Expertntreffen Energiemetropole Leipzig

So geht Zukunft nicht

Anmerkungen zum 11. Expertentreffen Energiemetropole Leipzig

von Katharina Hitschfeld

In den Zeiten der Regierungsbildung in Berlin und Sachsen gibt es sicher wenig wichtigere und aktuellere Themen als den Klimaschutz und die Energiepolitik. Hervorragende Voraussetzungen für eine Tagung zur Energiemetropole Leipzig – sollte man meinen.

Leipzig investiert in die Zukunft – unter diesem Motto lud das Amt für Wirtschaft der Stadt Leipzig gemeinsam mit NEU, dem Netzwerk Energie & Umwelt e. V., zum 11. Expertentreffen der Energiemetropole Leipzig ein.

In seiner Begrüßung erklärte Uwe Albrecht, Bürgermeister und Beigeordneter für Wirtschaft und Arbeit der Stadt Leipzig: „In Leipzig investieren, heißt in die Zukunft investieren“. Am Ende des Tages möchte man ihm zurufen, warum investiert dann die Stadt Leipzig nicht in seine Formate und damit in die eigene Zukunft?

Denn das Expertentreffen am 11. Dezember entpuppte sich leider als eine Aneinanderreihung von Power Points. Und das, obwohl die Themen hochaktuell und durchaus spannend waren: So konnten sich die Teilnehmer informieren, wie man mit Green Investments Geld verdienen und gleichzeitig etwas Gutes für unser aller Zukunft tun kann oder wie das Sächsische Ministerium für Wirtschaft und Arbeit Innovationen fördert.

Für das Highlight des Tages sorgte Hannes Ross. Er gehört zum Schweizer Team Solarimpulse, das den ersten Solarflug um die Welt realisiert hat. Fasziniert hörten die Teilnehmer die Geschichte der ersten emissionsfreien Weltumrundung 2016 an. Eine Innovation, die auf der Idee zweier flugbegeisterter Männer 2001 basierte und 15 Jahre hartnäckigen Erfindergeist und Sponsoring brauchte.

So geht Zukunft. Aber was bedeutet das für Leipzig?

Wenn wir beim 11. Expertentreffen der Energiemetropole Leipzig etwas mitgenommen haben, dann: Innovationen entstehen durch Querdenken, durch das Herausbegeben aus alten Mustern und Strukturen. Leider war die Tagung kein Best-Practice-Beispiel für neues Denken oder neue Wege, dafür bewegte sie sich viel zu stark in altbekannten Formaten und stellte den anwesenden Experten zu viele bekannte Projekte vor.

Advent

Wir wünschen allen Besuchern unserer Webseite eine gute Adventszeit!

Mögen Sie trotz vollgepackter Terminkalender hin und wieder einen Moment zum Innehalten haben und auch die Zeit für den obligatorischen Weihnachtsmarktbesuch.

Das Team des Büros Hitschfeld

 

Wie lässt sich Digitalisierung in der Gesellschaft kommunizieren.

Wie wir über Digitalisierung reden….

Anmerkungen zu einem Thema, das in aller Munde ist….

von Uwe Hitschfeld

Digitalisierung ist in aller Munde. Keine Sonntagsrede, keine Wahlkampagne kommt ohne das Schlagwort aus. Bei den Jamaika–Sondierungsgesprächen war „Digitalisierung“ eines der wenigen Themenfelder, bei dem man sich wohl hätte schnell einig werden können und auch das Handelsblatt widmete dem Thema eine Wochenendausgabe (01.12.17).

Lässt man zunächst außen vor, dass zur Zeit wohl jeder eine eigene Auffassung davon hat, was unter „Digitalisierung“ denn konkret zu  verstehen ist und welche Auswirkung  auf das eigene Umfeld damit verbunden sein könnten, und schaut man sich die Entwicklung der Debatte mit einigem Abstand kritisch an, so fallen einige Aspekte ins Auge.

