Das Büro Hitschfeld im Gespräch mit Michael M. Theis

Michael M. Theis im Gespräch mit dem Büro Hitschfeld für strategische BeratungName: Michael M. Theis

Wohnort: Leipzig

Beruf: Rechtsanwalt

Tätigkeit: kaufmännischer Geschäftsführer Leipziger Wasserwerke

 

…Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht eine dieser Moden, die bald wieder von der nächsten Sau abgelöst werden, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

„Ich glaube das nicht. Die Zeiten, in denen Vorhabenträger mit ihrem Fachpersonal, mit Kenntnis und Erfahrung allein Projekte umsetzen konnten sind vorbei. Der Grad an Informiertheit, die Bereitschaft, sich eine Meinung zu bilden, sich zu vernetzen sind ungleich höher geworden. Das ist Chance und Risiko zugleich. Dieser Entwicklung müssen sich Unternehmen per sé stellen. Bei Unternehmen der öffentlichen Hand und als Versorger einer Region hat man zusätzlich besondere Verantwortung gegenüber der Bürgerschaft.“

…Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

Die Gefahr besteht, wenn „Bürgerbeteiligung“ zum reinen Label verkommt. Wenn sie nicht ernst gemeint sondern nur als ein Baustein, den es abzuarbeiten gilt, begriffen wird.

Wir unterscheiden sehr genau zwischen Informationsangeboten zu unseren Vorhaben einerseits und zwischen Projekten, zu denen es wichtig ist, frühzeitig im Sinne einer wirklichen Beteiligung einzubinden. Dabei wollen wir niemandem ein X für ein U vormachen. Unser Handlungsrahmen ist durch gesetzliche und technische Vorgaben klar definiert. Das muss gewußt sein, bestimmt dieser Kontext doch immer den Grad an Freiheit und Machbarkeit aller Beteiligungsmaßnahmen und Angebote, die wir unterbreiten können. Prinzipiell heißt es für uns , sensibel zu sein für unterschiedliche Sichtweisen, Interessen und auch Befindlichkeiten

…Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Es kann schwierig sein, muss es aber nicht. Die Akzeptanz dafür, dass es unterschiedliche Sichtweisen gibt, hilft. Der Blickwinkel und die Meinung des Gegenüber muss auch mal ausgehalten werden können. Daraus keinen Angriff auf die eigene Persönlichkeit abzuleiten, ist manchmal schwierig und auch anspruchsvoll. Die wenigsten von uns sind dafür ausgebildet.

Da lernen wir alle miteinander. Den gesellschaftlichen Trend zur schnellen Meinung kombiniert mit einem rauer werdenden Umgangston können wir nur durch eigenen hohen Anspruch konterkarieren.

…Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?     

Richtig, die Frage, ob wir uns den eigenen hohen Anspruch auch leisten wollen und leisten können ist eine berechtigte. Wir arbeiten ja schließlich mit dem Geld der Leipziger Bürger. Und am Ende werden wir neben der Versorgungssicherheit natürlich auch am ökonomischen Ergebnis gemessen. Daher weiß ich, dass gute Kommunikation kostet und sich langfristig rechnet. Jeder eingesparte Prozess spart Geld, Zeit und die Nerven unserer Mitarbeiter. Natürlich sind alle Aufwendungen immer im Kontext des Vorhabens zu sehen. Nicht für jede Sanierung, nicht für jede Maßnahme müssen wir das große Besteck der Beteiligung bereit legen. Auch hier gilt ein gesundes Augenmaß.

…Und wann ist man erfolgreich?  Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

Wenn es uns gelingt, das Bewusstsein dafür zu schärfen, welche großen Herausforderungen im Bereich der Wasserver- und –entsorgung durch Klimawandel, Verdichtung der Stadtlandschaft, wachsende Bevölkerungszahlen etc. vor uns liegen. Wenn wir über die beste Lösung für diese Aufgaben streiten und das Gehör nicht nur den lauten und aggressiven Stimmen gehört.

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen: Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

Erfolg und Zufriedenheit sind sicherlich eng miteinander verbunden. Ich bin aber überzeugt, dass Zufriedenheit mehr eine Frage der Einstellung als des beruflichen Erfolges ist. Zufrieden kann ich daher auch sein, wenn ich alles getan habe, um eine Sache ein Projekt erfolgreich zu gestalten und das Ergebnis dann doch anders ausfällt, als geplant 

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

Nachdem ich Rechtsanwalt bin, als Banker gearbeitet und lange Jahre mittelständische Unternehmen in Finanzierungsfragen beraten habe, kann ich heute mit Fug und Recht sagen: ich bin beruflich angekommen, weil ich für ein sinnstiftendes, nachhaltiges und zukunftsorientiertes Unternehmen der Daseinsvorsorge arbeiten darf.

Welches Hobby hätten Sie gern (das Sie heute nicht ausüben)? 

Ich hätte gerne ein musisches Talent, um zum Beispiel Saxophon spielen zu können.

Herr Theis, wir danken Ihnen für das Gespräch!

image_print
0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.