Das Büro Hitschfeld im Gespräch mit Jörg Weber

Fotograf/Copyright Lutz Kampert, Dortmund

 

Jörg Weber ist Projektsprecher, unter anderem für die Projekte Reutlingen – Herbertingen und Wullenstedten – Niederwangen, bei der Amprion GmbH, einem der vier großen Übertragungsnetzbetreiber Deutschlands und arbeitet seit nunmehr fünf Jahren eng mit dem Büro Hitschfeld zusammen.

 

 


Name              Jörg Weber
Alter                
44     
Wohnort        
Werne an der Lippe
Beruf              
 Redakteur beim Radio
Tätigkeit         
Projektsprecher der Amprion GmbH
Hobbys            
grillen, Karneval, reisen und Ski fahren


…Jetzt mal ehrlich, diese Diskussion um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz – ist das nicht ein Trend, der bald wieder von der nächsten Sau abgelöst wird, die durch unser virtuelles Dorf getrieben wird?

„Das glaube ich nicht, im Gegenteil. Die Möglichkeiten der heutigen Informationsgesellschaft sind insbesondere durch das Internet so vielfältig geworden, sich über ein Thema zu informieren… Das stellt auch die Kommunikation von Unternehmen vor neue Herausforderungen. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht, dass sie frühzeitig über ein Projekt in ihrem Lebensumfeld informiert und beteiligt werden. In meinem beruflichen Bereich des Netzausbaus heißt das, wir nehmen die Menschen von Beginn an mit und begleiten das Projekt kommunikativ mit Dialogangeboten bis zum Ende mit der Bauphase und Inbetriebnahme einer Stromleitung. Früher sind die Bürger vielleicht in die Stadtbücherei gegangen und haben in der Naturwissenschaftlichen Abteilung das Buch ‚Der elektrische Strom‘ dazu gefunden, heute geben sie bei Google den Suchbegriff ‚Stromleitung‘ ein und bekommen innerhalb einer halben Sekunde rund 625.000 Suchergebnisse geliefert. Da kommen jede Menge Fragen auf. Eine gute Bürgerbeteiligung schafft nicht unbedingt Akzeptanz, aber sie beantwortet Fragen und erreicht damit Toleranz gegenüber dem Projekt und dem Vorhabenträger.“

…Allzu viel ist ungesund! Überfordern wir die Bevölkerung mit immer mehr und immer neuen Angeboten von Partizipation und Aufrufen zu bürgerschaftlichem Engagement?

„Es ist ja immer nur die Möglichkeit sich zu beteiligen und keine Pflicht. Das hängt im Wesentlichen vom Grad der Betroffenheit ab. Wer sich betroffen fühlt, beteiligt sich in der Regel auch. Wichtig ist, dass man für jeden Typ das richtige Angebot parat hat. Neben der klassischen Kommunikation über Broschüren und Briefwechsel bis hin zum Newsletter, Twitter oder Dialogportal mit Eingabemöglichkeit.“

…Wo ist das Problem? Warum ist es eigentlich so schwierig, mit Bürgerinnen und Bürgern sachlich und konstruktiv in einen Dialog zu kommen?

Wichtig ist, dass man mit den Menschen auf Augenhöhe spricht, ihre Anliegen aufnimmt und sie vor allem ein Feedback zu ihren Anregungen bekommen. Es geht bei Bürgerbeteiligung meistens nicht um „Wünsch Dir was“, sondern um „so ist es“. Deshalb ist ein offener und transparenter Dialog entscheidend für den Erfolg.

…Was das kostet! Können wir uns den ganzen Aufwand überhaupt leisten, den wir mit Information, Bürgerbeteiligung und Akzeptanzmanagement heute treiben?     

„Gute Kommunikation kostet Geld und Zeit, aber wenn Sie erfolgreich ist, spart sie auch Geld und Zeit. Nur werden diese eingesparten Faktoren z.B. für nicht durchgeführte Klagen oder Gerichtsprozesse dann nicht mehr sichtbar. Ansonsten sollten Aufwand und Kommunikationsbedarf immer in Relation zum Projekt stehen. Beim Netzausbau erfordert ein Neubau auf grüner Wiese deutlich mehr Kommunikation als ein Ersatzneubau einer bereits seit 90 Jahren vorhandenen Leitung.“

…Und wann ist man erfolgreich?  Wann ist – aus Ihrer Sicht – Bürgerbeteiligung tatsächlich gelungen?

„100-prozentige Zustimmung von allen und jedem bekommen Sie heute nicht mehr, aber die Kommunikation zu einem Projekt ist aus meiner Sicht erfolgreich, wenn es keine großartigen Verzögerungen gibt und das Projekt am Ende umgesetzt wird.“

Und dann hätten wir noch ein paar persönliche Fragen: Unterscheiden Sie zwischen Erfolg und Zufriedenheit?

„Ja ich unterscheide beides, denn ich bin schon zufrieden, wenn ich abends am Grill stehe oder der HSV ein Fußballspiel gewinnt… aber die Frage, ob beruflicher Erfolg zufriedener macht, hängt nicht immer von einem selbst ab.“

Was wären Sie gern (beruflich), wenn Sie nicht das wären, was Sie heute sind?

„Pilot.“

Welches Hobby hätten Sie gern (das Sie heute nicht ausüben)? 

„Fliegen.“

Herr Weber, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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