Wie so oft wird die Diskussion vor allen Dingen technik- und technologiegetrieben geführt. Wird über Digitalisierung diskutiert, rücken ihre Chancen in den Vordergrund, während das (mangelnde) Tempo, mit dem sich die Digitalisierung entwickelt, eifrig beklagt wird. Von allen Seiten werden Forderungen laut, die erforderliche Infrastruktur – nun endlich – auszubauen und das (Aus-)Bildungssystem entsprechend zu renovieren.

Wird über Digitalisierung diskutiert, werden Bilder von einer neuen Welt gemalt, die bunter, futuristischer und technischer kaum sein könnten. Freunde von Anglismen und Sprachpanscher haben hier ihre helle Freude und tummeln sich zahlreich und ungestraft im Dunstfeld der Digitalisierung.

Unwillkürlich erinnert man sich an die Art Diskussion, die am Anfang der Entwicklung zum Thema „Globalisierung“ geführt wurde, oder – wenn es eine Nummer kleiner sein darf – an die Debatte um die Abscheidung und Speicherung von CO2 bei Kohlekraftwerken (CCS-Technologie) bei uns in Deutschland.

Die Tatsache, dass viele Menschen solche Technologien eher als Bedrohung empfinden und der Welt, die sich nun vor ihnen auftut – vermeintlich schön, bunt, chancenreich und verheißungsvoll  – nicht bedingungslos entgegenfiebern, steht dabei eher hintenan.

Dabei sollten wir gelernt haben, dass der Erfolg und das Tempo solcher Entwicklungen, Veränderungen, Technologien und Projekte ganz wesentlich von ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz abhängt.

Der Einfluss der Digitalisierung auf nahezu alle Lebensbereiche wird zweifellos von vielen Menschen als Bedrohung ihres Lebensmodells empfunden. Und das nicht nur von Personen, die ihren Lebensunterhalt heute mit Tätigkeiten verdienen, die durch digitale Technologien wohl künftig nicht mehr von Menschen erledigt werden müssen.

Die Überlegungen in China, durch den Aufbau eines riesigen Bonus-/Malus-Punktsystems jeden einzelnen Bürger zu systemkonformem Verhalten zu zwingen, mögen sich wie eine irre Übersteigerung von Orwell oder der späten DDR lesen. (FAZ vom 23.11.17)

Aber die Macht der Daten, die sich schon heute bei Riesen wie Facebook, Alibaba oder Google konzentriert, lässt solche Ideen zumindest als realistisches Gedankenspiel erscheinen. Eine Entwicklung, die nicht ohne Grund bei vielen Menschen Sorge auslöst.

Um die Digitalisierung zu einer Erfolgsgeschichte zu machen, bedarf es des Zusammenwirkens vieler Faktoren. Einer davon ist, möglichst rasch viele Menschen zu befähigen, sich in einer zunehmend digitalisierten Welt souverän bewegen zu können.

Gesellschaft und Digitalisierung: Eine Geschichte der Spaltung

Ein anderer sind Rahmensetzungen und Regularien, die unerwünschte Entwicklungen vermeiden helfen.

Eine zentrale Funktion wird – nicht überraschend in unserer heutigen Mediengesellschaft  – die Kommunikation einnehmen.

Dabei müssen die fundamentalen Unterschiede in der Beziehung der Bürgerinnen und Bürger zur Internetwelt besser als bisher berücksichtigt werden: Für eine Gruppe, die sogenannten „Digital Natives“, ist das Internet die Welt, in die sie hineingeboren wurde und in der sie – zumindest teilweise – „lebt“.

Für eine andere Gruppe ist es ein wichtiges Instrument zur Bewältigung von Aufgaben in Beruf und Alltag. Die Funktionen hat man – mit mehr oder weniger Mühe – erlernt und vervollkommnet, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben.

Und für eine große, nicht zu vernachlässigende, Zahl von Bürgerinnen und Bürgern, sind das Internet und die digitale Gesellschaft ein Buch mit sieben Siegeln, eine inzwischen immer höher werdende Barriere zur Welt um sie herum.

Damit Digitalisierung zur Erfolgsgeschichte wird

Erfolgreiche Kommunikation muss an diesen sehr unterschiedlichen Ausgangspositionen ansetzen. So wie die Digitalisierung die ganze Gesellschaft verändern wird, muss die Kommunikation zur Digitalisierung auch möglichst die ganze Gesellschaft erreichen.

