutzen und ihnen gleichzeitig misstrauen

Hinrich Lehmann-Grube kam mit einem reichen Erfahrungsschatz nach Leipzig. Ein gutes Fundament für eine nahezu übermenschliche Aufgabe in wilden Zeiten.

Er hat der Versuchung widerstanden, sich auf diesen Erfahrungen auszuruhen. Er war offen für Neues, organisierte sich Widerspruch und hielt ihn auch aus.

Er glaubte sich nicht im Besitz der Wahrheit. Am Ende einer Auseinandersetzung entschied er deshalb nicht „was wahr und richtig ist“, sondern „was in der jeweiligen Situation gilt“. Er war sich des feinen Unterschiedes immer bewusst.

Ratgeber und Zuhörer

Oft ist Hinrich Lehmann-Grube in den vielen Wortmeldungen nach seinem Tode als „unverzichtbarer Ratgeber und Vorbild“ bezeichnet worden. Für die, die sich nicht nur mit ihm schmücken wollten, war er ein kenntnisreicher, urteilssicherer Partner. Nicht vorschnell im Urteil, zuhörend, klug nachfragend, zupackend und in der Lage, Entscheidungen zu treffen. Er war ein guter Zuhörer. „Dazu habe ich bisher nur eine Meinung und noch kein Urteil“ war ein Satz, der seine analytische Herangehensweise gut beschreibt.

Das tut man nicht.“

Hinrich Lehmann-Grube hatte einen guten Kompass im Leben. Nicht – wie man es von einem Juristen vielleicht erwarten könnte – in einem juristischen, regulatorischen Sinne.

Bei ihm kamen Charakterstärke, Integrität, Menschlichkeit mit politischer und exekutiver Kompetenz zusammen.

Bei der Beantwortung der Frage, „was man tut“ – und was eben auch nicht – war er uns in seinem Umfeld deshalb Vorbild. Viele dieser Ansichten prägen unser Tun und unsere Abwägungen noch heute.

Hinrich Lehmann-Grube war nicht nur ein Glücksfall für Leipzig – es ist ein Glück, ihn erlebt und sich mit ihm auseinandergesetzt zu haben.

Leipzig, am 16. August 2017

Katharina und Uwe Hitschfeld

Wir trauern um unseren Freund Dr. Hinrich Lehmann-Grube

Er ist am 6. August 2017 nach langer schwerer Krankheit friedlich eingeschlafen.

Er hat unsere Stadt in bewegten Zeiten geprägt mit Kenntnis, Zuverlässigkeit und einem klaren inneren Kompass. Bürger der Stadt Leipzig war er mit Leidenschaft und Engagement über sein Amt hinaus.

Nach 25 Jahren der Freundschaft, der Arbeit, gemeinsamer Wanderungen und des Diskutierens wirst du uns fehlen.

Unser herzliches Beileid gilt der Familie.

Katharina und Uwe Hitschfeld und das Team des Büros Hitschfeld

Das Büro Hitschfeld erscheint bald im neuen Gewand. Sanierungsarbeiten am Haus beginnen.

Das Büro ist eine Baustelle

Hinter verschlossenen Türen und Fenstern sitzen wir hinter staubigen Schreibtischen und genießen eine eindrucksvolle Geräuschkulisse.

Wir bitten um Mitleid, Geduld und nehmen gern Trost und anderweitige Zuwendungen entgegen.