Die Kommunikationsstrategie zur „Digitalisierung“ erfordert – insbesondere bei den Treibern der Entwicklung – ein gewisses Maß an Verständlichkeit, Widerspruchsfreiheit in der Argumentation, einen verantwortlichen Umgang mit vorhandenen Vorbehalten und Ängsten.

Wer „Digitalisierung“ erfolgreich kommunizieren möchte, der macht das zum Beispiel durch den sorgfältigen Einsatz von Sprache und hegt darüber hinaus den Anspruch, die Kommunikation nicht in einen Strang für „Fans und Leistungsträger“ und einen für „Skeptiker und Abgehängte“ aufzuspalten.

Alles Dinge, die in der heutigen Digitalisierungsdebatte noch zu oft unbeachtet bleiben.

Wie zuverlässig sind Wahlprognosen?

Wie zuverlässig sind Wahlprognosen?

von Christoph Eichenseer und Uwe Hitschfeld

Warum interessiert uns das?

Für das Büro Hitschfeld gehört Meinungsforschung zum täglichen Handwerkszeug bei der Betreuung akzeptanzkritischer Projekte. Mit qualitativer Meinungsforschung verschaffen wir uns z. B. Eindrücke über grundlegende Motiv- und Wertemuster bei projektrelevanten Stakeholdern und sammeln Informationen über Kommunikationsstrukturen.

Repräsentative Forschung liefert „hochrechenbare Zahlen“ – auch für Teilgruppen, z. B. zu Meinungen, Einstellungen und Images, die auch regional und zeitlich vergleichbar sind.

Die wichtigsten Erkenntnisse gewinnen wir durch die Verknüpfung beider Forschungsansätze.

Die Öffentlichkeit kennt die repräsentative Forschung insbesondere durch die allgegenwärtige Wahlforschung der Fernsehsender und ist deshalb den Umgang mit solchen Informationen gewohnt.

Für den Praktiker bieten diese Daten und deren Interpretation einen guten „kognitiven Anknüpfungspunkt“ als Einstieg in die Debatte von Forschungsergebnissen.

Es ist deshalb für uns notwendig, die Weiterentwicklung der verschiedenen Forschungsmethoden und konzeptionellen Ansätze zu beobachten und in unseren Projekten nachzuvollziehen, um auf der Höhe der Zeit zu sein. Eine Arbeit, die von unseren Kunden oft gar nicht bemerkt und – zu Recht – vorausgesetzt wird.

Benchmark: die Bundestagswahl

Ein Ereignis, dem sich keines der großen Forschungsinstitute entziehen kann, ist die Bundestagswahl. Damit ist eine Bundestagswahl der Härtetest für alle Institute, die vor der Wahl Daten veröffentlicht haben (s. auch unseren Beitrag vom 29. August 2017).

Welcher Ansatz, welches Institut liefert also das beste Ergebnis?

Ergebnis der Bundeswahlen 2017

Schauen wir uns die TOP 3* an:

Mit identischen Werten belegen die beiden Institute „Infratest dimap“ und „Forschungsgruppe Wahlen“ zusammen den zweiten Platz. Dieses positive Ergebnis wundert uns nicht, da beide Institute seit Jahren für die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten arbeiten (Infratest dimap = ARD / Forschungsgruppe Wahlen = ZDF) und damit über langjährige Erfahrungen und auch über sicher nicht zu knappe Budgets verfügen.
„Sieger“ in unserem Contest ist das Institut „INSA“, was aus mehreren Gründen eine Überraschung darstellt. Zum einen gehört INSA nicht zu den großen, bekannten und traditionsreichen Namen der Branche. Vor allem aber wurden die Daten, im Gegensatz zu den anderen Instituten, bei denen meist das Telefon Mittel der Wahl ist, online abgefragt. Lange Zeit galt diese Art als methodisch weniger seriös und hat (hatte?) den Ruf, wichtige Bevölkerungsgruppen zu wenig oder zu stark zu berücksichtigen und damit weniger „repräsentativ“ zu sein. Doch: „The times they are a changin“. Die Daten zur Bundestagswahl sind ein deutlicher Fingerzeig, dass Onlinebefragungen (die auch das Büro Hitschfeld, neben telefonischen und schriftlichen Befragungen, nutzt) den Wettbewerb um die besten Ergebnisse nicht zu scheuen braucht.

Wie zuverlässig sind Wahlprognosen: Fazit

Forschung hat in unserer komplizierten und komplexen Welt einen großen Stellenwert. Sie dient als Mittel, die Welt besser verstehen zu können, und als wichtige Grundlage für Entscheidungen von – oft – großer Tragweite.

Deshalb müssen die Instrumente – gerade der repräsentativen Meinungsforschung – die sich verändernden Lebenswelten abbilden können, ohne klassische Aspekte zu vernachlässigen.

Ein Forschungsdesign muss deshalb Telefoninterviews unter Berücksichtigung von Festnetz- und Mobilnummern ebenso berücksichtigen, wie Onlinebefragungen.

Damit stehen Meinungsforscher vor ähnlichen Herausforderungen wie nach der Wiedervereinigung 1989/1990, als die geringe Zahl und ungleiche Verteilung der Telefonanschlüsse in Ostdeutschland das eingeübte Markforschungsdesign herausforderte.


*) Wie haben wir verglichen? Perfekt wären Vorhersagen, die genau dem Wahlergebnis entsprechen würden und bei dem es deshalb 0 % Differenz zwischen „Vorhersage“ und Wahlergebnis gäbe. Wir haben deshalb für jedes Institut nachgerechnet, wie groß – je Partei – der „Gap“ zwischen Vorhersage und amtlichem Ergebnis ist. Die Werte aller Parteien plus sonstige aufaddiert ergibt dann die Summe der Abweichungen. Je niedriger der Wert, umso besser.

Stakeholdermanagement mit dem Tool StakeX

Digitalisiertes Stakeholdermanagement StakeX

StakeX ist unser „jüngstes Baby“. Gemeinsam mit unseren langjährigen Kollegen und Partnern vom TeamQ, Mannheim, haben wir in den letzten Monaten die Frage, wie man in heutigen Zeiten effizient und erfolgreich Beziehungsmanagement betreiben muss, diskutiert und neu aufgesetzt. Unsere Erfahrungen, die wir bei der Bearbeitung ganz unterschiedlicher,  akzeptanzkritischer Projekte gesammelt haben, sind dabei wertvoll. Bisher haben wir unsere Betrachtungsweise vorwiegend auf eine sehr personenbezogene Arbeit mit „Stakeholdern“ und „Influencern“ konzentriert. Nunmehr können wir unsere Arbeit um die Analyse und Darstellung der kommunikativen Netzwerke ergänzen, in denen die relevante Personen und Personengruppen unterwegs sind.

Dies ermöglicht nicht nur eine neue Qualität bei der Analyse der relevanten Stakeholderbeziehungen, sondern auch eine sehr präzise, strategische Planung des Kommunikations- und Beziehungsmanagements auf einem – auch inhaltlich – neuen Niveau.

Die ersten Pilotprojekte liegen hinter uns und wir freuen uns über das große Interesse, auf das wir mit „StakeX“ im Markt treffen.

Gern erläutern wir Ihnen  und Ihrem Team das Konzept von „StakeX“ und die Möglichkeiten, die sich durch die Arbeit mit „StakeX“ für Ihr Stakeholdermanagment und Kommunikationsverhalten ergeben. Bitte sprechen Sie uns an!

Michael M. Theis im Gespräch mit dem Büro Hitschfeld für strategische Beratung

Das Büro Hitschfeld im Gespräch mit Michael M. Theis

Michael M. Theis im Gespräch mit dem Büro Hitschfeld für strategische BeratungName: Michael M. Theis

Wohnort: Leipzig

Beruf: Rechtsanwalt

Tätigkeit: kaufmännischer Geschäftsführer Leipziger Wasserwerke

 

…Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst werden, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

„Ich glaube das nicht. Die Zeiten, in denen Vorhabenträger mit ihrem Fachpersonal, mit Kenntnis und Erfahrung allein Projekte umsetzen konnten sind vorbei. Der Grad an Informiertheit, die Bereitschaft, sich eine Meinung zu bilden, sich zu vernetzen sind ungleich höher geworden. Das ist Chance und Risiko zugleich. Dieser Entwicklung müssen sich Unternehmen per sé stellen. Bei Unternehmen der öffentlichen Hand und als Versorger einer Region hat man zusätzlich besondere Verantwortung gegenüber der Bürgerschaft.“

…Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Die Gefahr besteht, wenn „Bürgerbeteiligung“ zum reinen Label verkommt. Wenn sie nicht ernst gemeint sondern nur als ein Baustein, den es abzuarbeiten gilt, begriffen wird.

Wir unterscheiden sehr genau zwischen Informationsangeboten zu unseren Vorhaben einerseits und zwischen Projekten, zu denen es wichtig ist, frühzeitig im Sinne einer wirklichen Beteiligung einzubinden. Dabei wollen wir niemandem ein X für ein U vormachen. Unser Handlungsrahmen ist durch gesetzliche und technische Vorgaben klar definiert. Das muss gewußt sein, bestimmt dieser Kontext doch immer den Grad an Freiheit und Machbarkeit aller Beteiligungsmaßnahmen und Angebote, die wir unterbreiten können. Prinzipiell heißt es für uns , sensibel zu sein für unterschiedliche Sichtweisen, Interessen und auch Befindlichkeiten

…Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Es kann schwierig sein, muss es aber nicht. Die Akzeptanz dafür, dass es unterschiedliche Sichtweisen gibt, hilft. Der Blickwinkel und die Meinung des Gegenüber muss auch mal ausgehalten werden können. Daraus keinen Angriff auf die eigene Persönlichkeit abzuleiten, ist manchmal schwierig und auch anspruchsvoll. Die wenigsten von uns sind dafür ausgebildet.

Da lernen wir alle miteinander. Den gesellschaftlichen Trend zur schnellen Meinung kombiniert mit einem rauer werdenden Umgangston können wir nur durch eigenen hohen Anspruch konterkarieren.

…Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?     

Richtig, die Frage, ob wir uns den eigenen hohen Anspruch auch leisten wollen und leisten können ist eine berechtigte. Wir arbeiten ja schließlich mit dem Geld der Leipziger Bürger. Und am Ende werden wir neben der Versorgungssicherheit natürlich auch am ökonomischen Ergebnis gemessen. Daher weiß ich, dass gute Kommunikation kostet und sich langfristig rechnet. Jeder eingesparte Prozess spart Geld, Zeit und die Nerven unserer Mitarbeiter. Natürlich sind alle Aufwendungen immer im Kontext des Vorhabens zu sehen. Nicht für jede Sanierung, nicht für jede Maßnahme müssen wir das große Besteck der Beteiligung bereit legen. Auch hier gilt ein gesundes Augenmaß.

…Und wann ist man erfolgreich?  Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn es uns gelingt, das Bewusstsein dafür zu schärfen, welche großen Herausforderungen im Bereich der Wasserver- und –entsorgung durch Klimawandel, Verdichtung der Stadtlandschaft, wachsende Bevölkerungszahlen etc. vor uns liegen. Wenn wir über die beste Lösung für diese Aufgaben streiten und das Gehör nicht nur den lauten und aggressiven Stimmen gehört.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen: Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Erfolg und Zufriedenheit sind sicherlich eng miteinander verbunden. Ich bin aber überzeugt, dass Zufriedenheit mehr eine Frage der Einstellung als des beruflichen Erfolges ist. Zufrieden kann ich daher auch sein, wenn ich alles getan habe, um eine Sache ein Projekt erfolgreich zu gestalten und das Ergebnis dann doch anders ausfällt, als geplant 

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Nachdem ich Rechtsanwalt bin, als Banker gearbeitet und lange Jahre mittelständische Unternehmen in Finanzierungsfragen beraten habe, kann ich heute mit Fug und Recht sagen: ich bin beruflich angekommen, weil ich für ein sinnstiftendes, nachhaltiges und zukunftsorientiertes Unternehmen der Daseinsvorsorge arbeiten darf.

Welches Hobby hätten Sie gern (das Sie heute nicht ausüben)? 

Ich hätte gerne ein musisches Talent, um zum Beispiel Saxophon spielen zu können.

Herr Theis, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Dr. Monika Friedrich

Das Büro Hitschfeld stellt sich vor | Dr. Monika Friedrich

Das Team Hitschfeld kennen Sie mit Bild und Wort von unserer Über-uns-Seite.  Wir möchten hier zu einem zusätzlichen Blick auf die Mitarbeiter, die unser Büro ausmachen, einladen. Heute Dr. Monika Friedrich.

Dr. Monika FriedrichFrau Dr. Monika Friedrich, Leiterin Recherche und Monitoring, ist im Büro für alle Dinge zuständig, die einer tieferen Recherche bedürfen. Als Goldgräberin der Daten ist sie es gewohnt, tief zu schürfen.

Themen, Entwicklungen, Meinungsverläufe und Akteure werden dank ihrer Arbeit sichtbar und bilden damit einen wichtigen Baustein für unser Analysetool. Die Suche nach Daten und Informationen und deren Aufbereitung  ist häufig eine stille und manchmal einsame Arbeit. Gut, dass es dazu auch einen Gegenpol gibt.

Informationsveranstaltungen und Beteiligungsformate werden von ihr nicht nur vorbereitet, sondern auch durchgeführt und begleitet. Mit ihrer zugewandten, liebenswerten und interessierten Art, fängt sie auch das aufbrausendste  Naturell und den engagierten Kritiker seriös und charmant auf. Im Umgang mit Kunden, Bürgern und Beteiligten ist sie eine erfahrene  Frau, die jedoch keine Routine zulässt. Jedes Vorhaben ist neu, individuell und wird von ihr je nach Bedarf neu durchdacht.

Die Kümmerin steckt ihr im Blut und davon profitieren wir KollegInnen ganz unmittelbar: wir werden immer wieder bekocht. Als promovierte  Arabistin hat sie uns die Vorzüge der arabischen Küche näher gebracht – „seafood chowder“ lieben wir trotz alle am meisten.

Diskussion der Ansätze "Zufallsbürger" und begleitende Meinungsforschung

Die schweigende Mehrheit zum Sprechen bringen – aber wie?

Diskussion verschiedener methodischer Ansätze

Christoph Eichenseer und Uwe Hitschfeld

Was empfinden Bürgerinnen und Bürger als „erfolgreiche“ Bürgerbeteiligung? Eine Frage, die Vorhabenträger, Behörden und Politik umtreiben muss, wenn es um die Legitimität von Projekten geht, die durch die Beteiligung der Bevölkerung an Meinungsbildungs- und Entscheidungsfindungsprozessen gestärkt werden soll.

Es geht also nicht in erster Linie um die, in den einschlägigen Regelwerken beschriebene und verpflichtend festgelegte „formale Bürgerbeteiligung“, sondern um all die sogenannten „freiwilligen“, „vorgezogenen“ und ergänzenden Formate, mit denen Bürgerinnen und Bürger oft vor den formalen Beteiligungsformaten angesprochen werden sollen.

Im Rahmen eines unserer letzten Forschungsprojekte (Quelle: „Bürgerschaftliches Engagement. Wann gilt Bürgerbeteiligung als erfolgreich?“ 9/2016) haben wir in einer deutschlandweit repräsentativen Untersuchung nachgewiesen, dass über die Hälfte (60 %) der Befragten Bürgerbeteiligung dann für erfolgreich halten, wenn möglichst viele BürgerInnen von den Beteiligungs- und Informationsmöglichkeiten tatsächlich Gebrauch gemacht haben.

40 % der Befragten finden, dass das Kriterium für den „Erfolg der Bürgerbeteiligung“ die vorhandene Möglichkeit ist, sich zu informieren und zu beteiligen.

Stimmen zur Frage der Bürgerbeteiligung

Da es keine Verpflichtung zur Beteiligung an angebotenen Partizipationsformaten gibt und unser System ohnehin auf die Artikulation von Einwänden, nicht von Zustimmung zu einem Vorhaben ausgerichtet ist, stehen die Akteure, die Partizipation organisieren und durchführen, vor einem Problem.

Als Lösung dafür gibt es verschiedene konzeptionelle Ansätze. Allen gemeinsam ist der Versuch, die „schweigende Mehrheit“,  also auch diejenigen, die sich gewöhnlich nicht beteiligen, „zum Sprechen zu bringen“.

„Zufallsbürger“ oder „begleitende Meinungsforschung“?

Aufmerksamkeit hat der Einsatz der sogenannten „Zufallsbürger“ gefunden. Dieser Ansatz wurde und wird bei verschiedenen Projekten in Baden–Württemberg und auch im Rahmen der Endlagersuche für radioaktiven Abfall („Endlagersuche“) angewendet.

Das Büro Hitschfeld empfiehlt hingegen, Partizipationsformate durch repräsentative Meinungsforschung zu flankieren.

Was spricht für, was gegen diese Ansätze?

Zufallsbürger

werden nach einem aufwändigen statistischen Verfahren ermittelt und angesprochen. Sie werden eingeladen, sich über das Projekt informieren zu lassen und dann beschriebene Aufgaben unter Anleitung zu bearbeiten bzw. ihre Meinung zu definierten Sachverhalten zu äußern.

Vorteile dieses Verfahrens:

+ Qualitative Fragestellungen können bearbeitet werden.

+ (begrenzte) Möglichkeit, die „schweigende Mehrheit“ zu Wort kommen zu lassen

+ begrenzter Aufwand

Nachteile dieses Verfahrens:

+ Trotz repräsentativer Auswahl: Die Teilnehmer können/müssen sich „im öffentlichen Raum“ artikulieren. Dadurch nehmen auch hier tendenziell wieder diejenigen teil, die die Öffentlichkeit nicht scheuen – und weniger die avisierte „schweigende Mehrheit“.

+ Auch auf Grund der (üblichen) Teilnehmerzahl (meist im niedrigen zweistelligen Bereich) werden keine repräsentativen Daten erhoben.

Repräsentative Meinungsforschung

Hier werden „Umfragen“ (meist telefonisch oder online) in einem definierten Projektraum durchgeführt.

Es steht das ganze Instrumentarium der empirischen Sozialforschung zur Verfügung, mit dem Daten zu Bekanntheit, Einstellungen und Images erhoben werden können.

Vorteile dieses Verfahrens:

+ Der Output sind repräsentative (hochrechenbare) Daten.

+ Die „schweigende Mehrheit“ kommt – wesentlich leichter – zu Wort, da sie jederzeit anonym bleibt.

+ Das Instrument ist leicht in die eigentliche „Projekt-Facharbeit“ zu integrieren und kann beliebig oft fortgeschrieben bzw. wiederholt werden.

+ Die Öffentlichkeit ist mit dem Instrument der repräsentativen Meinungsforschung vertraut, kann es einordnen und werten.

Nachteile dieses Verfahrens:

+ tendenziell höhere Kosten als beim „Zufallsbürger“

+ Qualitative Ansätze sind nur begrenzt umsetzbar.

Fazit

Sowohl das Instrument „Zufallsbürger“ als auch die „flankierende Meinungsforschung“ sind geeignet, die Legitimität von Partizipationsformaten bei akzeptanzkritischen Projekten zu verbessern.

Auch in diesem Fall sollte die inhaltliche, regionale, temporäre und formale Spezifik des jeweiligen Projektes ausschlaggebend für das einzusetzende Instrument sein.

Nach unserer Einschätzung sprechen die Flexibilität des Einsatzes und die bessere Verwertungsmöglichkeit der (Teil-)Ergebnisse in der Projektkommunikation meist für den Einsatz der flankierenden Meinungsforschung.

Wir bieten unseren Kunden an, durch gründliche Betrachtung der Projektsituation das jeweils sinnvollste Instrument zu finden und einzusetzen.

Leipziger Klimakonferenz am 6. November 2017

Die am 6. November in Bonn beginnende Weltklimakonferenz fand ihre lokale Untersetzung bei der Leipziger Klimakonferenz.

Oberbürgermeister Burkhard Jung konnte den Teilnehmern in seiner Eröffnungsrede den an die Stadt Leipzig an diesem Tag verliehenen European Energy Award in Gold präsentieren.

Fachleute und durch die Stadt Leipzig eingeladene sogenannte Zufallsbürger lauschten den Vorträgen von Dr. Harry Lehmann, Bundesumweltamt, und Heiko Rosenthal, Bürgermeister und Beigeordneter für Umwelt, Ordnung, Sport der Stadt Leipzig, zum Thema Klimawandel und den lokal und regional zu findenden Antworten.

Klimakonferenz in Leipzig 06. November 2018

Für diesen sehr konkreten Austausch traf sich das Publikum in moderierten Diskussionsforen zu verschiedenen Schwerpunktthemen, wie der durch unser Büro moderierten „Zukünftigen Strom- und Wärmeversorgung“.

Diese Veranstaltung war gut besucht und darf nach dem großen Interesse und der Bereitschaft der Besucher zur Mitarbeit keine Eintagsfliege bleiben.

Per Tischgespräch zu mehr Bürgerbeteiligung - kann das gelingen?

Per Tischgespräch zur Bürgerbeteiligung?

„Schafft sich die Demokratie selbst ab?“ – unter dieser Überschrift lud das Theater der Jungen Welt Leipzig am Samstag zu offenen Tischgesprächen ein. Zahlreiche Gäste des am Vortag vergebenen Deutschen Theaterpreises „DER FAUST“ und viele Leipziger Bürger folgten der Einladung – eine seltene und interessante Publikumsmischung, die zum Erfolg der Veranstaltung beitrug.

Nur kurz führten die Veranstalter, der Deutsche Bühnenverein in Kooperation mit dem Theater der Jungen Welt Leipzig, in die Fragestellung und das Veranstaltungsformat ein: Ist die Demokratie wirklich im Niedergang oder wird sie auch in Zukunft das tragfähige Modell für unser Zusammenleben sein? Welche Rolle können Künste, Künstler und ihre Institutionen bei der Stärkung der Demokratie spielen?

Diese beiden Kernfragen standen daher auch im Mittelpunkt der vier Impulsreferate an acht Tischen, gehalten von vier Grenzgängern zwischen Kultur und Politik: Dr. Andreas Eberhardt, Dr. Michael Lüders, Dr. Oliver Tolmein und Dr. Skadi Jennicke.

Eine informelle Diskussionsatmosphäre erhofften sich die Veranstalter durch die kleinen Tischrunden mit von 15 bis 25 Teilnehmern. Und tatsächlich hat das funktioniert. Ob Intendant*innen, Abiturient*innen, Lehrer*innen oder Musiker*innen, Journalist*innen oder Kommunikationsberater*innen, im Rahmen der Tischgesellschaft entwickelte sich ein intensives Gespräch, zunächst mit dem jeweiligen Referenten, später auch untereinander.

Per Tischgespräch zu mehr Bürgerbeteiligung - kann das gelingen?

Dennoch ist das Konzept ausbaufähig: Das Impulsreferat sollte kein geschlossenes Weltbild aufzeigen, das die Teilnehmer*innen mit Antworten erschlägt. Impulse für die Diskussion werden durch Fragen oder zur Debatte gestellte Visionen wesentlich stärker ausfallen und das Gespräch intensivieren. Zudem braucht eine gute Debatte Zeit. Eine Stunde pro Tischgespräch ist hier zu kurz gegriffen, 1,5 bis 2 Stunden wären fruchtbarer.

Das Theater der Jungen Welt Leipzig und der Deutsche Bühnenverein haben mit den Offenen Tischgesprächen ein gutes Format für die Bürgerbeteiligung aufgemacht.

Fortsetzung folgt, so hoffen wir!